Salzwedel l Der 35-Jährige ist Handballer mit Leib und Seele, spielt nicht nur aktiv in der Salzwedeler Herrenmannschaft, sondern trainiert auch noch die B-Junioren. Aufgrund des großen Spaßfaktors kann der gebürtige Neuruppiner fast nicht genug bekommen. Hendrik Eichblatt ist zwar enorm ehrgeizig, allgemein aber auch sehr realistisch und sachlich. Daher weiß er natürlich um die schwierige Phase, die der Handball in Salzwedel gerade durchmacht. Speziell die Herren sind da an erster Stelle zu nennen, die um die weitere Zugehörigkeit zur Landesliga kämpfen. Eichblatt klingt aber nicht nur dort optimistisch, sondern auch in Bezug auf seine B-Jugend-Schützlinge, mit denen der Übungsleiter in Zukunft noch einiges vorhat.

Zwar ist der Handball bei Hendrik mittlerweile die klare Nummer eins, doch etwas anders war das noch in jungen Jahren. Mit fünf Jahren entschloss sich Eichblatt nämlich dazu, in seiner Heimatstadt Fußball zu spielen. So ging er für Hansa Wittstock auf Punkte- und Torejagd. Hauptsächlich wurde er als Spielgestalter hinter den Spitzen aufgeboten. Mit 18 war dann allerdings Schluss. Der Sportenthusiast blieb aber im Verein, wechselte lediglich die Sparte. Ab sofort war er als Handballer für die Wittstocker Hanseaten unterwegs.

Wechsel zum Handball

Das Umdenken war vor allem der Tatsache geschuldet, dass es den Junioren-Fußballern damals schwer gemacht wurde, im Herrenbereich Fuß zu fassen. „Ich habe dann überlegt, ob ich Hand- oder Volleyball spiele. Letztendlich fand ich den Handball einfach spannender“, verrät der heute 35-Jährige. Dazu kam, dass er bereits durch die Schule Kontakte zu den Handballern hatte. Mit der Gymnasium-Auswahl war Hendrik Eichblatt einige Male erfolgreich bei Turnieren unterwegs. „Ich habe das dann einfach mal getestet und bin sehr gut aufgenommen worden“, berichtet Hendrik. Mit 23 Jahren gehörte er fest zum Herrenkader und spielte mit der Mannschaft nach deren Aufstieg 2002 durchgängig in der Verbandsliga.

Hat Schweiß und Tränen gekostet

Fünf Jahre später war dann aber vorerst Schluss für Eichblatt. Als Anlagenoptimierer zog es ihn – nachdem er bereits zuvor in Hamburg und Berlin unterwegs war – nach Braunschweig. „Fünf Jahre lang habe ich gar nichts gemacht“, gibt der 35-Jährige zu. Im Dezember 2015 zog es ihn aus beruflichen Gründen in die Westaltmark, wo er sich zunächst in Kuhfelde niederließ und mittlerweile seit fast genau einem Jahr in Salzwedel wohnt. „Ich hatte das Ziel, sportlich wieder aktiv zu sein und soziale Kontakte zu knüpfen. Ich hatte zum einen geregelte Arbeitszeiten, so dass das wieder möglich war, und zum anderen Glück, dass in Salzwedel recht hochklassiger Handball geboten wurde“, erklärt Hendrik Eichblatt.

Im Januar 2016 schloss er sich offiziell dem SVT Uelzen/Salzwedel an. Um den alten Rhythmus wiederzufinden, holte sich Eichblatt im ersten halben Jahr in der damaligen Regionsklasse-Zweitvertretung Spielpraxis und trainierte mehrfach bei Nico Truthe in der Landesliga-Mannschaft mit. Fester Bestandteil der ersten Vertretung war Hendrik dann ab der Spielzeit 2016/2017. „Ich brauchte etwas Zeit, um das alte Niveau wieder zu erreichen und die Defizite wegzubekommen. Das hat viel Schweiß und Tränen gekostet“, berichtet der Routinier mit einem Schmunzeln. Mittlerweile zählt er mit seiner Erfahrung und besonderen Motivation zu den Führungsspielern in der von Klaus Gobat trainierten Landesliga-Mannschaft.

