Magdeburg l  Nach den Beschlüssen von Bund und Ländern zur Verlängerung des Lockdowns rückt auch das Szenario vom Abbruch der Spielzeit 2020/21 immer näher.

Jörg Bihlmeyer ist lange genug im Fußballgeschäft unterwegs, um zu wissen, dass die Taktik des Zeitspiels nicht mehr lange gut geht. Der populistische Vorwurf, dass die Realität dem Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA) schneller enteilen würde als Dortmunds Erling Haaland seinen Gegenspielern, ist auch nicht neu. Doch wohl auch, um ihn zu entkräften, hat Bihlmeyer, der Vizepräsident Spieltechnik im Landesverband, am Freitag in selten gekannter Deutlichkeit auch erstmals das allgegenwärtige Schreckgespenst beim Namen genannt. „Ich möchte, beziehungsweise kann leider nicht ausschließen, dass auch eine Annullierung der Saison 2020/21 in Betracht kommt“, sagte der FSA-Vize nach der turnusmäßigen Vorstandssitzung vom Donnerstagabend.

FSA pausiert weiter den Spielbetrieb

In seiner Videokonferenz beschloss der Verband allerdings erst einmal wenig Überraschendes: Der gesamte Spielbetrieb – also Punkt-, Pokal- und Freundschaftsspiele – in allen Spiel- und Altersklassen auf Landes- und Kreis- ebene wird bis einschließlich 7. März ausgesetzt. Das abgestimmte Vorgehen resultiert aus den Ergebnissen der Bund-Länder-Konferenz, welche zur Wochenmitte weiterhin keine neuen Hoffnungen in Richtung Amateursport geschickt hatte. Neben dem verlängerten Lockdown dürfte auch die aktuelle Wetterlage dafür sorgen, dass eine rasche Rückkehr auf die Plätze wie reine Utopie erscheint. „Leider rennt uns die Zeit, um unser grundsätzliches Ziel, zumindest die Hinrunde zu Ende zu spielen, davon. Ich hatte gehofft, dass es beim erneuten Bund-Länder Gipfel ein paar Signale gibt, welche zur Hoffnung beitragen, zumindest den Trainingsbetrieb für die Vereine anlaufen zu lassen“, so Bihlmeyer. Mit Blick auf die kommenden Wochen sollen nun verschiedene Szenarien ausgearbeitet werden, um auf einen Re-Start vorbereitet zu sein. Die nächste virtuelle Vorstandstagung ist für den 6. März anberaumt.

Bis dahin sollen in Sachen Entscheidungsfindung wieder die Vereine mit ins Boot geholt werden. „Dennoch werden wir jetzt im Spielausschuss Überlegungen und Varianten erarbeiten, welche wir den Vereinen vorstellen und besprechen werden. Wir werden große Flexibilität mit einfließen lassen“, verspricht der Verbandsvizechef.

Re-Start ungewiss und umstritten

Unabhängig davon, wie die Festlegungen entsprechend der aktuellen Verfügungslage dann aussehen werden, will der FSA seinen Mitgliedsvereinen eine mindestens vierwöchige Vorbereitungsphase einräumen. Es braucht keine fundierten Mathematik-Kenntnisse, um den nun verlängerten Countdown auch als einen letzten Aufschub des Unvermeidlichen zu betrachten. Sind die Weichen für den Neustart bis Anfang März nicht gestellt, darf der zweite vollständige Abbruch in Folge als sicher gelten. Bis dahin will Bihlmeyer die Hoffnung zwar nicht beerdigen, knüpft sie aber an eine klare Erwartung: „Ich hoffe sehr stark, dass beim nächsten Gipfel der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten und weiter sinkenden Infektionszahlen dann entsprechende Lockerungen gegeben werden, welche uns im Amateurfußball positiv für die weitere Zukunft stimmen.“

Bismarks Trainer Christoph Grabau, auch ehemaliger Spieler des TSV Völpke, sah es schon vorher sehr kritisch, mit so einer großen Anzahl an Mannschaften in die Saison zu starten und hätte es lieber gesehen, wie in anderen Bundesländern, dass die Staffeln kleiner gewesen wären. „Meiner Meinung nach muss mindestens eine Hinrunde gespielt werden, um überhaupt einigermaßen einen Vergleich ziehen zu können, der natürlich auch noch hinkt. Der eigentliche Modus eines Hin- und Rückspiels ist da natürlich nicht mehr gegeben. Eine Annullierung wäre ärgerlich, da man sich ein wenig umsonst auf eine Saison vorbereitet hat. Das wäre aber das Fairste gegenüber den Mannschaften, die sich auf Ab- und Aufstiegskampf vorbereitet hatten und vielleicht jetzt gerade nicht so gut fahren, weil der Saisoncharakter nicht da ist. Ich könnte auch mit einer Annullierung leben, dies wäre einfach das fairste. Die Entscheidungen, die der FSA getroffen hat, sind nicht so ganz glücklich gefallen. Wenn es Anfang April losgehen würde, könnte es noch was werden. Wenn es in den Mai reingeht, macht es keinen Sinn mehr. Aus dem jetzigen Stand Auf- und Absteiger zu küren wäre unfair und ich finde es meiner Meinung nach sehr kritisch.“