Duisburg l Selbst bei dem starken Gegenwind hatte Carina Böhlert nichts von ihrem Stolz verloren. Mit leicht erhobenem Kopf bewegte sie gleichmäßig ihren Körper aus der gebeugten in die aufrechte Position, setzte die Ruder ins Wasser und schob sich einige Meter näher ans Ziel. "Ich habe ein neues Boot", berichtete die 19-Jährige in Duisburg, nachdem sie gerade ins B-Finale der deutschen Kleinboot-Meisterschaft gerudert war. "Darin läuft es einfach flüssiger."

Das Boot ist gelb, es ist zirka acht Meter lang, und es ist 14 Kilo schwer. Es ist ein Standardboot, aber für Böhlert ist es seit Februar ein besonders schöner Standard. Im Trainingslager in Sabaudia (Italien) hat sie den neuen Einer bekommen, mit ihm ist sie am Sonntag auf Platz zehn in Duisburg gefahren - als fünftbestes U-23-Boot. "Das hat mir gezeigt, dass ich mithalten kann", sagte sie - und dies trotz der Rückenprobleme, die ihr vor und auch in Duisburg zu schaffen machten.

Vor einem Jahr war sie noch Ersatzfrau im U 23-Nationalteam bei der Weltmeisterschaft in Trakai (Litauen), jetzt ist sie ihrem festen Platz bei den Titelkämpfen im Juli in Linz (Österreich) ganz nah. In fünf Wochen in Brandenburg wird es für die nächste Zukunft des Deutschen Ruderverbandes (DRV) noch eine zweite Überprüfung geben. Und ihr Trainer Roland Oesemann hofft dann, dass "Carina noch einmal ein ähnliches Ergebnis wie in Duisburg erzielen kann".

Der Coach verrät das Geheimnis, weshalb es trotz ihrer Verletzungssorgen so gut klappt für Carina Böhlert: "Ich denke, dass das Gesamtpaket einfach stimmt", sagt Oesemann, "das neue Boot, ihre Einstellung zum Leistungssport, ihre Motivation, die Trainingsgruppe" - mit Marcel Hacker, der bereits den achten Einer-Titel seiner Karriere in Duisburg gewann, als Anführer. "Er ist in vielen Dingen ein Vorbild", weiß Oesemann.

Im Sog der deutschen Spitze ist aber nicht nur Böhlert ihrem Ziel nähergekommen, sondern auch Maximilian Planer. Da gab es zum Beispiel im Zweier ohne mit Malte Jakschik (RV Rauxel) den zweiten Platz in einem beeindruckenden Viertelfinale hinter dem späteren Meisterboot mit Felix Drahotta/Anton Braun (Leverkusen/Berlin). Dann gab es den vierten Platz im Halbfinale, mit dem Planer und Jakschik den A-Endlauf knapp verpassten. Dann gab es den achten Rang in der Endabrechnung - als bestes U 23-Boot. "Das Viertelfinale war schon gut, aber heute haben wir noch mal richtig einen abgefackelt", erklärte der 22-Jährige am Sonntag nach dem zweiten Platz im B-Finale.

Das Ergebnis hat nur Gutes für Planer/Jakschik. Zum Beispiel können sie selbst entscheiden, welches Riemen-Boot sie bei der U-23-WM in Linz steuern wollen. Es könnte aber auch sein, dass Bundestrainer Marcus Schwarzrock beide in den Kreis des A-Nationalteams aufnehmen möchte. "Langfristig haben wir in Duisburg einen großen Schritt gemacht", sagte der Bernburger, der in Dortmund trainiert und studiert. Auch kurzfristig: "Wir durften zeigen, dass wir mitfahren können."

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