Magdeburg l Der Gastgeber ist der USC, der Gast ist die WSG Reform. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern. Um 12 Uhr mittags kämpfen die Volleyballerinnen gegeneinander, um 15 Uhr treffen die Volleyballer aufeinander. Und Anja Bechmann, Trainerin der USC-Mädchen, sagt: „Ich hoffe, dass wir am Sonntag wieder eine volle Halle haben werden.“ Wie immer also, wenn das Stadtderby steigt.

Frauen

Jamie Katillus und Eva Neumann sind Freundinnen fürs Leben. Sie teilen sich ein Apartment im Magdeburger Sportinternat. Die 17- und die 16-Jährigen unternehmen viel in der Freizeit. Und sie teilen wenigstens eine Leidenschaft. Diese Leidenschaft heißt Volleyball, ob in der Halle oder auf Sand. Sie trägt allerdings unterschiedliche Farben. Bei Katillus trägt sie jene Farben des USC Magdeburg, bei Neumann jene der WSG Reform. Anja Bechmann ist sich sicher: „Wenn beide ihr Trikot anziehen, wissen sie, für wen sie kämpfen.“ Nämlich nicht für-, sondern gegeneinander. So wie am Sonntag in der Campus-Halle.

Katillus und Neumann haben womöglich oft miteinander über dieses Spiel geredet. Über die Chancen beider Teams. Über die Schwächen. Über die Stärken. Oder ob sie vielleicht nach der Partie irgendwann gemeinsam und gleichzeitig zum Frust- und Spaßshoppen gehen. Ihre Freundschaft wird das Resultat ganz sicher nicht berühren. Auch die Trainer wollen eine besondere Rivalität nicht in den Fokus rücken. „Beim USC wird eine gute Arbeit gemacht, das muss man anerkennen“, sagt WSG-Coach Frank Weißleder. „Es ist einfach ein Stadtderby, das den Zuschauern Spaß machen soll“, erklärt Bechmann.

Die 35-Jährige muss, „auch wenn wir es nicht wollen“, ihrer Mannschaft eine Favoritenrolle zugestehen. Obschon der Duell-Rhythmus zwischen beiden Teams einen Sieg der Reformerinnen prognostiziert. „Vor zwei Jahren in der Landesoberliga haben wir zweimal verloren, in der letzten Saison in der Regionalliga zweimal gewonnen“, erklärt Bechmann. An diese Siege des USC erinnert sich Weißleder ungern zurück: „Damals haben wir Lehrgeld bezahlt. Der USC und Rotation Prenzlauer Berg waren auch die Einzigen, die uns in der Saison zweimal besiegt hatten.“

Lehrgeld hat sein Team auch in der laufenden Serie bezahlt, aber es hat sich vorzüglich gefangen und nach fünf Siegen in Folge zuletzt Tabellenführer SC Potsdam II in den fünften Satz gezwungen. „Hätte man mir vor dem Spiel gesagt, dass wir ganz souverän einen Punkt holen, hätte ich ihn sofort genommen“, so Weißleder. Derweil bastelt er noch an der Gretchenfrage, ob die 2:3-Niederlage vermeidbar gewesen wäre. Und setzt die Kritik bei sich an. „Aus meiner Sicht hätte ich im vierten Satz reagieren und wechseln müssen. Aber da hatte ich zu viele Gedanken im Kopf.“

Bechmanns Mädels sind indes mit zwei Siegen in Folge von Platz neun auf vier geklettert, so schnell geht das in dieser Liga. Die WSG ist Siebter – mit nur einem Punkt weniger als der Stadtrivale. Wer gewinnt also das neuerliche Duell? Bechmann sagt: „Darüber entscheidet auch die Tagesform.“

Männer

Am Ende des Sonntags werden die Herren beider Mannschaften oder zumindest eine Auswahl der Herren sich zusammensetzen und beim kühlen Blonden in den Erfahrungsaustausch gehen. Oder so ähnlich. „Eigentlich spielt ja USC jung gegen USC alt“, bemerkt USC-Trainer Marko Schulz zum Stadtderby mit einem Lächeln. Er selbst hat ja mit einigen Akteuren der WSG Reform schon gemeinsam auf dem Parkett gestanden. „Das bietet natürlich einen besonderen Reiz“, erklärt der spielende Coach aus dem Trainerduo mit Dennis Raab, „hat aber im Spiel keine Bedeutung. Vielleicht werden wir danach über alte Zeiten schwatzen.“

Alte Weggefährten treffen also aufeinander, Gunnar Griep bei der WSG und Schulz beim USC. Um nur ein Beispiel zu nennen. Aber auch junge Akteure, die diese Rivalität noch gar nicht kennen, nehmen an dem Derby teil. Und auch Schulz kehrt schnell aus der Erinnerung in den Punktspielmodus zurück und blickt voraus: „Es wird wichtig werden, dass wir sicher in der Abwehr agieren und unsere Chancen konsequent nutzen.“

Konsequente Vorfreude auf das Duell empfindet auch die WSG Reform. So hat Trainer Steffen Schulz erklärt: „Auf dises Spiel freut sich der gesamte Verein. Ich muss meinen Spielern auch keine große Motivation mitgeben, da ist jeder fokussiert und konzentriert.“ Es wäre ja erst der zweite Saisonsieg für den Aufsteiger. „Der aktuell neunte Tabellenplatz spiegelt nicht das wirklich Leistungsvermögen wider“, ist sich Schulz sicher. Der USC ist Vierter. Aber ist die Tabelle in diesem Spiel wichtig? Für Schulz nicht: „Ich denke, hier wird dem Volleyballsport in Magdeburg etwas ganz Besonderes geboten.“