Staßfurt l Die Faust geballt. Die stolze Tochter auf dem Arm. Ihm war die Freude anzusehen. Nachdem ihm seine Mitspieler vom HV Rot-Weiss Staßfurt II schon alle beglückwünscht hatten, drehte er noch seine Ehrenrunde in der Merkewitz-Halle. Karsten Berger durfte sich völlig zurecht feiern lassen. Der Routinier hatte beim Verbandsliga-Spiel der Staßfurter gegen den HV Ilsenburg kurz vor dem Ende den 25:24-Siegtreffer erzielt.

Wie fühlte sich der Matchwinner? „Das ist mit Worten nicht zu beschreiben.“ Aber ein Blick in sein strahlendes Gesicht reichte. Berger war seit über einem Jahr nicht dabei, trainierte aber zuletzt wieder mit und wurde von Trainer Mario Kutzer in den Schlussminuten eingewechselt. „Ich bin so froh, dass der Coach mir diese Chance gegeben hat“, so Berger, der die Anerkennung direkt abwendete: „Das war eine sehr gute Teamleistung.“

Doch dieses Team erstmal zusammenzusetzen, war eine schwere Aufgabe für Kutzer. Einige Spieler fehlten bei der RWS-Zweiten. So fragte der Coach nicht nur bei Christian Gödde an, sondern kurzfrisitig auch noch bei Eike Rach. Beide hatten ihre Karriere eigentlich schon beendet, bei beiden musste Kutzer aber „nicht lange herumbetteln“. Und so stellten die Staßfurter ein solides Team, das sich in der ersten Hälfte jedoch noch etwas schwer tat. „Ich habe es mir anders gewünscht. Ilsenburg war sehr stark“, musste der Trainer eingestehen.

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Und so ging der Tabellenzweite direkt mit 2:0 in Führung (2.). Steve Ilgenstein, der zunächst einen Siebenmeter vergab, hatte dann aber aus dem Spiel heraus die passende Antwort zum 4:4 (9.). Mit dem 7:5 (13.) wurde es für die Gastgeber erstmals ein bisschen komfortabler. Aber: „Ich hätte mir dann noch ein drittes oder viertes Tor gewünscht. Wir konnten uns nie richtig absetzen“, ärgerte sich Kutzer. So konnte der HVI nicht nur ausgleichen (9:9, 19.), sondern die Führung erobern. Staßfurt blieb in dieser Phase acht Minuten ohne Tor und musste den Gegner auf 13:10 (26.) ziehen lassen. Diese Drei-Tore-Führung blieb bis zur Pause bestehen.

Hälfte zwei

Nachdem sich die Gastgeber in Hälfte zwei binnen sechs Minuten aber zurückkämpften (15:15, 36.), war das Spiel wieder völlig offen. Und das blieb es auch. Bis 40 Sekunden vor dem Ende. Staßfurt war beim Stand von 24:24 im Ballbesitz. Und Kutzer bat seine Mannen nochmal zu einer Auszeit. Doch was waren die Worte, die letztlich das Spiel entschieden?

Kutzer war aufgefallen, dass die Staßfurter bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht eine Verwarnung wegen Zeitspiel erhalten haben. „Deshalb habe ich den Jungs gesagt, dass wir diesen Angriff ausspielen, bis die Hand des Schiedsrichters hochgeht.“ Das ist das Warnzeichen der Unparteiischen, wenn sie Zeitschinden vermuten. „Doch es kam ganz anders“, so Kutzer. Weil Rach eine Lücke erkannte, entschloss er sich zu einem Wurf. Doch dieser war nicht von Erfolg gekrönt. Wechsel im Ballbesitz? Nein, Ilgenstein reagierte blitzschnell und behauptete die Kugel, die dann letztlich zum Rechtsaußen Berger kullerte. Der 37-Jährige ließ sich nicht zweimal bitten und erzielte den Siegtreffer. „Das freut mich sehr für ihn“, sagte Kutzer.

Und das war nicht sein erster Geniestreich. Schon das 19:18 (52.), wenige Sekunden nach seiner ersten Einwechslung am Sonnabend, ging auf das Konto des erfahrenen Mannes. Mit einer „Berger-Gedächtnis-Finte“ gelang dem Staßfurter ein Tor von außen. Zuvor hatten die Ilsenburger „uns da sehr gut zugestellt“, berichtete Kutzer. Aber dem Routinier gelang an diesem Tag alles. Der neunte Sieg in der Merkewitz-Halle in dieser Saison. Der vierte in Folge. Alles ist auf einen Moment zurückzuführen. Und diesen wird nicht nur Karsten Berger noch eine Weile im Gedächtnis behalten.

Staßfurt: Jesse - Rösler, Berger (2), Langewald, Gödde (1), Dittmar, Loose (1), Rach (6), Panzer, Bönecke, Hoffmann (1), Engelhardt (4), Ilgenstein (3)

Siebenmeter: Staßfurt 5/3 - Ilsenburg 3/3 Zeitstrafen: Staßfurt 5 - Ilsenburg 1