Wernigerode l Als Tabellenzweiter – und damit als bestplatzierte Harzer Mannschaft der Fußball-Landesklasse, Staffel 3 – geht Germania Wernigerode nach dem Corona bedingten Lockdown in die Winterpause. Volksstimme-Redakteur Ingolf Geßler unterhielt sich mit Trainer André Willner.

Germania Wernigerode ist seit fünf Spielen ungeschlagen, gewann davon vier Spiele und rangiert auf dem zweiten Tabellenplatz. Wie ungelegen kam einem als Trainer die Corona-Pause?

Ich denke, dass sich kein Trainer über diese Pause freut. Sicherlich gibt es Mannschaften, die ähnlich wie wir gerade eine gute Form hatten, aber wir werden auch zum Restart wieder gut vorbereitet sein.

Was sind die Gründe, dass es in dieser Saison bisher so gut läuft?

Da spielen einige Dinge eine Rolle. Zum einen hatten wir die erste Corona-Pause genutzt und viel in Kleingruppen trainiert. Besonders im technischen Bereich haben wir uns gesteigert. Dann hatten wir acht gute Testspiele, wo jeder einzelne Spielpraxis sammeln konnte. Das Team hat einen enormen Ehrgeiz und es gibt Positionen, die hart umkämpft sind. Dieser faire Konkurrenzkampf ist natürlich perfekt, um als gesamte Mannschaft besser zu werden. Auch die Trainingsbeteiligung und Leistung hat sich zum Vorjahr nochmals gesteigert.

Auch die zweite Männermannschaft spielt in dieser Saison stark auf, führt die Tabelle der Harzliga, Staffel 2, ohne Punktverlust an. Siehst Du darin auch eine Folge aus dem Aufschwung der ersten Mannschaft?

Das ist natürlich sehr erfreulich, dass unsere Reserve solch eine tolle Saison spielt. Die Zusammenarbeit mit Yves Bilsing läuft perfekt und wir helfen uns ständig gegenseitig aus. Wir wollen immer ein Sechs-Punkte-Wochenende für Germania erreichen. Das Donnerstagstraining machen beide Mannschaften zusammen und es waren jetzt öfter 20 Spieler beim Training. Zum anderen sind mit Alexander Kopp und Michael Preuß zwei erfahrene Spieler zur zweiten Männer gestoßen, die natürlich das Niveau deutlich anheben. Von diesen beiden kann man als Spieler nur dazu lernen. Ich hoffe die Truppe macht das genauso weiter und schafft den Aufstieg. Besonders Yves Bilsing hat daran den Hauptanteil, da er sich seit Jahren zu 100 Prozent reinhängt, obwohl es nicht immer so positiv lief.

Torjäger Luran Engelhardt, der bereits zehn Saisontore erzielte, hat sich im letzten Spiel gegen Oschersleben schwer verletzt. Kannst Du der Corona bedingten Unterbrechung in dieser Hinsicht vielleicht auch etwas Positives abgewinnen?

Die Verletzung war natürlich erstmal ein Schock, das wünscht man keinem Spieler. Luran ist nicht nur wegen seiner Tore ein wichtiger Bestandteil für unser Team. Trotz seiner jungen Jahre geht er vorneweg, motiviert seine Mitspieler und gibt immer alles. Leider hatten wir bislang schon ein wenig Pech mit Verletzungen. Mit Patrik Peszt und Sebastian Seil verletzten sich zwei langjährige Stammkräfte und konnten bislang noch nicht mitwirken. Diese drei Spieler werden zum Restart wieder fit sein. Von dieser Seite betrachtet, kann uns die Pause auch helfen.

Sechs Spieltage der Hinrunde mussten aufgrund des Lockdown abgesagt werden, die komplette Saison dürfte daher nur schwierig über die Bühne gehen. Welche Alternativen zur Saisonfortsetzung bieten sich aus Deiner Sicht an?

Im Vergleich zur Verbandsliga, anderen Landesklassen und der Harzoberliga hat unsere Staffel den Vorteil, nicht ganz so viele Spieltage zu haben. Deswegen gehe ich davon aus, dass wir es mit der ein oder anderen englischen Woche oder Freitag/Sonntag-Doppelspieltagen zu Ende bringen können. Aber wer weiß das schon, wir nehmen es wie es kommt.

Bist Du mit dem bisherigen Saisonverlauf rundum zufrieden, oder gibt es auch Kritikpunkte?

Wer mich kennt weiß, dass ich nie zufrieden bin. Aber die Truppe macht das bislang hervorragend und steht zurecht im oberen Drittel. Selbstverständlich müssen wir uns defensiv steigern. Die vielen Gegentore liegen nicht unbedingt an unserer Abwehr. Wir hatten zu viele Konzentrationsfehler und haben zum Beispiel schon drei Elfmeter gegen uns bekommen. Da für mich die Defensive im Sturm beginnt, ist das eine Aufgabe für das gesamte Team, an der wir weiter arbeiten werden. In den letzten beiden Spielen hatte es ja geklappt und wir blieben ohne Gegentor.

Das Gros der Mannschaft stammt aus dem eigenen Nachwuchs, was macht das Vereinsleben bei der Germania besonders?

Mit Präsident Tobias Reulecke, Vizepräsident Jens Tropschug und Herrenspielleiter Robert Pankow haben wir drei Germanen, die zu 100 Prozent auf die Jugend setzen, ihr vertraut und keinen Druck aufbaut. Das haben sie auch so der Mannschaft gesagt, als wir vor 24 Monaten Tabellenletzter waren. Das haben sich die Spieler gemerkt und versuchen, es mit guten Leistungen zurückzugeben. Desweiteren fühlen sich die Spieler am Kohlgarten wohl, weil es top Trainingsbedingungen mit Kunstrasen und Flutlicht gibt und die Mannschaffen nicht nur im Herrenbereich sich gegenseitig helfen. Dazu versuchen wir den Spielern auch außerhalb vom Fußball zu helfen. Ich denke viele Ehrenamtliche in unserem Verein haben in den letzten Jahren super Arbeit geleistet und davon profitiert jetzt unsere erste und zweite Männermannschaft.

Auch die Unterstützung der Fans hat im Verlauf der jüngsten Vergangenheit deutlich zugenommen. Kitzelt das aus der Mannschaft noch ein paar Prozent heraus?

Ja ganz klar! Das ein oder andere Spiel war knapp und da hilft diese Unterstützung enorm. Die Mannschaft freut sich über jeden einzelnen der hinter Germania steht. Das Spiel in Winningen zum Beispiel, als wir gemeinsam mit einem Bus angereist sind, war ein tolles Erlebnis für alle Beteiligten. Großes Kompliment.

Welche Platzierung traust Du Deiner Mannschaft am Saisonende zu und welche Teams erwartest Du im Kampf um den Staffelsieg ganz vorn?

Es ist immer schwierig, mit einer jungen Mannschaft konstant Woche für Woche auf gutem Niveau zu spielen und in dieser starken und relativ ausgeglichenen Liga zu punkten. Bislang hat das sehr gut funktioniert. Mit Platz fünf haben wir ein ambitioniertes Ziel, aber wer weiß, vielleicht korrigieren wir das im Laufe der Saison noch etwas nach oben. Dafür ist es allerdings noch zu früh. Ich traue den Jungs grundsätzlich alles zu, aber dafür müssen auch alle weiter an sich arbeiten und sich weiterentwickeln wollen. Als Staffelfavoriten sehe ich Wulferstedt und Halberstadt.