Salzwedel/Halle l Mit Ian Werner Scheffler träumt noch ein weiterer Hansestädter von diesem großen Sprung. Der 13-Jährige besucht seit Sommer 209 das Sportgymnasium in Halle/Saale und spielt aktuell für die U13 des Halleschen FC.

Vorbild ist Michel Niemeyer

Ian Werner Scheffler ist zwar großer Fan von Eintracht Frankfurt, doch sein Vorbild heißt nicht etwa Luka Jovic, Ante Rebic und auch nicht Sebastien Haller, sondern Michel Niemeyer. Niemeyer spielt beim 1. FC Magdeburg und stammt genau wie Scheffler aus Salzwedel. Klar, dass der 13-jährige Offensivakteur des Halleschen FC seinem Idol nacheifert und es später ebenfalls in den bezahlten Fußball schaffen möchte. Daher wagte Ian früh – genauer gesagt mit nur zwölf Jahren – den Sprung auf die Sportschule.

Unter der Regie von Holger Neumann und Hendrik Stiller jagte Ian Werner Scheffler mit gerade einmal sechs Jahren zum ersten Mal dem runden Leder nach. Damals spielte der Mittelfeldakteur noch in der F-Jugend des SV Eintracht Salzwedel. Ian glänzte nicht nur mit seiner hervorragenden Technik, sondern auch mit hoher Laufbereitschaft sowie seinem großen Kämpferherz. Klar, dass er sich schnell zu einem Leistungsträger bei der Eintracht entwickelte. „Ich will immer gewinnen“, sagt Scheffler, der erst am Dreikönigstag 13 Jahre alt wurde, selbst über sich.

Disziplin für den Erfolg wichtig

 „Es ist wichtig, viel zu können, aber eben auch viel zu lernen“, erklärt der gebürtige Salzwedeler, was ihn schon immer an der Volkssportart Nummer eins faszinierte. Die ersten größeren Erfolge ließen auch nicht lange auf sich warten. Im E-Junioren-Bereich freute sich Ian mit der Eintracht über einen Kreismeister- sowie einen Hallenkreismeistertitel. Zu dieser Zeit wurde er von seinem Vater Frank trainiert.

Hat mich motiviert und weitergebracht

Bereits seit seinem zweiten E-Jugend-Jahr gehörte der junge Salzwedeler auch dem DFB-Stützpunkt in Klötze an, wo er speziell von Jürgen Brandt viel lernen konnte. „Er hat mich immer wieder toll motiviert und definitiv auch weitergebracht. Zudem hat er immer an mich geglaubt“, sieht der 13-Jährige in Brandt einen seiner größten Förderer und ist ihm nach wie vor sehr dankbar. Doch auch unter der Regie von Coach Marko Trostmann machte Ian Werner Scheffler in der D-Junioren-Talenteliga-Mannschaft Salzwedels noch einmal einen großen Schritt. Die Verbandsliga-Saison 2017/2018 bleibt für Scheffler nicht nur aufgrund der beiden Erfolge gegen die U12 des 1. FC Magdeburg unvergessen. Mit seinen starken Leistungen spielte sich Ian nicht nur ins Rampenlicht, sondern auch auf den Zettel von wesentlich prominenteren Vereinen.

HFC an Scheffler interessiert

So signalisierte der Hallesche FC starkes Interesse an einer Verpflichtung des Salzwedeler Nachwuchstalents. „Sie wollten mich zu einem Probetraining einladen, doch zu diesem Zeitpunkt war ich mit meiner Familie gerade im Urlaub“, erinnert sich der 13-Jährige zurück. Doch bei einer Sportschulsichtung an der Landessportschule in Osterburg durfte sich Scheffler wenig später dann doch zeigen und schaffte als einer von insgesamt nur fünf jungen Akteuren den Sprung in die Saalestadt.

Ausschlaggebend dafür war auch Brian Moschke. Der Sportschultrainer aus Halle ist zugleich auch noch der Coach der Landesauswahl Sachsen-Anhalts, in der der Salzwedeler bereits seit der vergangenen Spielzeit aktiv ist. Wirkliche Zweifel, ob der Schritt auf das Sportgymnasium der richtige ist, hatte der Youngster nie. „Trotzdem habe ich das mit meinen Eltern genau durchgesprochen und wir haben entschieden, dass ich das mache. Ich persönlich wollte es von Anfang an“, verrät Ian Werner Scheffler. Auch Vater Frank war und ist von seinem Filius überzeugt, dennoch war es für den Senior nicht einfach: „Wir hatten schon ein wenig Angst um ihn. Mit zwölf Jahren aus dem Haus zu gehen, ist schon sehr früh, doch man muss sagen, dass Ian schon sehr selbständig geworden ist.“

