Magdeburg l Bundestrainer Marcus Schwarzrock hätte es ihm gleichgetan, er wäre vom Start weg auf eine Frequenz von 39 Schlägen gegangen, hätte sein Heil in der Offensive gesucht, hätte sich das Feld von der Spitze angeschaut - und hätte gehofft, bis zum letzten der 2000 Meter immer noch Erster zu sein.

So hatte es Karl Schulze (25) aus Dresden am vergangenen Sonntag bei den Deutschen Kleinbootmeisterschaft in Duisburg versucht. Im Einerfinale starb seine Hoffnung allerdings im dritten Viertel der Distanz, da war\'s um Schulzes Führung geschehen, weil der 36-jährige "Dampfer" Marcel Hacker, bald 36 Jahre, die Geschwindigkeit um einige Knoten erhöht hatte.

Der nunmehr achte Meistertitel des Schützlings vom SC Magdeburg hat "mich keineswegs überrascht", sagt Schwarzrock, der im letzten Dezember den Cheftrainer-Posten beim Deutschen Ruderverband (DRV) von Hartmut Buschbacher übernommen hat. "Wenn er gut drauf ist, dominiert er auch seine Rennen", weiß der 46-Jährige. "Technisch ist Marcel Hacker sowieso ein sehr guter Ruderer. Und er hat den Jungen in beeindruckender Weise gezeigt, dass er immer noch da ist." Genau das war Hackers Ziel, auch wenn\'s wehtat: "Es war wirklich knallhart, das war kein Schlafwagentempo, da musste man Nerven haben", resümierte der Sieger. Hacker hatte sie - und er zeigte noch mehr: "Es war für mich wichtig, eine kleine Vormachtstellung zu zeigen."

Um zur Weltmeisterschaft nach Chungju (Südkorea/25. August bis 1. September) im Einer zu reisen, muss sich allerdings auch der Olympia-Dritte von 2000 weiter beweisen. Bei der Internationalen Regatta zum Beispiel in Essen in 14 Tagen. Hacker wird den Einer fahren, aber Schwarzrock will ihn dort auch im Doppelvierer sehen. Den ersten Härtetest bestreitet der Skuller bei der Europameisterschaft im spanischen Sevilla (31. Mai bis 2. Juni) - im Einer.

Vielleicht erhält auch Maximilian Planer vom SCM dort eine Chance. Nach Platz acht in Duisburg im Zweier ohne wurde der U-23-Ruderer und sein Partner Malte Jakschik in den erweiterten Kader der A-Nationalmannschaft aufgenommen. "Wir bereiten uns mit 18 Athleten auf die nächsten Aufgaben vor", sagte Schwarzrock und lobte den 22-jährigen Bernburger: "Max Planer hat eine wirklich gute Entwicklung genommen."

Dagegen ist die sportliche Zukunft von Marco Neumann derzeit offen. Nach dem 16. Platz von Duisburg im Zweier ohne mit Andreas Penkner "gibt es das Boot nicht mehr", bestätigte SCM-Trainer Roland Oesemann.