Magdeburg/Schönebeck l Platz fünf und nur eine Niederlage in sieben Partien. Bei der diesjährigen Landeseinzelmeisterschaft zeigte sich der Schönebecker Michael Görgens in bestechender Form und schrammte nur ganz knapp am Sieger-Treppchen vorbei. Landesmeister wurde Martin Niering (Rochade Magdeburg) mit 5,5 Punkten vor Stefan Maltezeanu (SF Hettstedt, fünf Punkte) und Felix Schulte (USV Halle, 4,5 Punkte).

Der Landesschachverband Sachsen-Anhalt feierte in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen und führte aus diesem Grund, aber auch Corona-bedingt, erstmals die Landesmeisterschaft in zwei Turnieren durch. In den Herbstferien wurde gleichzeitig neben dem Masters auch ein Open-Turnier im Magdeburger Hegel-Gymnasium ausgetragen.

Aufgrund seiner Spielstärke konnte der Schönebecker Spitzenspieler Michael Görgens im Masters den Kampf um den Titel aufnehmen. An Platz neun im 14-köpfigen Teilnehmerfeld gesetzt, gelang ihm ein guter Start ins Turnier. Gegen den an zwei gesetzten Mitfavoriten Sebastian Pallas aus Löberitz holte er ein Remis. Auch in Runde zwei konnte er einem stärkeren Spieler ein Remis abringen. Daraufhin saß er in Runde drei dem an eins gesetzten Titelverteidiger Johannes Paul, seines Zeichens immerhin FIDE-Meister, gegenüber. Nach guter Eröffnungsbehandlung war die Stellung lange ausgeglichen, und beim Übergang ins Mittelspiel unterlief dem FIDE-Meister sogar eine kleine Ungenauigkeit. Hier hätte der Unioner mit einem doppelten Springer-Opfer die Königsstellung schwächen und in eine positionell leicht vorteilhafte Stellung abwickeln können, so dass das Remis greifbar war. Unglücklicherweise übersah er jedoch einen Zwischenzug – ein entscheidendes Damenschach, mit dem Paul den Damentausch erzwingen konnte. Danach war der Angriff des Schönebeckers entscheidend geschwächt und Paul nutzte seinerseits die eröffnungstypischen Angriffsmöglichkeiten am Damenflügel.

Dies sollte Görgens‘ einzige Niederlage bleiben. Er ließ zwei Siege und ein Remis gegen den späteren Zweiten folgen, so dass er nach sechs Runden auf 3,5 Punkte kam und vor der letzten Runde noch kleine Chancen auf eine Medaille besaß.

Remis gegen Kontrahenten in Zeitnot

Ihm gegenüber saß nun der junge Oberligaspieler Felix Schulte vom USV Halle, der bereits vier Punkte aufwies und lediglich ein Remis für den dritten Platz benötigte. Görgens kam auch hier gut aus der Eröffnung und inszenierte einen Angriff auf den gegnerischen König. Jedoch büßte er bei der Verdopplung der Türme in der e-Linie einen Bauern ein. Er besaß jedoch genug Gegenspiel, um im späteren Verlauf der Partie mit einem taktischen Trick (Abzug mit Doppelangriff unter Ausnutzung einer Fesselung), der sehr schwer zu sehen war, diesen Bauern zurückzugewinnen. Das entstandene Endspiel war nun sehr unklar und so nahm Görgens das Remisangebot seines Gegners, der bereits leichte Zeitnot besaß, an.

Auch wenn es unter dem Strich nicht ganz fürs Treppchen reichte, war der Schönebecker dennoch hochzufrieden mit dem Turnierverlauf und den erspielten vier Punkten, da er mit den Spitzenspielern in Sachsen-Anhalt mithalten konnte.

Im Open nahm mit Joachim Brandt ebenfalls ein Schönebecker teil. Der an drei gesetzte Altmeister konnte seine zuletzt gute Form bei den Seniorenmeisterschaften nicht hinüberretten und blieb mit drei Punkten aus sieben Runden (zwei Siege, zwei Remis, drei Niederlagen) hinter den Erwartungen zurück. Bei 26 Teilnehmern reichte es nur zu Platz 18.