Herausforderung zwischen Schule und Training

Die sportlich wohl größte Herausforderung für den jungen Scheffler ist das erhöhte Trainingspensum. „Dennoch freut man sich auf jede einzelne Einheit“, macht der gebürtige Westaltmärker deutlich. Vom Internat bis zu den Plätzen ist das Talent aber mit der Straßenbahn bis zu einer halben Stunde unterwegs. Da fällt es ihm teilweise nicht leicht, auch die Schulaufgaben nebenbei noch zu erledigen. Bereits um 5.30 Uhr wird Ian unter der Woche geweckt, um anschließend zu frühstücken und pünktlich um 7 Uhr in der Schule zu sein. Zweimal pro Woche wird allerdings auch vormittags anderthalb Stunden lang („Das finde ich toll“) trainiert.

Anschließend geht es direkt zurück in Richtung Gymnasium, wo zunächst einmal ein zweites Frühstück wartet. Danach muss meist bis etwa 15.30 Uhr die Schulbank gedrückt werden. Anschließend muss es erneut schnell gehen, denn dienstags, mittwochs und donnerstags findet von 16.30 bis 18 Uhr noch eine weitere Trainingseinheit statt. Sobald der Salzwedeler danach zurück im Internat ist, stehen das Abendbrot sowie die Hausaufgaben auf der Tagesordnung. Somit ist Ian ganz froh, dass schon um 20.30 Uhr („Man ist dann schon sehr kaputt“) die Nachtruhe angesetzt ist. Zuvor allerdings nutzt der 13-Jährige täglich noch die Möglichkeit, um mit seinen Eltern zu telefonieren.

Die Partien der U13 des Halleschen FC in der Verbandsliga steigen zumeist sonntags, ab und an aber auch sonnabends. In der zweiten Halbserie bestreiten die Saalestädter allerdings nur noch Leistungsvergleiche mit größeren Teams, um sich bereits auf den C-Junioren-Bereich auf Großfeld vorzubereiten. Bereits im Herbst des vergangenen Jahres erreichte der HFC bei den Altersgenossen von RB Leipzig ein achtbares 2:2.

Zusammenhalt im Team groß

In dieser Partie gelang Ian Werner Scheffler nicht nur ein Treffer, sondern auch noch eine Vorlage. Weiter geht es im März mit einem Duell beim VfL Wolfsburg, während im April ein weiteres Highlight ansteht. Dann nämlich reisen die Hallenser nach Prag, um sich dort mit den tschechischen Traditionsklubs Sparta und Slavia zu messen. „Es macht einfach Spaß in der Mannschaft. Man merkt, wie man sich immer weiterentwickelt“, schwärmt Ian von seinem Team. Dieses ist eine echte Einheit, speziell die Sportschüler unternehmen viel gemeinsam und halten immer zusammen.

Leistungsträger im Team

Trainer Yannick Burmeister sieht in Scheffler – das teilte er ihm unlängst mit – einen echten Leistungsträger. Auf dem rechten Flügel im Mittelfeld oder auch im Sturm ist der Westaltmärker eine feste Größe beim HFC. Das Vertrauen des Coaches zahlte Ian mit bislang 24 Treffern längst zurück. Dazu kommen dann auch noch zahlreiche Torvorlagen. In der Offensive ist der 13-Jährige zwar am besten aufgehoben, würde aber im Notfall („Wir sollen es lernen, auf mehreren Positionen zu spielen“) auch in der Defensive aushelfen.

Den Schritt an die Saale bereute Ian Werner Scheffler bislang keine Sekunde. „Ich will Profi werden“ – mit diesem Ziel ging Scheffler vor gut einem halben Jahr zum HFC. Auch ein Michel Niemeyer, Ians großes Vorbild, fing einst klein an und wechselte aus dem Nachwuchs des SV Eintracht Salzwedel in die Talentschmiede des 1. FC Magdeburg. „Mit ihm würde ich gern mal zusammenspielen“, macht der 13-Jährige klar. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. „Mir fehlt einfach noch die Cleverness. Ich muss viele Situationen im Vorfeld noch besser erkennen und vorausahnen“, zählt der Youngster auf, woran er vor allem noch arbeiten muss. Doch gerade die Handlungsschnelligkeit sowie schnelle Bewegungen sind ganz wichtige Themen im HFC-Training.

