Berlin (dpa). Die internationale Presse verneigt sich vor Sebastian Vettel und schwärmt vom Botschafter einer neuen Generation. "Der neue deutsche Weltmeister verkörpert bestimmte anarchistische Werte der heutigen Jugend", meinte das französische Blatt "Le Figaro": "Vettel, das ist ein besonderer Ausdruck von Freiheit."

Italiens "La Repubblica" taufte den jüngsten Titelträger der Formel 1-Geschichte mit 23 Jahren und 134 Tagen kurzerhand: "campione bambino."

Hochachtung, Bewunderung, Würdigung – ob in England, dem Land des entthronten Weltmeisters Jenson Button, in Italien, dem Land der peinlich gescheiterten Ferrari-Mannschaft, oder in Spanien, dem Land des deprimierten Scuderia-Stars Fernando Alonso. "Ferrari hat sich in der Strategie geirrt und Fernando Alonso damit eine grausame Niederlage beschert. Red Bull fuhr dagegen ein perfektes Rennen und gewann auf erhabene Weise die Weltmeisterschaft", meinte "El País".

Vor allem die Tatsache, dass Vettel von seinem Team im Duell mit dem vor dem Finale in Abu Dhabi besser positionierten Rennstallrivalen Mark Webber freie Fahrt bekam, wurde immer wieder betont. Nicht ohne Häme mit Blick auf die Teamorder-Spezialisten von Ferrari. "Vettel schnappt sich den Ruhm und Alonso staunt – es war ein Triumph des Fair Play, der verhinderte, dass Alonso als befleckter Champion gekrönt wird, nachdem Felipe Massa ihm den Sieg in Deutschland schenken musste", schrieb das britische Boulevardblatt "The Sun". Und der "Daily Mail" befand: "Gerechtigkeit ist geübt."

Vettel glaubte an sich, obwohl er nie zuvor die WM-Wertung anführte. Sein souveräner Sieg in Abu Dhabi mit dem finalen Titeltriumph nötigte auch in den Niederlanden Respekt ab. "In einer makellosen Schlussrunde hat der 23-jährige Deutsche bekommen, was er verdiente", schrieb "de Volkskrant".

Deutschlands erster Formel-1-Weltmeister heißt Michael Schumacher. Der Rekordchampion, der siebenmal den Titel gewann, wirkte in seiner Karriere vor dem Comeback oft arg verbissen und unterkühlt. Vettel ist nicht minder ehrgeizig, aber ihm fliegen die Sympathien von Beginn an zu. Nicht nur in der Heimat. "Es ist kein Wunder, dass sein natürlicher, leichtfüßiger Auftritt weit über das deutsche Lager hinaus ankommt", schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Schumacher war bei seinem ersten WM-Titel 1994 25 Jahre und 315 Tage alt und damit mehr als zwei Jahre älter als der neue Regent. Kein Wunder, dass viele davon ausgehen, dass Vettel eine neue Ära eingeläutet hat. "Es ist heute niemand in Sicht, der das goldgelockte Wunder stoppen könnte", schrieb "Le Parisien".

"Da ist Schumis Erbe: Superschnell und voller Einsatz", pries die italienische "La Gazzetta dello Sport". Und während für Frankreichs Sportzeitung "L‘Équipe" Vettels Titel "eine Heldentat" war, stellte "De Morgen" in Belgien fest: "Vettel nun Nachfolger seines Helden und nicht mehr Baby-Schumi."