Rokycany (CZE) l Das Finale ging gegen die starken Serben zwar mit 2:6 (3887:3976) verloren, doch der Stolz über die Silbermedaille war bei Mannschaft und Zerbster Fans groß. Nach einer grandiosen Vorrunde mit drei deutlichen Siegen gegen Schweden, Bosnien und Herzegowina sowie Österreich konnten die Deutschen mit fünf Zerbster Keglern vom SKV auch im Viertel- und Halbfinale überzeugen. Die Stimmung in der Halle mit den lautstarken deutschen Fans unter Führung der ostthüringischen Supporter war an allen Tagen einfach super.

720 Kegel von Svoboda

Spät am Freitagabend jubelte Team Deutschland nach einem Auf und Ab über den gelungenen Halbfinaleinzug gegen die tschechischen Gastgeber (6:2, 3912:3865). Und das trotz des Zauberkegelns des Tschechen Svoboda mit der Turnierbestleistung von 720 Kegeln.

Überragende deutsche Akteure waren hier der Bamberger Christian Wilke (680), der gegen Svoboda den Kegel-Rückstand mit einer Weltklasse-Leistung in Grenzen hielt und Jürgen Pointinger (SKV, 690), der gemeinsam mit Dominik Kunze (Bamberg, 650) die deutschen Farben deutlich in Front brachte. Auf die Frage, ob er wegen des verpassten 700ers etwas wehmütig sei, meinte Pointinger nur trocken: „Da hab ich wenigstens noch eine Steigerungsmöglichkeit“.

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Nach kurzem Zittern ob des schmelzenden Vorsprungs steigerte sich vor allem Timo Hoffmann (SKV, 648) in der zweiten Spielhälfte und sorgte mit dem entscheidenden MP für Ekstase auf den Rängen und beim Team.

Steigerung an Spannung

Noch einmal eine Steigerung an Spannung erlebten Zuschauer und Spieler beim emotional bejubelten 6:2 (3851:3829)-Sieg über Ungarn im Halbfinale am Sonnabend. Mit einem überragenden Schluss-Spurt von Thomas Schneider und Timo Hoffmann (beide SKV) holten sich die Deutschen die entscheidenden Sätze und am Ende auch einen nicht mehr erwarteten Kegelvorsprung zum Sieg.

Deutschland startete extrem stark. Der schon die ganze Woche auf höchstem Niveau spielende Wilke sicherte mit dem tollen Partie-Bestwert von 674 Kegeln den ersten MP. Da auch Pointinger (665) mit dem letzten Wurf den 38-Kegel-Rückstand gegen Norbert Kiss noch aufholte und mit einem Kegel Vorsprung gewann, führten die Deutschen, die wie in einem Heimspiel frenetisch angefeuert wurden, mit 2:0.

Im Mittel-Durchgang schlugen die Ungarn dann jedoch mit aller Macht zurück. Manuel Weiß (SKV) wurde nach zwei durchschnittlichen Bahnen ausgewechselt. Doch auch Mathias Dirnberger vom Vize-Meister aus Staffelstein kam nicht zurecht und das Duo unterlag (zusammen 583). Gleichzeitig fehlte Kunze (635) zu Spielschluss etwas das Glück, um gegen Zapletan zu punkten. Ungarn hatte das Spiel gedreht (2:2, -33) und bereits 9,5 Sätze erspielt.

Doch was jetzt die erfahrenen Schneider und Hoffmann (663) auf die Bahnen zauberten, wird wohl ewig in den „Kegel-Geschichtsbüchern“ stehen. Nutzten sie im ersten Satz noch die Schwächen der Gegner mit viel Glück zum Satzgewinn, legten beide SKV-Recken mit tollen Neuner-Serien und sauberem Abräumspiel richtig los, versetzten die deutschen Fans in Ekstase und ließen den Ungarn keine Chance mehr zum Kontern. Nach drei Bahnen hatten sie die MP sicher und Deutschland war nach Sätzen uneinholbar auf 12,5 Punkte enteilt.

Die Halle skandierte bereits die „Finale“-Gesänge und feierte den bereits feststehenden Sieg. Mathias Weber (SKV, zusammen 631) erhielt noch einmal eine Einsatzchance und wurde für Schneider eingewechselt, der nun in die Siegesgesänge einstimmte.

Chancen nicht genutzt

Im Finale am Sonntag gegen Serbien nutzen die Deutschen die sich bietenden Chancen nicht konsequent.

 

Pointinger (617) konnte seine starke Turnierleistung nicht bestätigen und verlor unnötig gegen seinen künftigen Teamkameraden beim SKV, Igor Kovacic (632). Kunze und Wilke spielten stark (beide 666) doch nur der wohl konstanteste Deutsche über den gesamten Turnierverlauf, Wilke, konnte gegen Ernjesi punkten.

Die deutschen Schluss-Spieler bliesen zwar noch einmal zur Aufholjagd, der Rückstand betrug ja nur 14 Kegel, doch nur Schneider (673) holte mit zwei tollen Bahnen zum Abschluss seinen MP. Hoffmann (649) verpasste durch zwei wegen einem Kegel verlorene Bahnen den Sieg gegen Einzel-Weltmeister Vilmos Zavarko (655).

Den großen Abstand im Gesamt-Kegelergebnis erspielte Congor Baranj fast im Alleingang mit dem Partie-Bestwert von 693 Kegeln gegen Weiß, der bei enttäuschenden 616 Kegeln hängen blieb.

So jubelten am Ende nur die Serben über ihre Titelverteidigung und das deutsche Team musste fair gratulieren. Schneider konnte kurz nach dem Spiel seine Enttäuschung nicht verbergen: „Freude über Silber kommt momentan noch nicht auf. Es ist fast so, als ob wir jedes Mal im Turnier teilweise überragend spielen, uns den großen Wurf aber immer wieder durch vergebene Chancen verderben“.

Mit Blick auf die nächste Team-WM in zwei Jahren in Plauen hoffte er dennoch auf „Besserung“. Nach Bronze in Dettenheim und Silber in diesem Jahr ist dann vielleicht in Plauen 2021 endlich Gold fällig. Der Traum vom WM-Titel scheint also noch nicht ausgeträumt.