Magdeburg l Als sich Tobias Ginter im Verbandsliga-Gastspiel des SV Fortuna in Westerhausen am 27. Oktober 2018 das Schien- und Wadenbein brach, war seine fußballerische Laufbahn so gut wie beendet. Inzwischen ist der Außenbahnspieler aber genesen und läuft heute zum ersten Mal wieder am Schöppensteg auf – dann allerdings als Gegner der Fortunen.

Der 28-Jährige hat sich in der Zwischenzeit nämlich dem 1. FC Magdeburg II angeschlossen, mit dem er um 15 Uhr zum Reserven-Duell der Landesklasse 2 beim SV Fortuna II gastiert. Dass er überhaupt so bald auf den Fußballplatz zurückkehren würde, schien für Ginter unrealistisch. Im November 2018 meinte er gegenüber der Volksstimme noch: „Ob ich noch mal Fußball spielen kann, ist fraglich. Das wird sicherlich eine Kopfsache.“

Keine Angst, nur Freude

21 Monate später ist von diesen Bedenken nichts mehr zu spüren. „Der Kopf spielt keine Rolle mehr“, berichtet ein strahlender Ginter und fügt an: „Ich habe auch keine Angst, mich wieder zu verletzen, weil ich es ohnehin nicht beeinflussen kann.“

Die Freude am Fußball ist also zurückgekehrt, wenngleich die lange Zwangspause ihre Spuren hinterlassen hat. „Mir fehlt im Moment noch die Spritzigkeit. Auch in die ganzen Abläufe muss man nach anderthalb Jahren erst einmal wieder reinfinden“, erklärt Ginter. „Das wird aber von Woche zu Woche besser.“

Gropius nimmt ihn mit

Bei der Club-Reserve freut man sich, einen solchen Qualitätsspieler gewonnen zu haben. „Tobi wird uns mit seinen spielerischen Möglichkeiten auf jeden Fall weiterhelfen“, ist sich Trainer Andreas Heyse sicher. „Dass er noch ein paar Wochen braucht, um so richtig reinzukommen, ist völlig klar.“

Dass Ginter überhaupt bei der FCM-Zweiten vorstellig wurde, hat Heyse seinem Angreifer Christian Gropius zu verdanken. Die beiden angehenden Lehrer absolvieren derzeit gemeinsam ihr Referendariat und kamen dabei auf das Thema Fußball zu sprechen. „Christian hat mich dann zum Training mitgenommen, und es hat mir sofort sehr gefallen. Die Truppe ist menschlich super drauf, der Zusammenhalt ist klasse und ich wurde sofort in den Kreis aufgenommen“, erklärt Ginter seinen Werdegang vom Gast- zum Mitspieler.

Bereits einen Treffer erzielt

In der Vorbereitung lief der Mittelfeldspieler bereits einige Mal für die Club-Zweite auf, konnte sich im letzten Test am Dienstagabend beim 6:1 über den SV Seilerwiesen unter den Torschützen eintragen. Dies gelang ihm auch schon vor zwei Wochen zum Landesklasse-Auftakt, als er beim 3:1-Erfolg über den MSC Preussen II zum zwischenzeitlichen 2:0 traf. „Das war ein geiles Gefühl. Die ganze Mannschaft kam, um mit mir zu feiern. Da habe ich noch mal gemerkt, dass ich hier absolut richtig bin. Hoffentlich geht es so erfolgreich weiter.“

So sollen heute auch am Schöppensteg bestenfalls drei Zähler eingefahren werden. „Das wird aber nicht leicht“, warnt Ginter. „Die Fortuna-Zweite ist eine eingespielte Truppe, die ebenfalls viel auf Zusammenhalt setzt und einen guten Ball spielt.“ Gastspiele beim SV Fortuna II scheinen der FCM-Zweiten allerdings zu liegen, schließlich endeten alle drei Landesklasse-Duelle am Schöppensteg mit Siegen für die Club-Reserve. „Tatsächlich haben sie uns so schon den einen oder anderen schönen Tag versaut“, erinnert sich Fortuna-Coach Denis Einecke ungern an die jüngeren Duelle. Wenn es nach ihm geht, soll sich diese Statistik heute – auch in Abwesenheit des in den Niederlanden urlaubenden Trainers - ändern.

Für Tobias Ginter sind die Resultate zunächst sekundär. Nach der schwerwiegenden Verletzung will der „Rückkehrer“ vor allem gesund bleiben. „Die Ergebnisse kommen schon von allein, wenn wir alle an Bord haben und unsere Leistung abrufen“, ist er sich sicher. So vielleicht auch heute bei der Rückkehr zur alten sportlichen Heimat.