Salzwedel l Die Tischtennis-Routiniers im Doppel um Ü-60-Teilnehmerin Marita Oscheja und Ilona Söfftge zeigten dabei, dass Ausnahmeleistungen im fortgeschrittenen Alter noch möglich sind. Der größte Gegner wartete allerdings schon vor dem Finale auf die „Alten Damen“. Ein Schläger-Dieb schlich sich in die Gruppenphase hinein.

Höhepunkt der Karriere

„Es war eine absolute Überraschung. Nie hätte ich damit gerechnet, so etwas miterleben zu dürfen. Das gesamte Turnier über haben wir von Spiel zu Spiel gedacht. Jetzt, vor 3800 Zuschauern und in meinem Alter, habe ich den Höhepunkt meiner Laufbahn erlebt. Ich bin auf dem Zenit angekommen“.

Wenn man Marita Oscheja vom SV Chemie Mieste diese Worte sagen hört, spiegelt sich die Begeisterung über den Sport im Alter wieder. Emotionale Momente erlebte Oscheja vor allem im Doppel der Damen ab 60. Das Finale in Budapest am 6. Juli ging zwar gegen das Duo Branka Batinic (Kroatien)/Larissa Farina (Russland) mit 0:3 verloren, dennoch überwiegt nach wie vor der Stolz über das Erreichte.

Mit Tischtennis-Partnerin Ilona Söfftge aus Halle, wusste die Frau aus Melte zu überzeugen. Söfftge und Oscheja spielen seit nun schon fünf Jahren zusammen im Doppel. Obwohl die Abläufe bei Turnieren bekannt sind, fühlte sich laut Oscheja dieses Turnier allerdings aufregender an.

Unterstützung von Fans aus Halle

„Es sind rund 3800 Zuschauer dabei gewesen. Wir wurden tatkräftig von den Hallenser Fans unterstützt, die wegen des Doppels mit Ilona Söfftge erschienen sind. Sie haben uns ins Finale getragen“, schwärmt die Ü-60-Spielerin.

„Solch lautstarke Unterstützung habe ich noch nie erlebt. Im Finale wurde das Gefühl der emotionalen Überwältigung noch größer. Mit dem Aufruf unserer Namen und der Einlaufmusik, spürte ich pure Gänsehaut. Es hat nur noch die Nationalhymne gefehlt. Dann wäre ich vor Sentimentalität in Freudentränen ausgebrochen“, so Oscheja.

Trick hilft ins Endspiel

Das EM-Finale erreicht zu haben, basiert auf einem mentalen Trick. „Um uns auf die Spiele vorzubereiten, haben Ilona und ich uns geschworen, jedes Spiel als Training zu betrachten. Wir wollten damit den Druck rausnehmen. Als wir uns dann in den entscheidenden Gruppenspielen durchsetzten, haben wir dann eben noch ein zusätzliches Trainingsspiel absolviert. Und dann noch eins. Das Finale war ebenfalls ein Trainingsspiel für uns. Es gab für uns nichts zu verlieren, nur zu gewinnen. Genau auf diese Weise, erreichten wir das Finale“ so Oscheja.

Das EM-Finale überhaupt erreicht zu haben, ist dabei in zweierlei Hinsicht einem Wunder gleich zu setzen. Zum einen kämpfte Oscheja um ihre Rückkehr an den Tisch nach einem Handbruch im Februar. Dieser setzte die ehrgeizige Spielerin bis Anfang Mai außer Gefecht.

Diebstahl bei der Spielpartnerin

Zum anderen gab es ein Kuriosum für Spielpartnerin Söfftge zu verkraften. Während einer Spielpause an Tisch 9, ließ Söfftge ihren Schläger samt Trinkflasche auf der unbesetzten Platte liegen. Nach der Regenerationspause, fand das Duo einen Tisch ohne Material vor.

„Der Schläger von Ilona war einfach weg. Es stand nicht mal mehr die Trinkflasche da. Ilona war völlig aufgelöst. Sie war völlig geschockt. Wir fragten bei der Turnierleitung nach, ob ein Fund abgegeben wurde. Die Ordner haben nichts auffälliges vermelden können. Wir dachten, dass es das gewesen ist. Solch einen Schläger mit dem selben Material kriegt ein Sportler nicht einfach wieder ersetzt. Deshalb versuchte ich Ilona zu beruhigen. Sie spielte fortan mit ihrem Ersatzschläger, mit dem sie allerdings noch nie gespielt hat. Ich versuchte sie daran zu erinnern, dass wir alles als Trainingsspiel sehen. Das Training mit dem neuen Schläger im letzten Gruppenspiel lief gut. Sie spielte sogar besser, obwohl sie das vermeintlich schlechtere Material in der Hand hielt“, so Oscheja.

Mit zunehmender Spieldauer, agierte die Hallenserin sicherer und gewann Vertrauen in das Material. Selbst die Penholder-Techniken der eingespielten Paare aus Thailand und das neue Material am Schläger von Söfftge, konnten den Finaleinzug der beiden Frauen aus Sachsen-Anhalt nicht bremsen.

Im Endspiel ohne Chance

„Zum Schluss mussten wir doch anerkennen, dass unsere Finalgegnerinnen uns überlegen waren. In den ersten zwei Minuten wussten wir gar nicht, wo der Ball ist und was da gerade passiert. Das muss man sportlich neidlos anerkennen, dass es nicht gereicht hat. Die beiden anderen Damen waren klar besser.“

Auf einen guten zweiten Platz sind die beiden besten Deutschen im U-60 Doppel dennoch Stolz. Das Turnier dürfte den beiden Damen noch lange in Erinnerung bleiben - Nncht nur in sportlicher Hinsicht.