Glinde l Peter Pysall ist ein großer Freund des Sarkasmus. Vor zwei Wochen unterlagen die Handballer vom Glinder HV „Eintracht“ überraschend mit 22:23 zu Hause gegen den SV Eintracht Gommern. Ob es da ein Straftraining gab? „Was soll ich machen? Die Jungs in die Elbe werfen?“, fragt der Trainer. Natürlich ist das keine Option. Ob die Glinder nach so einer Aktion besser Handball gespielt hätten, ist sowieso fraglich.

Fakt ist: Die Glinder haben gegen Gommern Punkte liegengelassen im Aufstiegsrennen. Weil Osterburg parallel bei Post Magdeburg II aber ebenfalls verlor, hat sich an der Ausgangslage nichts verändert. Zwei Spieltage vor dem Saisonende sind beide Teams noch immer punktgleich an der Spitze. „Es hat sich nichts geändert.“ So gehen die Glinder auch das Spiel am Sonntag beim LSV 90 Klein Oschersleben an (Anwurf 16 Uhr).

Ringsherum soll alles ausgeblendet werden. „Nur das Spiel in Klein Oschersleben zählt“, so Pysall. Trotzdem gab es eine interne Auswertung des Spiels gegen Gommern. „Wir haben Zahlen auf den Tisch gelegt.“ 17 technische Regelfehler wurden gezählt. „Dazu hatten wir im Angriff eine Wurfeffektivität von 35 Prozent“, erklärt Pysall. Es liegt auf der Hand, wo die größte Baustelle war. „Du musst erst fangen und dann werfen. Wenn du zuerst wirfst, hast du ein Problem. Ich fordere da mehr Verantwortung.“ Schon in den Wochen vor dem Spiel gegen Gommern hatte sich angedeutet, dass Glinde noch einmal Punkte liegenlassen könnte. In gewisser Weise war das einkalkuliert. Freilich war es aber nicht die erste Saisonpleite. „Es zeugt von Stärke, dass die Mannschaft solche kleinen Tiefschläge wegstecken kann.“ Da schimmert wieder sehr viel Optimismus in der Stimme von Pysall durch. Klar ist aber auch: Noch so einen Tiefschlag wie gegen Gommern darf sich Glinde nicht leisten.

Damit das nicht passiert, haben die Glinder in den zwei Wochen seit der Pleite daran gearbeitet, dass die Wurfeffektivität morgen sehr viel höher als bei 35 Prozent liegt. „Wir haben Wurfserien gestartet“, erzählt Pysall. „Und Alternativlösungen erarbeitet.“ Damit in den wichtigen und entscheidenden Phasen das Selbstvertrauen dafür sorgt, dass der Ball im und nicht neben dem Tor landet. Oder beim Schlussmann. Oder anders: „Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen“, so Pysall.

Das gilt auch bei den Bedingungen in Klein Oschersleben. Bekanntlich herrscht dort Haftmittelverbot. „Wir haben die Woche ohne Harz trainiert. Wir haben unsere Dose leer gemacht und dann einfach keine neue aufgemacht“, sagt Pysall. Auch in dieser Hinsicht gilt: Ausreden verboten.

Vom Personal her sieht es bei der Mission Auswärtssieg ganz gut aus. Alexander Rockmann wird fehlen, Keeper Philipp Giesemann kränkelt. Alle anderen sind an Bord. Auch Julian Bauer, der unter der Woche beim Training fehlte, wird morgen beim Spiel dabei sein. Zwar hat Glinde dann neben Bauer als Aufbauspieler durch den Ausfall von Rockmann eine Alternative weniger. „Aber wir haben mit Torsten Deumeland auf Mitte trainiert.“ Nichts soll den Showdown am letzten Spieltag gegen den punktgleichen Tabellenführer HSG Osterburg ins Wanken bringen. Aber an dieses Spiel will Pysall gar nicht denken. „Das ist soweit weg wie der Nordpol vom Südpol. Das muss alles raus aus den Köpfen.“ Osterburg spielt übrigens heute gegen den Dritten Haldensleben, der nur drei Punkte hinter Glinde und Osterburg steht. Theoretisch könnte Haldensleben mit einem Sieg in Osterburg auch noch mal in den Aufstiegskampf eingreifen. Aber dieses Theroriegerede lässt Pysall erst recht nicht zu. Morgen gilt einfach: Rein in den Konzentrationstunnel und mit einem Auswärtssieg wieder herauskommen.