Staßfurt l Über die neuesten Entwicklungen zu Hause in Tschechien ist er stets gut informiert. Der 23-Jährige hält via Telefon permanenten Kontakt zu seiner Heimat.

Volksstimme: Wie geht es Ihnen im Moment? Sind Sie gesund? Was machen Sie ohne Handball?

Martin Strnad: „Ja, mir geht es gut. Ich sitze eigentlich nur mit meiner Freundin zuhause. Für uns Handballer in Staßfurt ist das schwierig. Wir machen das eigentlich jeden Tag und jetzt ist es einfach weg. Da muss halt jeder Spieler etwas für sich machen.“

Wie sieht es mit dem Training derzeit aus? Habt ihr individuelle Pläne bekommen?

„Diese Woche lassen wir es erst einmal komplett ausfallen. Jeder muss trotzdem für sich was tun. Wenn es irgendwann weitergeht, werden wir sehen, wer etwas gemacht hat und wer nicht. Ich habe einen tschechischen Kumpel in Schwerin, der spielt dort. Wir machen im Moment eine Art Telefon- beziehungsweise WhatsApp-Training miteinander, um uns irgendwie gegenseitig anzuspornen.“

Der Spielbetrieb ist derzeit eingestellt. Wie soll es Ihrer Meinung nach weitergehen?

„Ich hoffe natürlich, das wir irgendwann weitermachen können und die Saison zu Ende spielen.“

Im Moment scheinen viele Szenarien möglich. Habt ihr Angst, den anvisierten Aufstieg zu verpassen?

„Es ist unser großes Ziel und wenn wir das verpassen, weil die Saison abgebrochen wird, wäre das schon bitter. In Wittenberg kann man verlieren, aber die Unentschieden zuhause gegen Glinde und Halberstadt tun uns unheimlich weh. Hoffentlich liegt es am Ende nicht daran. Das würde uns sehr ärgern. Eine Info, wie es weitergehen soll, haben wir bisher noch nicht bekommen.“

Um den Fokus mal vom Sport abzulenken, wie ist Ihre derzeitige Alltagssituation. Können Sie arbeiten gehen? Was machen Sie beruflich?

„Ich bin Auszubildender zum Industriekaufmann. Eigentlich wäre in dieser Woche die Zwischenprüfung dran gewesen. Die wurde aber abgesagt. Wiederholt wird sie wahrscheinlich nicht, weil sie keinen direkten Einfluss auf den Abschluss hat. In meiner Abteilung muss immer ein Mitarbeiter da sein. Es wurde auch schon ausprobiert, ob arbeiten von zuhause möglich ist. Im Moment sind wir Azubis aber noch im Betrieb. Mal schauen, wie es weitergeht.“

Wie sieht die Corona-Situation in Ihrer Heimatstadt Usti nad Labem aus? Haben Sie Kontakt dorthin?

„Ich telefoniere regelmäßig mit meinen Eltern. Dort ist die Lage noch schwieriger als hier. Das ganze Land ist in Quarantäne. Man darf nur zum einkaufen mit Mundschutz aus dem Haus gehen. In den Supermärkten dürfen dann immer nur fünf Leute rein. Die anderen müssen warten, bis die wieder draußen sind. Rentner sollen nur von 10 bis 12 Uhr einkaufen, alle anderen in dieser Zeit nicht. Jüngere kaufen aber auch für Ältere ein.

Gibt es Engpässe bei Lebensmitteln?

„Es gibt kein Mehl und keine Nudeln. Klopapier ist aber vorhanden (lacht).“

Gibt es Coronainfizierte in Ihrem Umfeld? Kennen Sie Familien, Freunde oder Bekannte, die erkrankt sind?

„In Usti nad Labem sind es jetzt 20 Fälle. Einer davon ist Lukas Konecny, der bekannte Boxer. Er hat aber wohl keine Symptome, steht mit seiner Familie aber unter Quarantäne. Auf seiner Facebook-Seite habe ich gesehen, dass er bei sich zuhause im heimischen Fitnessstudio trainiert.“