Liesten/Staßfurt l Manchmal braucht es nicht viele Worte, um die Stimmung nach einem Fußball-Spiel einzufangen. Nachfragen sind da zwecklos. Gerade hatte der SV Liesten 22 aus der Landesklasse I den höherklassigen Landesliga-Aufsteiger SV 09 Staßfurt in der ersten Runde des Landespokals mit 3:1 (1:1) aus dem Wettbewerb gekegelt, da wollten die heimischen Altmärker ihrer unbändigen Freude natürlich auch irgendwie Ausdruck verleihen. Im ringsherum tanzenden Siegerkreis schallten die verbalisierten Glücksgefühle quer über den Platz. Im Hintergrund sah der aufmerksame Beobachter, ganz entfernt und leise dahin trottend, den Staßfurter Trainer Jens Liensdorf vom Platz schleichen. Mit hängendem Kopf. Wie passend.

Natürlich hatten sich die 09er den Auftritt in der Altmark anders vorgestellt. Liensdorf war enttäuscht. „Da war viel Stückwerk. Wir haben nicht den nötigen Zugriff auf das Spiel bekommen“, sagte er. Der erste Auftritt nach fünf Jahren Pause im Landespokal endete also mit einem ernüchternden Resultat.

Früher Führungstreffer

Dabei waren die Bodestädter prima in das Spiel gestartet. Nach einem missglückten Abwehrversuch schaltete Matthias Härtl am schnellsten, umkurvte noch einen Gegenspieler und schob zum frühen 1:0 ein (3.). Doch Sicherheit gab das den Staßfurtern nicht. Keine zwei Minuten später hatte der Gastgeber schon ausgeglichen. Nach einem Eckball von René Mangrapp kam Steven Beck fast ungehindert zum Kopfball und markierte das 1:1 (5.).

Zumindest eine Teilschuld am Gegentreffer trug da aber Staßfurts Keeper Philipp Beier. Der 23-Jährige kam zwar raus aus dem Tor, stieg zum Ball hoch, Beck aber war schneller. „Da sah der Torhüter unglücklich aus“, musste auch Liensdorf zugeben. Der schnelle Ausgleich verunsicherte die Gäste erst recht. Torchancen waren Mangelware. Bemerkenswert: Ein Klassenunterschied war nie zu erkennen. „Es gab einige Passfehler bei uns, weil die Laufbereitschaft nicht bei 100 Prozent war“, erklärte Liensdorf. „Liesten hat hingegen schnörkellos gespielt und viel über die linke oder rechte Seite gespielt. Da sind wir viel hinterher gelaufen.“

So ließen die Liestener auch das Spielkonzept der Staßfurter nicht zur Entfaltung kommen. Eigentlich wollte der SV 09 selbst mit langen Bällen nach vorn in die Spitze für Gefahr sorgen. „Doch wir sind sehr, sehr selten am Mann vorbeigekommen. Die Bälle waren dann auch viel zu schnell weg.“

Und so kam es fast, wie es kommen musste. Nach einem Pass von Stephan Benecke in die Spitze reklamierte Maximilian Moye auf Abseits, lief aber nicht schnell genug hinterher. René Mangrapp schob zum 2:1 für den Gastgeber ein (69.). Staßfurt war gefragt, brachte aber kaum etwas zu Stande in seinen Offensivbemühungen. Chancen waren Mangelware.

Gelb-Rot für Horstmann

In der Schlussphase der Partie erwies Chris Matthias Horstmann seinen Staßfurtern einen Bärendienst. Nach wiederholtem Foulspiel wurde der 25-Jährige mit Gelb-Rot vom Platz geschickt (90.+2). Kann man geben. Liensdorf ärgerte allerdings, dass der Schiedsrichter davor ein Foulspiel der Liestener ungeahndet ließ. „An den Schiedsrichtern lag es nicht, aber es waren einige unglückliche Aktionen der Unparteiischen dabei“, sagte der Coach. Und mit der letzten Aktion fingen sich die höherklassigen Staßfurter sogar noch den dritten Treffer ein. Nach einem missglückten Abstoß von Philipp Beier schaltete Marc Sokolowski am schnellsten und markierte den Endstand (90.+5).

„Wir haben eine Backpfeife bekommen. Obwohl die Einstellung da war, hat die Mannschaft nur 50 bis 60 Prozent Leistung gezeigt“, so Liensdorf. Liesten-Coach Michael Piotrowski war hingegen freilich erfreut. „Dass wir nach dem frühen Gegentor so zurückgekommen sind, das war schon überragend. Insgesamt haben wir das einfach gut gemacht und wenig zugelassen“, sagte er. „Wir wollten tiefes Mittelfeldpressing spielen, was uns auch gut gelungen ist. Die Jungs haben klasse gekämpft und scheinen sich nun auch gefunden zu haben.“

Und Staßfurt? Welche Lehren zieht der Neu-Landesligist aus dem Spiel? Gibt es ein Straftraining? „Nein, das nicht. Aber wir werden ein paar Sachen hinterfragen. Man muss der Mannschaft, die über mehrere Monate guten Fußball gezeigt hat, auch mal ein schlechtes Spiel zugestehen“, meinte Liensdorf. „Ich denke, dass die Spieler das einordnen können. Hoffentlich war das ein Warnschuss zur rechten Zeit, der zeigt, dass wir nicht unbesiegbar und verwundbar sind.“

Der SV 09 muss schnell lernen. Am kommenden Wochenende startet Staßfurt bei der TSG Calbe in den Ligaalltag. Bis dahin muss das schmerzhafte Aus im Landespokal verdaut sein.

SV 09 Staßfurt: Beier – Nagel (74. Stachowski), Stein, Moye, Härtl, Bolze (85. Möller), Kollmann, Schmidt, Horstmann, Mähnert (72. Müller), Härtge

Tore: 0:1 Matthias Härtl (3.), 1:1 Steven Beck (5.), 2:1 René Mangrapp (69.), 3:1 Marc Sokolowski (90.+5); SR: Christopher Bethke (Blau-Weiß Gerwisch), Vorkommnis: Gelb-Rote Karte gegen Chris Matthias Horstmann (90.+2/SV 09 Staßfurt), ZS: 90