Stendal l Beim Verbandstag vor zwei Wochen wurde beinahe ein Dutzend neuer Gesichter in den Vorstand gewählt. Das Amt des Präsidenten hat Michael Müller (37) übernommen. Im Gespräch mit Volksstimme-Autor Stefan Rühling sprach dieser über seinen Dienstantritt und die Zukunftsplanungen.

Volksstimme: Herr Müller, wie geht es Ihnen zwei Wochen nach der Wahl?

Michael Müller: Mir geht es gut, vielen Dank der Nachfrage. Dabei waren die ersten Wochen nach der Wahl sehr intensiv. Dadurch ist bereits das Gefühl gewachsen, dass wir im Team der KFV-Familie sehr gut zusammenarbeiten.

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Wie sahen Ihre ersten Tage als KFV-Präsident aus?

Am Mittwoch nach dem Verbandstag haben wir direkt eine Vorstandssitzung abgehalten und sind damit sogleich in die Arbeit gestartet. Es mussten weiterhin viele organisatorische Angelegenheiten, wie beispielsweise die Umschreibung von Berechtigungen und ähnlichem, erfolgen. Ich persönlich hatte noch einige Verabredungen zur Übergabe von Werner Meinschien an mich oder auch Kennenlern-Termine bei unseren Sponsoren sowie anderen Institutionen.

Wann haben Sie davon erfahren, dass Werner Meinschien und ein Großteil des Präsidiums nicht mehr zur Wahl stehen werden?

Dass Werner Meinschien und auch sein Stellvertreter Dieter Marks sich aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung stellen würden, war innerhalb des Verbands bereits seit einigen Jahren bekannt. Seitdem lief also der Prozess, wie der KFV sich zukünftig aufstellen würde und es reifte auch in anderen Vorstandsmitgliedern, dass sie sich aus verschiedenen Gründen nicht wieder um eine Funktion bewarben.

War für Sie dann klar, sich als Präsident zur Wahl zu stellen oder wie hat sich das entwickelt?

Ich sage mal so: Hätten Sie mich vor einem Jahr gefragt, ob ich neuer KFV-Präsident werden möchte, dann hätte ich abgelehnt. Natürlich ist eine Funktion im Verbandsvorstand ein Wahl-Amt, dennoch hat sich das ehemalige Präsidium natürlich ausführlich damit auseinandergesetzt, wer sich denn letztlich zur Wahl stellen würde. Am Ende habe ich um den Jahreswechsel 2019/2020 zahlreiche Gespräche mit Freunden und anderen Funktionären geführt, die in mir haben den Entschluss reifen lassen, mich auf das Amt des Präsidenten zu bewerben.

Welche Rolle spielte Ihre Familie bei der Entscheidung, sich zur Wahl zu stellen?

Sie spielte natürlich eine sehr große Rolle. Meine Frau und ich sind zum Jahresende 2019 zum zweiten Mal Eltern geworden. Daher hätte ich vor einem Jahr – inmitten der Schwangerschaft – auch dankend abgelehnt. Wir haben uns viel darüber unterhalten und am Ende hat meine Frau mich darin bekräftigt, mich der Aufgabe zu stellen. Selbst habe ich mir das auch zugetraut. Ich bin meiner Ehefrau sehr dankbar für die vielen Freiräume in der Vergangenheit und den notwendigen zukünftigen Rückhalt.

Bei der Wahl hatten Sie, im Vergleich zu den weiteren Vorstränden, die meisten Gegenstimmen – wie gehen Sie damit um?

Ich fand es zunächst einmal sehr positiv, dass geheim gewählt worden ist. Denn nur so, denke ich, haben wir auch ein ehrliches Meinungsbild erhalten, mit dem ich sehr gut umgehen kann. Es war aus meiner Sicht auch nicht damit zu rechnen, dass ein deutlicheres Ergebnis entsteht, da ich als Vorsitzender im Schiedsrichterwesen in der Vergangenheit auch schon Entscheidungen treffen musste, die nicht allerorts auf Zustimmung gestoßen sind. Es liegt natürlich an unserem neuen KFV-Vorstand und meiner Person, die Delegierten, die mit einer Gegenstimme votiert haben, mit unserer Leistung zu überzeugen.

Welche Reaktionen haben Sie nach der Wahl bekommen?