Tempo soll mehr gedrosselt werden

Die Mannen von der Jeetze kämpfen in der aktuellen Saison mit allen Mitteln um den Klassenerhalt. Mit erst acht Pluspunkten ist die Lage zwar ernst, aber keineswegs ausweglos. Das sieht auch Hendrik Eichblatt so: „Wir können die Liga definitiv noch halten. Natürlich wissen wir, dass es sehr schwierig wird, doch die Moral ist da und alle ziehen an einem Strang. Zudem sprechen wir die Probleme offen und ehrlich an.“ Vier Zähler auf die SG Luhdorf/Scharmbeck aufzuholen, sei „kein Weltwunder“, erklärt der Wahl-Westaltmärker. Allgemein versuchen die Jeetzestädter nun wieder, das Tempo in den Partien etwas zu drosseln, um dann in den entscheidenden Momenten aufzudrehen.

„In der Ruhe liegt manchmal die Kraft. Das gefällt unserem Trainer vielleicht nicht so sehr, doch ich denke, dass es im Moment besser ist“, verrät Hendrik. Der kommt zumeist auf den Halbpositionen im Rückraum zum Einsatz. Seine große Stärke sind die Tempowechsel: „Ich bin kein Shooter, aber ich kann meine Mitspieler immer mal wieder gut in Szene setzen, ihnen Platz verschaffen oder auch mal Siebenmeter herausholen“, beschreibt sich der Routinier, der aber auch in der Abwehr seinen Mann steht, selbst. Hendrik Eichblatt bedauert, dass im Team mehrere Generationen fehlen. „Da müssen vor mehreren Jahren Fehler im Verein gemacht worden sein. Generell muss man sich jetzt natürlich fragen, wie man Nachwuchs wirbt. Das geht zum einen über Spielgemeinschaften, zum anderen kann man auch vermehrt an den Schulen präsent sein“, weiß der gebürtige Brandenburger, der etwas kritisch anmerkt: „Heutzutage müssen die Vereine in die Schule kommen, früher war das andersherum.“

Kader mit vielen Routiniers

In der Salzwedeler Herrenmannschaft besteht gegenwärtig das Problem, dass viele Akteure – so zum Beispiel Sebastian Schönfelder, Ronny Schlawin, Gordon Sobolowski, Denny Hornisch oder auch Eichblatt selbst – die 30-Jahre-Marke schon längst überschritten haben und auf Dauer etwas kürzer treten wollen. „Wir alle wollen ja weiter Handball spielen, aber dauerhaft eben nicht mehr auf diesem hohen Niveau“, verrät Hendrik Eichblatt.

Allerdings sieht er noch „vier bis fünf Jahre“ vergehen, bis der Nachwuchs fest im Männerbereich integriert ist. Ob ein Abstieg wirklich ein derartig großer Rückschritt wäre, wagt der 35-Jährige zu bezweifeln. „Ich kenne die Regionsoberliga zwar nicht, doch ich habe gehört, dass das Niveau nicht viel schlechter als in der Landesliga sein soll. Natürlich ist die Landesliga ein größeres Aushängeschild, doch die Fahrten blieben in etwa gleich und auch viele Mannschaften kennt man bereits“, so Hendrik. Dazu würde er es als lukrativ ansehen, wenn die Jugendlichen den SVT in diesem Fall in mehreren Jahren wieder zurück in die Landesliga führen könnten. „Dann wäre die Trendwende sicherlich geglückt“, äußert sich der Salzwedeler.

Die Jungs sind zusammengewachsen

Hendrik Eichblatt arbeitet übrigens seit der Spielzeit 2016/2017 auch noch als Nachwuchstrainer an der Jeetze. Nach dem Rückzug von Familie Beckmann wurde der Posten in der B-Jugend frei. „Ich wurde gefragt, ob ich das machen würde. Da ich diese Schiene ohnehin mal gehen wollte, habe ich mich gern zur Verfügung gestellt“, verrät der 35-Jährige. So startete Hendrik sein „Abenteuer“ mit nur acht Spielern, wovon sich einer direkt im ersten Duell verletzte und die ganze Saison ausfiel. „Wir haben uns die gesamte Serie mit sieben Leuten durchgekämpft“, so Eichblatt. Es musste also etwas passieren, um personell auf sicheren Füßen zu stehen. So schloss man sich mit Beginn dieser Spielzeit mit dem SC Lüchow zusammen.

Offiziell lassen es die Regularien zwar momentan nicht zu, dass sich eine Spielgemeinschaft bildet, allerdings ist das für die kommende Saison geplant. „Das Experiment ist voll aufgegangen. Die mittlerweile 14 Jungs sind toll zusammengewachsen und es macht wirklich Spaß, mit ihnen zusammen zu arbeiten“, erklärt Hendrik Eichblatt. Einmal pro Woche wird jeweils in Salzwedel und Lüchow trainiert, auch die Regionsoberliga-Partien wurden gerecht auf beide Orte aufgeteilt.

