Oebisfelde l Der Abwehrspieler ist im Alter von 38 Jahren noch immer unverzichtbarer Stammspieler beim Oberligisten. Die Volksstimme nahm den Routinier aus dem Landkreis Börde etwas genauer unter die Lupe.

Der SV Oebisfelde ist eine Handball-Hochburg sondergleichen. Die 4000-Einwohner Stadt identifiziert sich wie kaum eine andere Region in Sachsen-Anhalt, mit seinen Handballern.

Einer ihrer Hauptprotagonisten in dieser Saison, ist eine wesentliche Konstante der vergangenen Jahrzehnte. Geballte 1,94 Meter auf dem Parkett, gibt es bereits seit knapp 20 Jahren in der Hans-Pickert-Halle zu Oebisfelde zu bestaunen.

Kalupke ist eine tragende Säule

Andreas Kalupke gilt nicht nur als Stammspieler in der Abwehr, sondern als Identifikationsfigur eines gesamten Vereins. Aufstiege, Abstiege und jede Menge prestigeträchtige Duelle, erlebte der Stabilitäts-anker des SVO.

Karriere beginnt früh

Das Handball-Gen wurde dem gebürtigen Oebisfelder, der bereits mit 17 Jahren sein Debüt bei den Herren feierte, in die Wiege gelegt. Schon im Alter von sechs Jahren, brachte Vater Kalupke seinen Spross zum Handball. „Mein Vater war selbst Jahre lang Handballspieler. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich zum Handball nach Oebisfelde kam.“

Mittlerweile ist Andreas Kalupke selbst Familienvater und brachte seinen Töchtern das Handballspiel nahe. Beide spielen für den SVO. „Ich musste sie gar nicht dazu drängen. Sie wollten von sich aus Handball spielen“, so der Routinier. Zusammen mit Frau Nadine, die ebenfalls Handball spielte, bilden die Kalupkes die perfekte Handballfamilie. Planmäßig wie die familiäre Konstellation im Hause Kalupke, mutet auch die Laufbahn des Sportlers beim SVO an.

Die SVO-Erfolgsgeschichte mitgeschrieben

Bis auf ein kurzes einjähriges Gastspiel in Vorsfelde im Jahr 2003, verbrachte der Handballer seine Zeit in Oebisfelde. Dabei erlebte der Hühne sogar den Aufstieg in die Regionalliga, in der sich der SVO unter Trainer Enrico Nefe über drei Jahre lang halten konnte. Die dritte Handball-Liga, sowie das Erreichen der zweiten DHB-Pokalrunde erlebte Kalupke hautnah mit.

Das größte Spiel seiner Laufbahn, fand in der Saison 2008/2009 in Leipzig statt. Unter ausverkauftem Hallendach, traten die Oebisfelder in den Aufstiegs-Play-Offs zur 3. Liga beim SC DHfK Leipzig an. Der heutige Erstligist und einstige EHF-Champions League-Sieger aus dem Jahr 1966, empfing Kalupke und Co in der 12000 Zuschauer fassenden Leipziger Quarterback Immobilien-Arena und setzte sich knapp durch.

Höhepunkt: Spiel gegen DHfK Leipzig

„Das war Gänsehaut pur. Eine wahnsinnige Atmosphäre erlebten wir dort. Damals fungierte Handball-Weltmeister Stefan Kretschmar als Mitglied im Aufsichtsrat der Sachsen. Gegen solch eine Truppe zu spielen, erlebt man nicht jeden Tag“, schildert Kalupke die Eindrücke wieder.

In der heimischen Hans-Pickert-Halle gewannen die Oebisfelder gar mit 30:27. In Leipzig verlor der SVO dann mit 20:26. Drei Tore fehlten am Ende, um die Sensation gegen den einstigen sechsfachen DDR-Meister zu schaffen und in die neu gegründete Mitteldeutsche Oberliga einzuziehen.

Dennoch blickt Kalupke nicht mit Trauer auf die 53:50-Niederlage, sondern mit Stolz auf die Play-Offs zurück. „Wir hatten eine tolle Mannschaft und einen Teamgeist, der für sich sprach.“

Treffsicherheit in der Regionalliga

Dass der Team-Player eine der individuell stärksten Handballer ist, die der SV Oebisfelde in seiner Vereinsgeschichte stellte, belegen die Torquoten des ehemaligen Regionalliga-Spielers in seiner womöglich stärksten Spielzeit für den SVO. In der Saison 2006/2007 setzte sich Kalupke mit 232 Treffern beinahe die Torjägerkrone der Regionalliga Nord auf. Nur Matthias Scheller von der SG Eintracht Glinde, konnte mit 251 Saisontreffern, von denen allerdings 57 per Siebenmeter markiert wurden, dem Goalgetter die Torjägerkrone zu Nichte machen. Satte 229 Treffer erzielte Kalupke in 32 Ligaspielen aus dem Feld und damit durchschnittlich sieben Treffer pro Begegnung. Lediglich drei Mal vollendete er per Siebenmeter.

