Bislang hatte Volker Rehboldt alle Angriffe immer erfolgreich abgewehrt. "Ich bin ein Kämpfer, keiner, der so schnell das Handtuch wirft", lautete stets seine Maxime. Nun aber geht die Ära des seit längerem in der Kritik stehenden Präsidenten des Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg schneller zu Ende als geplant.

Magdeburg. Rücktrittsforderungen gegenüber Rehboldt gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Der Hauptvorwurf lautete: Dem Präsidenten ist es über all die Jahre seit seiner offiziellens Amtsübernahme Anfang Juni 2005 nicht gelungen, in den entscheidenden Positionen die richtigen Personen eingesetzt und damit den sportlichen Misserfolg mitverschuldet zu haben.

Das betraf in erster Linie die Trainer. Ob Dirk-Heyne-Nachfolger Paul Linz, ob Steffen Baum-gart, ob Interimslösung Carsten Müller oder jetzt Ruud Kaiser – auf der Kommando- brücke saßen/sitzen höchst unterschiedliche Charaktere. Das Ergebnis blieb jedoch das Gleiche, nämlich das Erreichen der 3. Liga ein frommer Wunsch, wenngleich es mitunter verdammt knapp und Riesenpech dabei war. Doch das änderte nichts am Resultat.

Und auch was die sportliche Leitung anbetraf, hatte Rehboldt kein glückliches Händchen. Bernd Hofmann gab selber auf, Michael Richter erwies sich als Fehlbesetzung, und Rüdiger Bartsch steht ebenfalls kurz vor der Ablösung.

Je länger diese Misserfolgsserie anhielt, desto klarer wurde Rehboldt, dass ein gemeinsamer Schulterschluss zwischen Fans, Mitgliedern, Zuschauern, Sponsoren, Trainer und Mannschaft nicht mehr möglich war. Dass kein Neuanfang gelingen kann, wenn selbst bei leichtem Gegenwind verschiedene Gruppen sofort wieder Kritik an seiner Person üben. Dass sich der 42-Jährige zunehmend verbraucht fühlte und nicht mehr in der Lage sah, Impulse zu geben.

Es gibt aber auch eine Kehrseite. Und diese fällt ausgesprochen positiv aus. Rehboldt hat es geschafft, den Club nach der schwärzesten Stunde, der Insolvenz im Jahr 2002, finanziell wieder auf gesunde Füße zu stellen und verloren gegangenes Vertrauen gegen-über Sponsoren zurückzugewinnen. Sein Ziel war immer die komplette Entschuldung des FCM. Diesem Ziel ist er ganz, ganz nahe gekommen, wenngleich er sein Werk nun nicht vollenden kann.

Allerdings, und da kommt wieder der Kämpfer Rehboldt durch, ist es unwahrscheinlich, dass er das Feld einem windigen Glücksritter als Nachfolger überlässt. Einem leichtsinnigen Hasardeur, der das Geld mit vollen Händen ausgibt und den Verein wieder dahin führt, wo er schon einmal war. Rehboldt dürfte mit Hilfe des zwar von den Mitgliedern gewählten, vom Präsidium aber durchaus mit Wohlwollen betrachteten Aufsichtsrates um den Vorsitzenden Rüdiger Koch Maßnahmen getroffen haben, dass ein erneutes Horror-Szenario nicht eintreten kann.

Dabei stehen Interessenten für seine Nachfolge vermutlich nicht Schlange. Dennoch, so Beobachter, ist und bleibt der FCM eine gute Adresse – mit der reizvollen Aufgabe, den Club mit seinem fantastischen Umfeld in Liga drei zu führen und ihn damit von einem regelrechten Fluch zu befreien.