Nächstes Ziel ist es nun natürlich, die Youngster langsam an den Herrenbereich zu führen. Der Anfang ist gemacht, denn das Team trainiert mittlerweile einmal pro Woche gemeinsam mit der ersten Herrenmannschaft des SVT. „Ich habe bei Klaus angefragt, ob das möglich sei. Er hat das sofort begrüßt. Schließlich waren es bei beiden Mannschaften sonst oft zu wenig Spieler beim Training. Ich denke, dass es für die Jungs lehrreich und für die Herren durchaus auch ein Ansporn ist“, verrät der gebürtige Neuruppiner.

Emotionaler Trainertyp

Als Trainer sieht sich Eichblatt zwar als „emotionalen“ Typen an, aber laut wird er generell nicht. „Ich kommentiere die Fehler meiner Jungs auch nicht. Sie sollen sich nicht ärgern, einfach weitermachen und sich auf ihre Stärken besinnen“, erklärt der 35-Jährige, der hinzufügt: „Handball ist mehr als ein Eins-gegen-Eins-Spiel. Gerade ab der B-Jugend geht es viel um Taktik und Strategien. Da studieren wir schon viel ein, ich versuche den Jungs dabei immer ein guter Ratgeber zu sein.“

Eine gültige Lizenz hat Hendrik („Ich war allerdings schon bei mehreren Seminaren zu Gast“) zwar noch nicht vorzuweisen, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass er mit Begeisterung und viel Akribie dabei ist. Mit Dominic Waselin aus Lüchow hat er zudem einen Assistenten an seiner Seite, der ihn toll unterstützt. „Für mich war einfach wichtig, dass die Jungs mich – auch wenn ich das alles nur mit meiner Erfahrung gemacht habe – akzeptieren. Alles in allem ist es für beide Seiten sehr lehrreich und macht einfach Spaß“, so der Wahl-Westaltmärker.

Sparte mittlerweile gut aufgestellt

Nach der Ablösung von Frank Beckmann an der Spitze durch Stephanie Tepelmann und Christin Kersten befand sich die Sparte quasi ein Jahr lang in der Findungsphase. „Man muss den Leuten einfach Zeit geben. Wir haben neue Strukturen geschaffen, viele Leute neue Aufgaben übernommen und nun erste Erfahrungen gemacht. Ich persönlich glaube, dass da etwas Gutes aufgestellt wurde, doch man muss dem Ganzen noch ein bis zwei Jahre Zeit geben, um sich ein Urteil erlauben zu können“, äußert sich der 35-Jährige zum Sachverhalt. Die Findungsphase sieht er nun als überstanden an. Der Sportfanatiker wohnt fast jeder Handballsitzung bei, kümmert sich außer der Reihe unter anderem auch um die Gewinnung von Sponsoren sowie andere – wenn auch nur kleinere – Dinge. Hendrik ist eines klar geworden: „Handball ist mehr als nur Sport. Er ist wie eine Familie, in der Werte vermittelt werden.“

Somit könnte sich Eichblatt sogar vorstellen, auch mit 40 oder gar 50 Jahren noch selbst in der Zweiten oder Altherrenmannschaft in Salzwedel auf der Platte zu stehen. „Solange mein Körper das mitmacht und es mir Spaß bereitet, würde ich auch gern weitermachen“, verrät der Routinier. Besondere Titel möchte Hendrik selbst („Wichtig wäre mir, dass wir in der Landesliga bleiben“) nicht mehr gewinnen, sondern vielmehr mit seinen Schützlingen erfolgreich weiterarbeiten. „Die Jungs haben zuletzt in der Regionsoberliga gezeigt, was sie drauf haben. Mit der nächstjährigen A-Jugend wollen wir erst einmal in der Regionsliga Fuß fassen, ein Jahr später wäre dann die Regionsoberliga sicherlich ein lohnendes Ziel“, blickt der Coach in die Zukunft.

Auch ein Turniersieg wäre für den 35-Jährigen ein schönes Ziel. „Der Weg ist aber noch weit“, weiß der gebürtige Neuruppiner. Der würde später auch gern mit seinen Schützlingen gemeinsam auf der Platte stehen. Zudem wünscht sich der Routinier, dass sich noch mehr aktive Spieler mehr im Verein engagieren. „Jede helfende Hand ist hier willkommen. Kleinigkeiten reichen da manchmal schon aus“, erklärt der Salzwedeler. An der Arbeit, die Hendrik Eichblatt mittlerweile beim SVT Uelzen/Salzwedel leistet, können sich sicherlich viele Vereinskollegen ein positives Beispiel nehmen.