In jener Zeit lief der Abwehrchef auf der linken Seite auf. Auf dem sportlichen Zenit angekommen, setzte Kalupke danach auf der halblinken Position für Akzente. Mit zunehmendem Alter, das auch vor Handballern nicht zurückschreckt, etablierte sich die Vereinslegende vermehrt auf der Position in der Abwehr.

„Das Handballspiel ist schneller geworden und technisch versierter. Schnelligkeit ist gefordert. Mit zunehmendem Alter merke ich aber den körperlichen Verschleiß. Die Spritzigkeit ist nicht mehr so, wie früher. Aber das habe ich akzeptiert.“

Fitness auch im hohen Sportler-Alter

Um dem Alter körperlich entgegenzuwirken und weiterhin auf Oberliga-Niveau mitzuhalten, setzt der Ehrgeizling auf Selbstdisziplin und zusätzliches Training. „Ich gehe neben dem Mannschaftstraining und den Spielen noch drei bis vier Mal wöchentlich nach der Arbeit bis zu zehn Kilometer laufen. Dazu bin ich gewillt, da ich der Mannschaft noch immer helfen will. Dafür muss ich fit bleiben.“

Vor den Spielen läuft der bald 39-Jährige zusätzlich eine Runde im Wald, gönnt sich erst dann eine Dose Cola oder Red Bull. „Ich will bestens vorbereitet sein. Dazu muss ich einiges rausholen, um mit den jüngeren, dynamischen Spielern mitzuhalten.“

Sollte die eigene Leistung nicht mehr für die Oberliga reichen, denkt Kalupke nicht an einen Vereinswechsel. „Das kommt für mich auf keinen Fall in Frage. Als einzige Option, könnte ich mir vorstellen, für die zweite Mannschaft in Oebisfelde zu spielen. Aber den Verein werde ich nicht mehr wechseln.“

Trainer im Nachwuchs

Neben dem Platz übernimmt der Oebisfelder ebenfalls Verantwortung. Als Trainer der D-Jugend des SVO, engagiert sich der zweifache Familienvater zusätzlich. „Die Nachwuchsarbeit ist wichtig für diesen Verein. Im Männerbereich können wir nicht mit Geld um uns schmeißen. Dazu haben wir nicht das notwendige Budget. Viele Spieler gehen neben dem Wettkampf noch einem Studium oder beruflichen Beschäftigung nach. Neue Spieler von außerhalb zu holen, macht keinen Sinn. Wir können nur mit Zusammenhalt, Kameradschaft und unseren eigenen Qualitäten bestehen. Der Nachwuchs ist daher unsere Basis und von großer Bedeutung für die Zukunft des Vereins“, so Kalupke.

Saison-Abbruch nach SVO-Aufwärtstrend

Die gegenwärtige Situation für die Oberliga-Schützlinge von Trainer Christian Herrmann, sieht das Urgestein optimistisch. „Durch die letzten zwei Siege haben wir Selbstvertrauen getankt, auch wenn wir in der Offensive bislang unsere Probleme hatten. Wir wollten uns durchbeißen. Wir hätten noch fünf Spiele zu absolvieren gehabt, der Klassenerhalt wäre auch sportlich so noch möglich gewesen, so Kalupke.

Nach 21 absolvierten Partien, hatte der SVO Anschluss an die Nichtabstiegsränge gefunden. Mit 14:28 Punkten stand die Mannschaft von Trainer Christian Herrmann, nur aufgrund der um sieben Treffer schlechteren Tordifferenz, hinter dem HC Aschersleben auf Position 13. Die überraschenden Siege gegen das Spitzenteam SG Pirna/Heidenau (26:22) auf Rang vier und den Tabellenneunten HG 85 Köthen (32:19),bescherten die Saisonerfolge sechs und sieben. Dann kam jedoch die Corona-Krise und der Saison-Abbruch, so dass kein sportliches Messen auf dem Parkett mehr möglich war.

Die Erfahrung und Wurfgewalt des Allrounders, der auch am Kreis noch hochgefährlich sein kann, wird beim SV Oebisfelde weiterhin gefragt sein, wenn der Spielbetrieb in der Handball-Oberliga in der nächsten Saison fortgesetzt wird.