Magdeburg l Die letzte große Anschaffung von Hannes Bransche war ein Fahrrad. Seit der Jugend habe er dasselbe Rad gefahren, aber jetzt, mit 20 Jahren, sei es an der Zeit für etwas Neues gewesen. Und ähnlich wie in Sachen Fahrrad steht auch im Handball in naher Zukunft der nächste Entwicklungsschritt bevor. Allerdings lässt sich der wahrscheinlich kaum so schnell und unkompliziert realisieren wie ein Radkauf. Denn um von den Youngsters zu den Profis des SC Magdeburg aufzurücken, bedarf es Durchhaltevermögens und herausragender Leistungen. Nichtsdestotrotz sucht Bransche seine Chance und bestreitet im Moment die komplette Vorbereitung mit der Mannschaft von Bennet Wiegert. Das ist auch ein Lohn für seine bisherige Arbeit.

Letzte Saison aufgerückt

„Hannes hat es bereits am Ende der vergangenen Saison, als er zu uns aufgerückt ist, sehr gut gemacht. Er hat es sich verdient, die Vorbereitung mitzunehmen, für sich Erfahrungen zu sammeln und sich weiterzuentwickeln“, stellte Wiegert zu Beginn des Trainingsauftakts klar. Bransches Engagement ist vorerst aber zeitlich begrenzt: „Ich helfe im rechten Rückraum aus, solange Albin Lagergren noch nicht einsatzbereit ist“, berichtet der Nachwuchsspieler.

Stück für Stück ranarbeiten

Lagergren befindet sich nach seinem Mittelfußbruch im Mai ja noch im individuellen Aufbautraining. Neuzugang Christoph Steinert wäre ohne die Unterstützung von Bransche sozusagen Alleinunterhalter auf der Position. „Auch deshalb ist es sinnvoll, einen zweiten Linkshänder dabeizuhaben“, sagt Wiegert.

Für den 20-Jährigen ist die Zeit bei den Profis „eine Ehre und unheimlich wertvoll“. Schon in der vergangenen Saison erlebte er sein Bundesliga-Debüt, „die Vorfreude darauf, weiterhin bei den Profis zu sein, war dementsprechend groß“, erzählt Bransche. Respekt vor der Aufgabe gehört dazu. „Natürlich will ich mich da nicht blamieren, deshalb macht man sich selbst wahrscheinlich am meisten Druck. Solange die Chance da ist, gebe ich mein Bestes.“

Da die Spiel-Philosophie bei den Youngsters und Profis ähnlich ist, „musste ich jetzt nicht groß Spielzüge oder Theorie lernen, das hat sich über die Jugendmannschaften hinweg entwickelt und eingeschliffen“. Das Niveau ist dennoch ein anderes: „Mit meiner Leistung bin ich bislang zufrieden, aber mir wird auch aufgezeigt, wo momentan noch meine Grenzen liegen. Da fehlt noch ein Stück, um bei den Profis ranzukommen. Aber das will ich Schritt für Schritt angehen.“ Gerade die Abwehrarbeit sei beispielsweise eine Schwäche von ihm. „Da muss ich mich verbessern“, meint Bransche.

Siebtes Jahr in Magdeburg

Dass er aus der Erfahrung aber auch viel für sich mitnehmen kann, ist ihm zuletzt bewusst geworden. „Ich habe einfach gemerkt, dass es für mich selbst besser ist, wenn ich auch im Training mit einer gewissen Körperhaltung und Selbstvertrauen rangehe“, erzählt Bransche. Und fügt mit einem Grinsen an: „Es ist jetzt also nicht mehr so, dass ich mir in die Hosen mache, wenn ich gegen Michael Damgaard spiele.“

Mittlerweile geht Bransche in sein siebtes Jahr in Magdeburg. Mit 14 Jahren kam er von Nordhausen an die Elbe, besuchte das Sportgymnasium. Nach dem Abitur begann er ein Psychologie-Studium an der Universität, ist nun im zweiten Semester. „Mein Ziel ist es, als Therapeut zu arbeiten. Die Vorstellung, Menschen dabei helfen zu können, ihre eigenen Probleme zu lösen, finde ich schön“, erklärt er seine Wahl.

Zukunft liegt in Magdeburg

Da sich sein Leben somit komplett in Magdeburg abspielt, sieht er hier auch seine Zukunft. „Solange ich bei den Youngsters eine Chance bekomme, nutze ich die“, stellt er klar.

Bransche weiß aber auch, dass der Durchbruch manchmal erst in einem anderen Verein gelingt. Aus Magdeburger Sicht gibt es dafür gleich mehrere Beispiele: Rückkehrer Tim Hornke, der bis 2014 für den SCM spielte und dann nach Lemgo ging, weil Robert Weber vor ihm gesetzt war. Und auch Torhüter Dario Quenstedt kehrte 2013 nach zwei Jahren aus Lübbecke zum SCM zurück. „Wenn es so sein soll, kann es für mich auch woanders weitergehen“, meint Bransche. Zurzeit ist das aber Zukunftsmusik – der SCM hat Priorität.