Hermannsburg l Es ist ein Highlight und es zieht die härtesten Sportler der Region in Massen an. Die Rede ist von Tough Mudder, einem 2010 durch zwei Briten gegründeten Extremhindernislauf. Die diesjährige Auflage in Norddeutschland ging im niedersächsischen Hermannsburg (Landkreis Celle) über die Bühne.

Alle 15 Minuten ein Start

Mehr als 14.500 Sportfanatiker gaben am Sonnabend und Sonntag – es gab pro Tag mehrere Startwellen, alle 15 Minuten erfolgte ein Start – ihr Bestes. Sie hatten nicht nur wahlweise mit 19 (Full-Tough-Mudder) oder elf Kilometern (Half-Tough-Mudder) zu kämpfen, sondern auch mit 29 (Full) beziehungsweise 17 (Half) Hindernissen, die es in sich hatten und den Startern nahezu alles abverlangten.

Nicht nur eine gute Ausdauer war vonnöten, sondern auch eine Menge Durchhaltevermögen und Kraft im Oberkörper. Eine wichtige Rolle spielten aber auch die Teamfähigkeit und damit der Spaß. Wer bis zum Ziel tapfer durchhielt, wurde mit einem Finisher-Shirt sowie einem Stirnband belohnt.

Bilder

Salzwedeler ist mit am Start

Mit dabei waren auch in diesem Jahr – jährlich gibt es weltweit rund 130 Veranstaltungen von Tough Mudder mit um die drei Millionen Teilnehmern – wieder mehrere Altmärker. Einer von ihnen war Sebastian Schönfelder. Der vor allem durch den Hand- und Volleyball bekannte Salzwedeler war zum ersten Mal dabei und absolvierte am Sonntag erfolgreich die halbe Distanz in Hermannsburg.

Er startete in der Lüneburger Heide unter anderem mit Andreas Rickel und Toni Schneider in einem Team und war bei sommerlichen, aber auch nicht zu warmen Temperaturen – auf der Strecke gab es mehrere Verpflegungsstationen mit Getränken, Bananen oder auch Schokoriegeln – nach gut zweieinhalb Stunden im Ziel.

„Ich muss ehrlich zugeben, dass ich es mir noch etwas schwerer vorgestellt hatte. Die Anspannung im Vorfeld war groß, doch ich bin der Meinung, dass ich nicht so gefordert wurde, wie ich es erwartet hatte“, erklärte Schönfelder im Nachhinein. Für ihn galt es, 17 Hindernisse zu überwinden. Welches davon das schwerste war? Eine schwierige Frage für den Salzwedeler. Schon allein dank seiner Größe hatte er natürlich Vorteile. „Ich würde sagen, der Everest (Kletterhindernis/Anm. der Redaktion) war schon am härtesten“, so der 35-Jährige. „Man ist dort sicherlich auch beim Hochziehen auf Hilfe angewiesen, aber das hat gut geklappt“, fügte „Schöni“ an.

Konditionell nicht an die Grenzen gegangen

Auch wenn sich der Mann von der Jeetze nicht speziell auf diese Veranstaltung vorbereitet („Ich bin vorher nur ein paar Mal auf kürzeren Distanzen Laufen gegangen“) hatte, stellten ihn auch die elf zu Fuß zu absolvierenden Kilometer vor keine großen Herausforderungen. „Man hält ja vor den Hindernissen oft an und muss warten. Konditionell musste ich nicht an meine Grenzen gehen. Wenn wir nicht im Team gelaufen wären, hätte ich mir eine Zeit unter zwei Stunden durchaus zugetraut“, resümierte Sebastian Schönfelder.

„Allgemein finde ich dieses Event schon cool und es ist auch ein schönes Erlebnis, mal dabei gewesen zu sein, doch mir persönlich war es viel zu voll“, war Schönfelder doch überrascht, wieviele Leute sich dieses Event nicht entgehen lassen wollten. „Vor allem auf dem Parkplatz war es natürlich sehr voll, sofern man nicht ganz früh gestartet ist. Daher war es schon eine Massenabfertigung. Aber am Sonnabend soll es ja noch schlimmer gewesen sein“, so der 35-Jährige.

Ganz oder gar nicht mehr

Für ihn steht fest: „Den Halben werde ich nicht mehr machen. Ich werde mich in Zukunft mehr belesen, was die Hindernisse angeht. Entweder werde ich im nächsten Jahr den Vollen machen oder mich an einem anderen Event beteiligen.“

Während beispielsweise der Barnebecker Sebastian Lüpke bereits am Sonnabend über die volle Distanz an den Start ging, nahmen am Sonntag noch weitere Vertreter der Region die Herausforderung, bestehend aus 19 Kilometern Laufen und 29 Hindernissen, an. So unter anderem der Salzwedeler Patrick Rütz oder auch Marcel Peters (Bombeck), Denny Liebrecht (Rockenthin), Jan Dworrak (Salzwedel) und Florian Schulz (Bonese), die als Team und nicht einmal drei Stunden unterwegs waren.

Freude über das Erreichte war groß

Nach einem kurzen Aufwärm- und Aufmunterungsprogramm ging es auf die Strecke. Nachdem durch Matsch gekrabbelt, über Holzwände geklettert, ins Eisbecken gerutscht, Baumstämme getragen und sich über ein Wasserbecken gehangelt wurde, war die Freude über das Erreichte bei den Altmärkern groß.

„Ich habe alle Hindernisse geschafft, was auch mein Ziel im Vorfeld war. Das Laufen an sich war nicht das große Problem, doch für mich am härtesten war das eiskalte Eisbecken, wo man Probleme beim Luftholen bekam“, bilanzierte Marcel Peters. Er hatte sich mit vielen Stunden Lauf- und Krafttraining gezielt vorbereitet und konnte am Ende zufrieden sein. Auch der Bombecker könnte sich gut vorstellen, im kommenden Jahr wieder nach Hermannsburg zu reisen.

Tough Mudder eine Reise wert

Für alle, die sportlich alles aus sich herausholen wollen, ist Tough Mudder allemal eine Reise wert. Für die, bei denen der Respekt im Vorfeld (noch) zu groß ist, sei erwähnt: Hilfe, egal ob Mitglieder aus dem eigenen oder aus einem anderen Team, steht beim Überwinden der Hindernisse immer zur Verfügung.