Serie „Otto ist Einheit“ über 35 Jahre Wiedervereinigung Hochschule Magdeburg-Stendal: So lief das einst mit der Gründung
Andreas Geiger ist einer der entscheidenden Aufbauhelfer der Hochschule Magdeburg-Stendal. Er übernimmt Verantwortung, viele Jahre sogar als Rektor.

Magdeburg - In einer Serie erzählen Menschen aus Magdeburg mit Ost- oder West-Hintergrund ihre Geschichte über Wiedervereinigung und Deutsche Einheit seit 35 Jahren. Hier Andreas Geiger, ehemaliger Rektor der Hochschule Magdeburg-Stendal.
Das Bundesverdienstkreuz, einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Magdeburg und die Silberne Jubiläumsmedaille aus Jordanien. All diese Ehrungen wurden Andreas Geiger im Laufe seines Lebens verliehen.
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Geboren 1947 in Bad Pyrmont, als Kind nach Braunschweig gezogen, wuchs er nicht weit weg von der deutschlandtrennenden Mauer auf. Abgesehen davon hatte der Niedersachse keine Beziehungen in die DDR. In vier Städten studierte Andreas Geiger Sozialwissenschaften, in Göttingen promovierte er. Ab 1984 erweiterte Andreas Geiger sein Expertenwissen um den Bereich der Gesundheitsforschung in Bonn und führte Studien in beiden Bereichen durch.
Mauerfall von Paris aus erlebt
Als die Mauer dann fiel, war der Akademiker gerade beruflich in Paris. Die Nachricht habe er verschlafen, berichtet er, und so wurde Andreas Geiger am nächsten Morgen von seinen französischen Kollegen in Paris mit dem Ende der geschlossenen DDR-Grenzen überrascht.
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Die Umbruchstimmung in Deutschland fand ihren eigenen Weg in Andreas Geigers Privatleben. Von der Wende nicht betroffen, suchte er 1991 trotzdem beruflich nach etwas Neuem. Über einen alten Kollegen erreichte ihn das Angebot, bei der neu zu gründenden Fachhochschule in Magdeburg als Dekan den Fachbereich Sozialwesen zu übernehmen.
Soziales und Gesundheit im Blick
Für den Professor war die Anfrage eine willkommene Überraschung, außerdem passte sie zum Wunsch, sich beruflich zu verändern. Eine Sache sprach besonders für Magdeburg: „Was mich reizte an der Sache war, tatsächlich etwas aufzubauen.“
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Also sagte Andreas Geiger zu und gründete an der Hochschule Magdeburg den Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen, damals erstmalig in Deutschland. Heute ist diese Kombination weiterverbreitet, schließlich hängen Soziales und Gesundheitliches an vielen Punkten zusammen.
Diskussion um Doppelstandort Magdeburg und Stendal
Andreas Geiger prägte jedoch nicht nur den Fachbereich Sozial- und Gesundheitswissenschaften in Magdeburg. 1998 wurde er als Nachfolger von Hans-Jürgen Kaschade zum Rektor der Hochschule gewählt und zog damit final nach Magdeburg.
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Zu Beginn seiner Rektorenzeit gab es viele Diskussionen um die Zusammenlegung der Hochschule in Magdeburg mit der damals eigenständigen Hochschule Stendal. Die Entscheidung, mit einem Doppelstandort beide Hochschulen zusammenzulegen, setzte Andreas Geiger um. Zusätzlich engagiert er sich als Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz und setzte sich dort verstärkt für das Promotionsrecht an Fachhochschulen ein. Unter ihm wurde die die Hochschule ein attraktiverer Ort zum Studieren.
Kooperation bis nach Jordanien
Gleichzeitig setzte Andreas Geiger sein akademisches Wissen international ein. Er betreute maßgeblich ein Projekt in Jordanien, in dem dort eine Hochschule nach deutschem Vorbild aufgebaut wurde. Das Land bat um Unterstützung, und so steckte Andreas Geiger als Projektleiter über 20 Jahre lang sein Know-How in die German-Jordan University in Madaba. Für diese Zusammenarbeit wurde er von deutscher und jordanischer Seite geehrt, mit dem Bundesverdienstkreuz und der Silbernen Jubiläumsmedaille des jordanischen Königs.
Kritik am Zuspruch zur AfD
Bei der Frage, ob Deutschland nach 35 Jahren ein vereintes Land ist, wird der Professor jedoch ernst: „Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich im Augenblick ziemlich große Bedenken habe.“ Damit spielt er auf den großen Zuspruch für die AfD an, den es auch in Magdeburg gibt. „Ich kann verstehen, dass vielleicht viele Bürger sich hier nicht so ernst genommen fühlen,“ meint er. Dass die Konsequenz daraus sei, so zu wählen, schmerze ihn sehr.
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Unabhängig von dem Wahlergebnis findet Prof. Geiger viele positive Aspekte in der Ottostadt, die er schätzt. „Die Stadt hat sich schon immens entwickelt!“, findet er, sei es der gute Sport, die Wirtschaft oder die wissenschaftlichen Angebote. Und Magdeburg ist internationaler geworden. Diese Entwicklung gilt es in Zukunft zu bewahren und weiter zu steigern.