Magdeburg l Die 24-Jährige vom Mitteldeutschen SC startet erstmals bei den deutschen Meisterschaften im Siebenkampf. Ihr Motto lautet: „Nichts zu verlieren.“ Schneller, weiter, höher: Im Idealfall steigert Jessica Graf am Wochenende im nordrhein-westfälischen Wesel in allen Disziplinen ihre Bestwerte. „Das wäre natürlich schön“, sagt die 24-Jährige vom Mitteldeutschen Sportclub (MSC) lächelnd. Graf startet bei den deutschen Meisterschaften im Auestadion im Siebenkampf. Es ist ihre Premiere bei den Frauen. Die Norm dafür hatte sie beim Meeting im Juni in Bernhausen erfüllt – mit einer persönlichen Bestleistung von 4530 Punkten.

Dabei war ihre Karriere gar nicht mehr auf den Mehrkampf ausgerichtet. Nach zweijährigem verletzungsbedingtem Ausfall – erst ein Ermüdungsbruch im Fuß, dann eine Knieoperation – war Graf 2013 zum Stabhochsprung gewechselt. Und dies erfolgreich. Vor zwei Jahren verbesserte sie ihre Bestleistung mit einem großen Satz von 3,50 auf 3,72 Meter. Landesrekord in Sachsen-Anhalt. Bis heute. Doch so ging es nicht weiter.

Stillstand mit dem Stab

„Im vergangenen Jahr lief es nicht mehr so, wie ich es mir vorgestellt habe“, berichtet Graf. Im Training kam sie allenfalls noch über 3,30 Meter. „Es ging nichts mehr, und es war nicht zu erklären.“ Graf hat allerdings eine Vermutung: „Ich wollte die 4,00 Meter überspringen, vielleicht hatte ich mir damit zu viel vorgenommen.“ Vielleicht also hatte sie das große Ziel gehemmt.

Deshalb, so empfahl es auch ihr Trainer Hans-Ullrich Riecke, trat Graf die Rückkehr zum Mehrkampf an, für den sie einst beim SC Magdeburg ausgebildet wurde, ehe sie 2011 zum MSC wechselte. „Das war auch kein Problem, weil unser Training mehrkampfspezifisch ausgerichtet ist“, erklärt Graf. 100 Meter Hürden, Hochsprung, Kugelstoßen, 200 Meter, Weitsprung, Speerwurf, 800 Meter: Nach vier Jahren Pause von der großen Vielfalt der Leichtathletik hat sie 2017 den Neustart gewagt. Und was nur als Abwechslung von der schlechten Stabhochsprung-Phase geplant war, „hat mir sofort großen Spaß gemacht“. Abzulesen in den Ergebnissen: Graf hat in allen sieben Disziplinen in den letzten 20 Monaten Bestwerte aufgestellt.

In Wesel nichts zu verlieren

In Wesel, und das ist auch das Motto der 1,68 Meter großen Studentin der Sozialwissenschaft, „habe ich nichts zu verlieren“. Sie ist eine der Jüngsten im Feld der 26 Athletinnen. Sie ist zugleich mit dem drittschlechtesten Ergebnis gemeldet. „Aber bis 4700 Punkte liegen alle eng beieinander“, hat sie beim Blick auf die Starterliste festgestellt. Topfavoritin ist Anna Maiwald (TSV Bayer Leverkusen). Die 28-Jährige hat sich 2014 den Meistertitel gesichert und ist die Einzige im Feld, die schon mal mehr als 6000 Punkte gesammelt hat (6111).

Was sich Jessica Graf also von ihrer Premiere erwartet? „Ich wäre sehr zufrieden, wenn ich auf einem Platz in der oberen Hälfte des Feldes landen würde.“ Und dies mit persönlicher Bestleistung.