Recht ruhig war es in den vergangenen Wochen um Christian Kubusch. Am Wochenende holte der 22-Jährige, dessen Lieblingsstrecken die langen Freistil-Distanzen sind, bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften eine Gold- und eine Silbermedaille. Mit Volksstimme-Redakteur Klaus Renner relativiert der SCM-Athlet diese Erfolge und gibt Einblick in seine sportliche Zukunft.

Volksstimme: Gold über 800 m und Silber über 1500 m – entspricht das Ihren Vorstellungen?

Christian Kubusch: Ich bin positiv erschrocken. Das hört sich gut an, doch ich bin noch ein ganzes Stück weg von meiner Leistungsfähigkeit. Dass ich zweimal ganz vorn dabei war, verdeutlicht die Probleme des deutschen Schwimmsports.

Volksstimme: Die da wären?

Kubusch: Man sieht, dass nur der Würzburger Jan Wolfgarten und ich in dieser Disziplin da sind. Eigentlich müsste das Leistungsniveau viel breiter sein.

Volksstimme: Wie beurteilen Sie die von Ihnen geschwommenen Zeiten?

Kubusch: Sie waren für meinen ersten Wettkampf in dieser Saison gar nicht so schlecht, denn ich habe sie aus dem vollen Training heraus, also ohne spezielle Vorbereitung, erreicht. Mit meinem Trainer Bernd Henneberg hatte ich mich verständigt, dass die Kurzbahn-Meisterschaft für mich nur ein Test sein soll.

Volksstimme: Was hat dieser Test Ihnen also gebracht?

Kubusch: Die Kurzbahn-Meisterschaft war nur eine Durchgangsstation. In den vergangenen Jahren hatte ich mich noch gefreut, wenn ich bei den Kurzbahn-Meisterschaften etwas gerissen habe. Aber schon 2009 habe ich gemerkt, dass sie nicht viel wert ist. Man sieht, dass viele die Kurzbahn-Ergebnisse nicht umsetzen können. Klar, bringt die Kurzbahn viel Geld, aber die Ergebnisse sind für die 50-m-Bahn relativ zweitrangig. Ich konzentriere mich voll auf die Langbahn.

Volksstimme: Heißt das, Kurzbahn-EM im November und -WM Mitte Dezember sind für Sie kein Thema?

Kubusch: So ist es.

Volksstimme: Wann und wo können Schwimmfans Sie das nächste Mal in Aktion sehen?

Kubusch: Vom 17. bis 19. Dezember beim Pokal der Landeshauptstadt in der heimischen Elbehalle.

Volksstimme: Wie geht es für Sie dann international weiter?

Kubusch: Ich habe eine Einladung vom russischen Langstrecken-Schwimmer Wladimir Salnikow zu einem internationalen Schwimmfest am 28. und 29. Dezember in St. Petersburg. Da geht es zwar wieder nur über die Kurzbahn, über 1500 m habe ich da 59 Wenden zu absolvieren, aber ich werde wohl dorthin fahren. Ein russischer Freund führt derzeit von Magdeburg aus die Verhandlungen. Auch wenn es dort nicht viel Geld geben sollte, will ich diesen Wettkampf zum Training nutzen und mir gleich noch St. Petersburg ansehen. Ins neue Jahr starte ich mit einem am 4. Januar beginnenden Trainingslager in Potsdam.

Volksstimme: Eine letzte Frage: Wie schwimmt es sich in der Ära nach den mittlerweile verbotenen High-Tech-Anzügen?

Kubusch: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Man hat bei der EM 2009 gesehen, dass ich auch ohne Anzug neuen deutschen Rekord geschwommen bin. Das ist eine klare Aussage dafür, dass diese Anzüge auf den langen Strecken und auf der 50-m-Bahn keine so gravierenden Vorteile geboten haben. Anders als auf der Kurzbahn, wo vor allem bei Starts und Wenden einiges an Zeit herausgeholt werden konnte.