Calbe l Nach der Schlusssirene stürmte Susanne Bachmann plötzlich in die Kabine. Als die Calbenser Trainerin wieder auf die Platte trat, trug sie einen großen Korb. Darin waren Süßigkeiten für alle Spieler. Nach und nach nahm sich jeder den verdienten Lohn. Das Strahlen in den Augen war nicht zu übersehen. Denn alle wussten: Aufgrund der neuen Verordnungen zur Eindämmung des Coronavirus‘ war es mindestens für einen Monat das letzte Spiel. „Natürlich ist es schade. Beim Spiel und im Training waren die Kinder auf einem guten Level. Es hat Spaß gemacht. Durch den Alltag bekommen sie schon mit, was los ist. Ich denke aber auch, dass die Kinder am besten mit der Situation umgehen, auch wenn sie wieder die Leidtragenden sind“, sagte Meik Vollmer, Trainer des HV Rot-Weiss Staßfurt.

Auch auf der Gegenseite schwang ein zarter Hauch Enttäuschung mit, „denn Handball ist immerhin ein Kontaktsport“, empfindet Bachmann. „Die Jungs hatten gerade Blut geleckt, jetzt müssen sie erstmal wieder pausieren. Aber wir sind über WhatsApp immer in Kontakt und stellen dort auch Trainingsvideos in die Gruppe“, erklärte die Trainerin.

Zuvor waren die Nachwuchs-Handballer auf der Platte gefordert und da war zu erkennen, dass die Calbenser tatsächlich Blut geleckt hatten. Nach zwei Spielen lagen die Saalestädter ungeschlagen auf dem ersten Platz. Diese Serie wollten die Staßfurter unterbrechen. So entwickelte sich von Beginn an ein Spiel auf Augenhöhe. „Die Spieler hatten aufgrund dieser Ausgangslage ein bisschen Angst. Wir kennen Staßfurt noch vom Saalecup und da war es ein enges Spiel“, meinte Bachmann. Hinzu kamen die großen Verletzungssorgen, denn nur neun Namen standen auf dem Spielberichtsbogen bei den Hausherren.

Die ersten 15 Minuten verliefen ausgeglichen. In der Folge nutzten die Saalestädter ihre Stärken zum Leidwesen des Gästetrainers: „Die Calbenser Spieler waren sehr agil und haben uns immer wieder das Leben schwer gemacht“, beobachtete Vollmer. Felix Dorst war es vorbehalten, seine Mannschaft in Führung zu bringen. Bis zum Gang in die Kabinen bauten die Hausherren diesen Vorsprung auf vier Treffer aus (10:6).

Chancenverwertung macht den Unterschied

Am Spielbild änderte sich auch in Durchgang zwei nur wenig. Zwar waren die Staßfurter immer wieder bemüht, den Anschluss zu erzielen, doch weil die Kinder „sehr aufgeregt waren, haben wir viele technische Fehler gemacht“, so Coach Vollmer. Diese Schwächen nutzten die Calbenser immer wieder gnadenlos aus. „Calbe war im Abschluss einfach kaltschnäuziger, das muss ich ehrlich so sagen“, zollte der Rot-Weiss Übungsleiter dem Gegner Respekt. „Wir hingegen waren zu fahrig.“

Mit einer Serie von vier Toren in Folge beendeten die Saalestädter sämtliche Träume der Gäste, denn beim Stand von 17:10 vier Minuten vor dem Ende rechnete kaum noch jemand damit, dass die Staßfurter das Ruder noch herumreißen können. Mehr als Ergebniskosmetik war dann eben auch nicht mehr möglich. „Der Sieg geht in Ordnung“, erkannte Vollmer an.

Auf der Gegenseite waren ebenfalls alle zufrieden mit dem Ausgang der Partie. „Alle Kinder haben super gekämpft und ein tolles Spiel abgeliefert“, freute sich Bachmann über den dritten Sieg in Serie. „Zu verbessern gibt es in diesem Alter natürlich immer etwas.“ Durch die verordnete Zwangspause können die Calbenser aber an diesen Stellschrauben drehen. Ebenso die Staßfurter, um dann noch stärker zurückzukehren.

TSG Calbe: Fynn Kröpke - Tom Karl König (1), Ian Bachmann (5), Philip Albrecht (7), Yannick Schnitzendöbel, Oskar Böse, Robin Finnlay Müller (1), Jonas Stoll, Felix Dorst (3)

HV Rot-Weiss Staßfurt: Arjen Schwarzkopf - Piet Schulze, Luca Vollmer, Ian Beck (1), Jonas Ernst, Ole Brandl (1), Dean Jensen Möhl, Paul Leopold, Erik Kindermann, Louis Etienne Pescht (3), Dave Woitzik (3), Maddox Buhrau, John Ronny Pilarczyk, Eric Franke (4)