RB Leipzig fragte bei Scheffler an

„Im Spiel geht es eher darum, viel Spielanteile zu verbuchen und die Partie zu bestimmen“, so der Westaltmärker. Im Vergleich zu Salzwedeler Zeiten stehen für ihn unter der Woche nun natürlich wesentlich mehr Trainingseinheiten auf dem Programmplan, dazu ist auch die Anzahl der Partien deutlich gestiegen. Kurzum: „Es ist einfach alles professioneller.“ Dadurch, dass auch die Mitspieler stärker als bei der Eintracht sind, ist Ian dazu gezwungen, sowohl in den Partien als auch im Training stets alles zu geben. Ansonsten kann der Stammplatz auch schnell mal dahin sein. Doch schleifen lassen möchte er es nicht. „Man wird allerdings so auch immer besser“, verrät der 13-Jährige, der sogar schon eine lockere Anfrage von RB Leipzig bezüglich eines Probetrainings erhielt.

Spielen auf sehr gutem Niveau

Mit dem Halleschen FC hatte sich der junge Westaltmärker zuvor nicht ernsthaft beschäftigt. Das hat sich mittlerweile aber geändert. Bei den Partien der Drittliga-Herren ist Scheffler des Öfteren im Erdgas-Sportpark dabei. Die Nachwuchskicker erhalten nämlich entweder Freikarten oder sind auch mal als Balljungen eingeteilt. „Die Mannschaft hat sich gesteigert und spielt mittlerweile wieder einen besseren Fußball“, schätzt Ian die Elf von Trainer Torsten Ziegner, die aktuell den vierten Platz in der dritthöchsten deutschen Spielklasse einnimmt, ein. Es kommt auch des Öfteren vor, dass der Salzwedeler einem HFC-Herrenspieler über den Weg läuft. „Die 2. Liga wäre für die Jungs schon schön“, hat der 13-Jährige für das Aushängeschild des Vereins einen klaren Wunsch. Zumal der HFC demnächst auch ein neues Trainingsgelände erhalten soll.

Im Internat teilt sich Scheffler übrigens ein Zimmer mit Moritz Richter, mit dem er sich mittlerweile auch sehr gut versteht. Viel Freizeit bleibt ihm unter der Woche allerdings nicht. Ab und an nutzt der Youngster am Montag die Möglichkeit, um einzukaufen. Mehr ist allerdings nicht möglich. Zu eng ist der Terminplan gestrickt. Zwar hat sich Ian Werner Scheffler mittlerweile daran gewöhnt, auf sich allein gestellt zu sein, dennoch verfolgt ihn des Öfteren noch ein Hauch von Heimweh. „Aber das wird immer weniger“, gibt der ehrgeizige 13-Jährige zu.

Heimat als Rückzugsort

Fast jedes Wochenende verbringt er in seiner Heimatstadt Salzwedel, dazu holen ihn seine Eltern auch in den Ferien zu sich nach Hause, ehe es zumeist am Sonntag zurück nach Halle geht. In der Heimat nutzt der Youngster auch durchaus mal die Möglichkeit, um bei seinen Ex-Kollegen von der Talenteliga-Mannschaft vorbeizuschauen. „Meiner Meinung nach spielen sie nach wie vor auf einem sehr guten Niveau“, fasst Ian, der sich über ein Aufeinandertreffen zwischen seinem HFC und den Salzwedelern („Es wäre schön, wenn sie im Nachwuchs das aktuelle Niveau beibehalten könnten“) sehr freuen würde. Auch eine Rückkehr zum SVE schließt der Offensivspieler im Alter nicht aus.

Traum von der Frankfurter Eintracht

Mit dem HFC verfolgt Ian Werner Scheffler das klare Ziel, in den kommenden Jahren immer mehr Nachwuchsteams von Bundesligisten in die Knie zu zwingen. „Natürlich möchte ich irgendwann möglichst auch mal Deutscher Meister werden“, verrät der 13-Jährige mit einem breiten Grinsen. Am liebsten wäre ihm dies sicherlich mit seinem Herzensverein Eintracht Frankfurt. „Wenn irgendwann ein Angebot kommt, wäre ich sicher nicht abgeneigt“, lässt sich der Westaltmärker, der aber im Fall der Fälle auch mit dem Beruf als Lehrer liebäugelt, überraschen. Doch wenn das kongeniale Frankfurter Eintracht-Offensivtrio Jovic, Rebic und Haller irgendwann mal abtritt, ist womöglich für ein junges Talent wie Ian Werner Scheffler – vorausgesetzt, die Entwicklungskurve zeigt auch weiterhin steil nach oben – die Bahn frei.