Zerbst/Dettenheim l Das ist jetzt nicht mehr erreichbar. Doch nicht aus sportlichen Gründen. Die Corona-Pandemie hat für den Abbruch der Saison ohne Wertung gesorgt. Denn der Sportdirektor des nationalen Kegelverbandes (DKBC), Harald Seitz, teilte kürzlich mit, dass wegen des durch Bund und Länder ausgesprochenen Lockdowns bis mindestens 10. Januar nun der Plan C des vom Ländersportrat beschlossenen Drei-Punkte-Plans zur Weiterführung der Saison 2020/2021 in Kraft tritt. Der besagt, dass die Saison ohne Wertung abgebrochen und im September in selber Ligenstruktur neu ausgespielt wird, wenn ab dem 1. Januar ein bundesweiter Trainingsbetrieb nicht möglich ist.

„Der Ländersportrat hat den Plan so beschlossen und die Situation ist leider so eingetreten. Ich gehe bei den jetzigen Entwicklungen sogar davon aus, dass wir auch nach dem 10. Januar nicht wieder trainieren können. Und dann wären uns ja nur noch um die 20 Wochen inklusive der Feiertage geblieben, um die Punktspiele durchzubekommen. Das geht leider gar nicht. Ich finde das natürlich schade, aber die Pandemie verlangt eben auch von uns im Sport enorme Einschnitte ab“, meinte Seitz am Telefon zwar traurig aber dennoch sachlich und die Lage sehr real einschätzend.

SKV-Teamchef hat Verständnis

Auch SKV-Teamchef Timo Hoffmann sieht das abrupte Ende der Spielzeit als „einzig nachvollziehbare und sinnvolle Entscheidung“. „Der Drei-Stufen-Plan war gut, aber die Entwicklung hat uns einfach überrollt. Der Saisonabbruch ist der einzig richtige Schritt.“

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Der DKBC-Sportdirektor gab auf Nachfrage an, dass „die Saisonabsage natürlich auch für alle anderen Wettkämpfe auf Bundesebene gilt“.

„Die Landesverbände könnten ja derzeit auch gar keine Qualifikations-Wettbewerbe, sprich Landesmeisterschaften, in den unterschiedlichen Altersklassen und Disziplinen durchführen. Und Einzelmeisterschaften ohne Zuschauer sind auch für potenzielle Ausrichter nicht lukrativ. Wir haben alles abgesagt.“

Auch für nachträgliche, kurzfristige Alternativen für diese Pläne ist Seitz verständlicherweise nicht offen: „Wenn wirklich was passiert, bin ich als Sportdirektor mitverantwortlich. Auch eine Saisonverlängerung ist nicht möglich, da in vielen Teams dann mögliche Spielerwechsel problematisch werden. Und eine offenere Auslegung unserer Ordnungen werde ich bei der leider nicht immer fairen Streitkultur, die ich in den vergangenen Jahren in unserem Sport, teils auch juristisch, erleben musste, nicht in Erwägung ziehen.“

Zwei Hoffnungsschimmer

Zwei Hoffnungsschimmer gibt es für die Top-Kegler der Republik aber dennoch. Der Weltverband (NBC) gab zwar bekannt, dass alle internationalen Wettbewerbe der Saison 2020/21 gecancelt sind, bot den Mitgliedsnationen jedoch an, die abgesagte Team-Weltmeisterschaft Ende August/Anfang September 2021 unter leicht geänderten Bedingungen doch noch durchzuführen. Der sportliche Kopf der Zerbster Kegler vom SKV und Männer-Nationaltrainer Timo Hoffmann würde sich „freuen, wenn die Mannschafts-WM stattfinden könnte“. „Wir müssen versuchen, unseren Sport wieder in die Öffentlichkeit zu transportieren. Wir müssen den Keglern und der Öffentlichkeit zeigen, dass wir nach der Pandemie wieder da sind. Bis dahin ist ja auch noch viel Zeit.“

Sportdirektor Seitz ist da allerdings anderer Meinung: „Ich wäre auch international für eine Komplettabsage gewesen. Da hätten wir für einen Neustart im September Planungssicherheit gehabt. Und für die Sportler ist das Hin und Her mit den ständigen Absagen ja auch mental nicht gut. Die Vorbereitung auf solche Wettbewerbe kostet uns auch viel Zeit und Geld. Allerdings ist so eine WM für viele Verbände existenziell wichtig, weil sie vom Staat für internationale Events finanziell unterstützt werden.“

Hoffmann hingegen meint: „Als Sportler brennt man natürlich auf Wettkämpfe. Die Vorbereitungszeit wäre lang genug und als Nationalspieler könnten und würden wir alles rundherum, wie Urlaub und Arbeit, so organisieren, dass wir da topfit antreten könnten. Natürlich geht Sicherheit und Gesundheit für alle immer vor.“

Er hofft auch, dass, wie von der NBC vorgeschlagen, das Finalturnier der Champions League 2020 am 22./23. Mai 2021 in Bamberg durchgeführt werden kann. „Bis dahin haben wir fast noch ein halbes Jahr. Das Infektionsrisiko wird ja hoffentlich immer kleiner. Ich hoffe mit den jetzt startenden Impfungen geht es mit der Pandemie endlich in eine andere Richtung. Wir werden im SKV-Team darüber reden und uns einen Vorbereitungsplan erarbeiten. Mit einem Trainingsstart vielleicht im April. Vier, fünf Wochen Vorbereitung würden ausreichen. Dieses Event würde uns nochmals besonders motivieren.“

Seitz bleibt optimistisch

Auch Sportdirektor Seitz blickt trotz des frühzeitigen Saisonendes optimistisch in die Zukunft: „Wir werden uns in der „Corona-Taskforce“ Anfang Januar nach den nächsten Politikbeschlüssen wieder zusammentelefonieren und überlegen, ob wir im Frühjahr einen Spielbetrieb vielleicht in Turnierform organisieren können. Da geht es dann zwar nicht um Titel, aber das könnte als Hoffnungszeichen Optimismus verbreiten.“

Titelverteidigung das Ziel

Für den deutschen Serienmeister, den SKV Rot Weiß Zerbst, steht dann im kommenden Jahr wieder das Ziel Titelverteidigung ganz oben auf dem Plan. Hoffentlich kehrt bis dahin wieder weitgehende Normalität ein und die Zielstellung kann sportlich in Angriff genommen werden.