Salzwedel l Der Skatersport, der mit Hilfe von Skater-Legende Tony Hawk in den USA große Popularität erfuhr, ist technisch komplexer, als es den Anschein erweckt.

Der Sport mit amerikanischem Ursprung, gewinnt hierzulande an Bedeutung. Ein Altmark-Hawk konnte noch nicht gesichtet werden. Begeisterte Skater versuchen sich dennoch auf dem rollenden Brett.

Treffen mit dem Gründervater

Einen vom Skater-Virus infizierten Sportler fand die Volksstimme in Salzwedel. Im Skaterpark am Dämmchenweg trafen wir in Gestalt von Robin Bierstedt, einer der Gründerväter des Goodfoot Skateboardklub Salzwedel, ließen uns die Faszination Skaten erklären und wagten den Selbstversuch auf dem Brett.

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Eines wird auf dem Brett im Salzwedeler Skaterpark schnell deutlich: Skateboard, ist nicht gleich Skateboard. Genau dies kann Skater-Crack Bierstedt bestätigen. Der 31-jährige schnappt sich eines von vier verschiedenen Brettern, das für die Präsentation der technischen Details und Funktionen des Sportgerätes dient. Es ist das seinige. Große pinkfarbene Räder sind mit einem Kugellager verbunden und einer Achse unterhalb eines blaufarbenen Brettes verschraubt. Position der Räder, sowie Eigenschaften des Roll- und Lenkverhaltens, lassen sich damit steuern.

Bierstedt zeigt mehrere Tricks

Ein besonders strapazierfähiges und robustes Modell nutzt Bierstedt. Die Wheels (Räder) sind entscheidend für das Verhalten des Brettes auf der Strecke. Der Widerstand gegen unebene Beläge und Hindernisse, ist umso größer, je dicker die Wheels beschaffen sind. Die kleineren weicheren Wheels nutzt Bierstedt vor allem für Tricks und ebene Asphaltbeläge.

Unter anderem führt Bierstedt den „180“ vor. Bei diesem Tricksprung zeigt sich ein Abheben des Brettes vom Boden bei gleichzeitiger Drehung des Skaters um die eigene Körperachse. Die Landung vollzieht sich dabei zwischen beiden Komponenten in einer Drehbewgung um 180 Grad.

Mit dem „Kick-Flip“ beherrscht Bierstedt einen weiteren Sprung. Bei diesem wird das Brett per Fuß vom Boden gelöst und in der Luft gedreht. Der Skater landet nach dem Sprung mit den Füßen auf dem Brett. Das Gleichgewicht, sowie die Ausgangsposition der Füße auf dem Board, sind für beide Tricks und deren Erfolg maßgeblich.

Entscheidend für das Abheben des Brettes vom Boden, ist das leichte Anwippen der Vorderkante. Dies wird mit dem Standbein vollzogen. Das andere Bein steuert die Drehbewegung des Brettes in der Luft.

Feeling ist entscheidend

Technisch anspruchsvoll sind die Tricks nicht nur wegen der dafür notwendigen Stabilität. Gefühl am Brett ist gefragt. Nur wenige Sekunden vergehen, in denen Brett und Füße in der Luft stehen. Wenig Zeit steht damit zur Verfügung, um einen fehlerfreien und technisch sauberen Sprung zu absolvieren.

„Dafür habe ich drei Monate gebraucht, um jeweils einen dieser Tricks zu beherrschen“, gesteht Bierstedt, der sich bereits in der Vergangenheit, während einer Trainingsübung an jenem Trick, das Schienbein brach.

Technik und Motorik von Bedeutung

Zögerlich schnappe ich mir ein Brett und probiere mich aus. Das Modell der Wahl fällt auf weiche Wheels. Ich steige auf ein schmales Brett mit Tigermotiv auf rauer Oberfläche. Zunächst versuche ich ein Gefühl für das fahrtaugliche, aber ungewohnte Material zu entwickeln. Bierstedt legt vor, zeigt das Anrollen am Brett. Zwar rolle ich, gerate aber nach nur zwei Metern aus der Balance.

