Staßfurt l Gut, dass in der Paul-Merkewitz-Halle noch ein Paar Krücken rumlagen. Denn ohne Gehhilfe hätte Enrico Lampe sich am vergangenen Sonnabend gar nicht mehr fortbewegen können. Der Mittelmann des HV Rot-Weiss verletzte sich in der Begegnung der Mitteldeutschen Oberliga gegen den HC Burgenland und konnte nicht weiterspielen.

Dass er auch nach der Verletzung noch mit auf der Bank saß und zu den Besprechungen in den Auszeiten humpelte, spricht von einem guten Teamgeist. Es zeigte aber auch, dass sich Lampe keine alltägliche Verletzung zugezogen hatte. Mit dick bandagiertem Knie, erstmal provisorisch verarztet, ging der erfahrene Spieler auf seinen Krücken durch die Halle. Doch was war überhaupt passiert?

Lampe verletzte sich ohne Einwirkung des Gegners. Und dann, so ist es leider im Sport, kommt es oft zu den schlimmsten Verletzungen. Der RWS-Spieler ist falsch aufgekommen. „Ich wusste sofort, dass das irgendeine böse Verletzung ist“, so Lampe. Und beim MRT am Montag stellte sich heraus: Das vordere Kreuzband des Handballers ist gerissen. Wohl eine der, wenn nicht die, schlimmste Verletzung im Sport. „Das ist wohl die schlechteste aller Varianten“, weiß er selbst.

So wird Lampe nicht nur für die restlichen drei Saisonspiele, sondern auch noch für die komplette Hinrunde der nächsten Saison ausfallen. Der Heilungsprozess hat in den kommenden Wochen höchste Priorität. „Ich bin jetzt erstmal ans Bett gefesselt“ berichtet Lampe. Nur einmal täglich steht für ihn eine Physiotherapie an, mit der die Schwellung in seinem Knie bearbeitet werden soll. Ist dies geschafft, soll es, so sagt er selbst, „schnellstmöglich zur Operation kommen“.

Kurzfristig, im Kampf um den Klassenerhalt, verlieren die Staßfurter damit einen sehr wichtigen Spieler. Um seine „Nachfolge“ für die restliche Saison macht sich Lampe aber keine Sorgen: „Das ist unproblematisch. Die restliche Spielzeit gegen Burgenland hat doch gezeigt, dass das Team auch ohne mich klar gekommen ist. Ich bin mir sicher, dass das auch in den verbleibenden Spielen ohne weiteres klappen wird.“

Fakt ist aber auch, dass nicht jeder diese wichtige Position spielen kann. Der Mittelmann ist der Regisseur im Spiel. Er benötigt Übersicht, Ruhe und Führungsqualität. Ein geeigneter Kandidat dafür ist sicher Maurice Wilke, der im Rückraum zuhause ist und nicht nur gegen den HC Burgenland zuletzt mit sechs Treffern überzeugte. Schon seit einigen Wochen ist der junge aber gleichermaßen erfahrene Spieler im Formhoch. Das sieht auch Lampe so: „Er ist einer von denen, die das können. Das hat er zuletzt schon bewiesen.“ Denn er füllte diese Position schon aus, als Lampe das Spielfeld am Sonnabend verlassen musste.

Wobei Lampe zunächst gar nicht auf seiner Stammposition von zuletzt spielte. Der Routinier begann als Linksaußen. Geschuldet war das den taktischen Umstellungen von Trainer Uwe Werkmeister vor dem Spiel. Der Coach wusste bereits vor der Partie, dass die Naumburger auf den Halbpositionen sehr stark besetzt sind.

Seine taktische Antwort: Er bot mit Oliver Jacobi und Stefan Darius zwei Kreisspieler auf. „So konnte Naumburg nicht so offensiv agieren. Das hat in den ersten 15 Minuten richtig gut geklappt“, sagte Lampe. Die Staßfurter haben nach einer Viertelstunde gegen den Tabellenzweiten mit 9:6 geführt. „Das war genau der richtige Zug des Trainers. Es war sehr wichtig, den Gegner auch mal vor eine Aufgabe zu stellen“, ergänzte Lampe.

Diese taktischen Maßgaben waren dann aber immer schwieriger umzusetzen. Denn nicht nur Lampe musste mit seiner Verletzung runter, Jacobi und später auch Wilke wurden disqualifiziert. So sind immer mehr Säulen bei den Rot-Weissen weggebrochen. Die Decke war dann nur schwer zu halten, der HCB stürzte auf die Staßfurter ein. Das Spiel endete 27:27. Was der Punkt wert ist, wird spätestens beim Saisonfinale am 6. Mai zu sehen sein. Dann würde sicher jeder der Spieler als Mittelmann alles geben.