Nach dem Verbandstag und der Wahl habe ich sehr viele Glückwunsch-Nachrichten von Weggefährten, Vertretern aus Vereinen, Verbänden – auch über den Landkreis hinaus – sowie weiteren Funktionsträgern verschiedener Institutionen erhalten. Dafür möchte ich mich auch noch einmal recht herzlich bedanken. Ich war schon sehr überrascht, wie viele Glückwünsche mit teileweisen sehr persönlichen Worten ankamen. Das hat mich für die neue Herausforderung im Präsidenten-Amt wirklich sehr motiviert.

Haben Sie auch negative Reaktionen erlebt?

Nein, nicht direkt. Mir ist aber auch klar, dass es sie mit Sicherheit gab.

Wer Ihre Laufbahn etwas verfolgt hat, findet im neuen KFV-Vorstand so manche Ihrer Weggefährten wieder – ist das Zufall?

Prinzipiell ist es so, dass sich im neuen KFV-Präsidium Menschen wiederfinden, die viele Jahre Erfahrung im Fußball und seinem Drumherum haben. Da haben sich die Wege bereits gekreuzt, das ist doch klar. Die meisten von ihnen hatten auch schon Funktionen im KFV inne und waren, angesichts der aktuellen Gegebenheiten der Besetzung von Funktionen im KFV-Vorstand, offen dafür, mehr Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Ich freue mich sehr über diese Konstellation.

Sie wurden nun inmitten einer der größten Herausforderungen an den KFV seit dessen Bestehen zum Präsidenten gewählt – wie verlief oder verläuft die Übergabe?

Es gab bisher keinerlei Probleme. Während ich, wie beschrieben, von Werner Meinschien und auch Dieter Marks die Amtsgeschäfte übernommen habe, organisierten die neuen Vorstände ebenso ihre Übergaben von ihren Vorgängern. Da ich bereits seit vier Jahren dem Vorstand angehörte, war ich ohnehin in viele Themen involviert, was die Übergabe angesichts der besonderen Situation mit Sicherheit vereinfachte.

Wie definieren Sie die Aufgaben des KFV?

Der KFV ist Dienstleister für gut 5 000 Mitglieder in unseren 43 Fußball-Vereinen im Landkreis Stendal. Wir möchten die bestmöglichen Rahmenbedingungen für den Fußballsport in unserem Gebiet schaffen sowie die Interessen unserer Vereine und Mitglieder bei anderen Institutionen wie beispielsweise dem Kreissportbund, den Fußballverband Sachsen-Anhalt und dem Landkreis Stendal vertreten.

Und Ihre persönlichen als Präsident?

Ich sehe mich vor allem als Ansprechpartner, der nah dran sein möchte an den Vereinen, um die Interessen auch in einem breiten Netzwerk vertreten zu können. Es gilt für mich, zwischen Vereinen, Verbänden oder anderen Institutionen auch zu vermitteln. Am Ende des Tages ist es aber nicht nur meine Aufgabe, sondern mir auch ein persönliches Anliegen, die besten Lösungen für unsere Vereine und Mitglieder zu finden.

Wie werden Sie den KFV führen und auch weiterentwickeln?

Wir sind die Basis des Fußballsports, also müssen wir uns in erster Linie auch um die grundlegenden Aufgaben kümmern. Das war im KFV bisher nicht anders, als es in Zukunft sein wird. Dabei müssen wir unsere strukturellen Gegebenheiten immer wieder an den demografischen Wandel anpassen. Hier bin ich überzeugt, dass wir das im Team der KFV-Familie gut meistern und damit den Verband und unsere Vereine auch nachhaltig weiterentwickeln werden.

Am Freitag findet der erste Staffeltag während Ihrer Amtszeit statt. Haben Sie sich dafür etwas Besonderes vorgenommen?

Nein, ich selbst kann leider aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen. Die Verantwortung der Durchführung des Staffeltages liegt beim Spielausschusses um das Team von Christoph Blasig. Es geht vorrangig um die Organisation des Spielbetriebs. Darüber hinaus dient natürlich jede Veranstaltung immer dem Austausch, um Ideen zu äußern oder Probleme zu erkennen. Diese wollen wir aufnehmen, um sie dann nach und nach abzuarbeiten.

Sie sind auch im Vorstand des hiesigen KSB – ergeben sich daraus Synergien für beide Verbände?

Das ist eine schwierige Frage. Ich möchte mal so sagen: Fußball ist die Sportart mit den meisten Mitgliedern in unserem Landkreis. Sie macht etwa ein Viertel aus. Daher ergeben sich immer wieder Anliegen des Kreissportbundes an den Fußball und damit unseren KFV, die wir so klären können, wie bereits in den Vorjahren auch.