„Die Füße“, ruft mir Bierstedt hinterher, „die Füße stehen falsch“. Es sind kleine Banalitäten, die darüber entscheiden, ob ein Stolpern einsetzt oder eine fließende Rollbewegung.

Mit einem Fuß setzt der Skater an der Frontseite auf. Erst dann folgt das Abstoßen mit dem zweiten Bein vom Boden. Sobald das Board Tempo aufnimmt, kann der zweite Fuß auf das Brett gestellt werden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten klappt es. Seitlich stehe ich auf dem fahrbaren Untersatz. Gelenkt wird durch das Zurücklehnen oder nach vorne Lehnen der Füße. Geschafft.

Nur das Bremsen will noch nicht Gelingen. Während ich mich über einen gelungenen ersten Annäherungsversuch an das Skaten freue, korrigiert Bierstedt meine Haltung:

Bierstedt beginnt erst mit 25 Jahren

„Die Schulter ist entscheidend. Mit der steuerst du die Lenkung. Du musst aus der Schulter skaten, nicht aus den Knien.“ Einfacher gesagt als getan, denke ich, und versuche den Worten Bierstedts, Taten folgen zu lassen. Das klappt semi-gut.

Ich überlasse das Fahren daher lieber Bierstedt und staune Bauklötze. Die Schuhsohlen Bierstedts sind eins mit dem Brett. Sie scheinen förmlich an jenem zu kleben. Die Körperbeherrschung ist auf dem Brett deutlich sichtbar.

Auf der Skater-Rampe demonstriert Bierstedt das Anfahren und Abrollen an einer Bahn. Spätestens in diesem Moment merke ich, welch große Leistungen Bierstedt und so manch anderer Skater bewerkstelligen. Hinter den in dieser Sportart vollzogenen Disziplinen, stecken eine hohe Frustrationsschwelle, Durchhaltevermögen und jede Menge Fleiß.

Bierstedt begann erst im Jahr 2014 mit dem Skaten. Im Alter von 25 Jahren, findet der Salzwedeler erstmals den Weg in den Skaterpark und damit auf das Brett. Ein Glücksfall für Bierstedt, sowie die Nutzung der Anlage. Bierstedt gründete bereits 2011 den Goodfoot Skatingklub Salzwedel. Neben seinem Job als Industriekaufmann, gibt Bierstedt bis zum heutigen Tage Unterricht im Freien, fährt mit einer Ladung Skateboards im Kofferraum an den Dämmchenweg und lässt neugierigen jungen Menschen vor allem Eines: Zeit und Raum zur Entfaltung.

„Die Leute, die hier herkommen, sollen Spaß haben und sich selbst ausprobieren können. Hier kann jeder in Freiheit seine Ideen einfließen lassen und sich weiterentwickeln. Nicht nur als Sportler, sondern auch als Individuum“, so Bierstedt.

Skatboard-Verein umfasst 12 Personen

Die Goodfoot-Familie ist klein. Zwölf Mitglieder stark, ist der Skate-Board-Klub, der auf seinem Gelände auch Biker willkommen heißt: „Biker sind bei uns ebenfalls gern gesehen. Wir betreiben zwar Wettkämpfe, sind aber nicht von Ehrgeiz getrieben. Wir sehen uns nicht unter Wettbewerbsdruck oder fühlen Konkurrenz beim Skaten. Das Miteinander fasziniert mich an diesem Sport. Wenn ein anderer Wettkampfteilnehmer besser ist, als ein Mitglied aus dem eigenen Team, dann wird er auch von uns dafür gefeiert und beglückwünscht. Die Szene ist recht locker. Das hat man in anderen Sportarten wie Fußball nicht. Wenn der Gegner da ein schönes Tor schießt, wird er im Spiel nicht von der anderen Mannschaft gefeiert“, schildert Bierstedt den Unterschied.

Zum Schluss des Skater-Exkurses, versuche ich zumindest im Sitzen von der Rampe zu fahren.Vergebens. Selbst im Sitzen, stürze ich vom Brett. Fazit: Skaten ist eine der beeindruckendsten und zugleich herausfordernsten Sportarten, die es gibt.