Halberstadt l Torhüter Maurice Paul ist Halberstadts aktueller Neuzugang, die Nummer 21 im Kader und die Nummer zwei im Tor hinter Pascal Nagel. Der ehrgeizige Hesse will aber "Gas geben", denn er "gibt sich nur mit dem Besten zufrieden", in diesem Fall der Nummer eins im Germania-Tor.

Geboren in Dieburg wurde Steinheim, ein Stadtteil von Hanau, seine Heimat. Dass Paul zum Fußball kam, war nicht selbstverständlich, denn Handball war in der Familie schwer angesagt. Sein Großvater und dessen Söhne waren mit dem kleineren Leder aktiv. Onkel Michael Paul gehörte 1984 zum Olympiateam der Bundesrepublik. Mit Co-Trainer Heiner Brand und Handballgrößen wie dem erst kürzlich verstorbenen Erhard Wunderlich oder Martin Schwalb gab es dort Silber. "Weil mich mein Vater aber ziemlich oft zum Fußball mitnahm, bin ich wohl dort gelandet", sucht der 1,88 Meter große Kicker nach Gründen.

Der Weg ins Tor war wiederum eher durch Zufall geebnet, denn Maurice Paul startete als Stürmer. Die entscheidende Wende brachte die Verletzung des damaligen Keepers. "Ich hab mir Fahrradhandschuhe von zu Hause geholt und bin ins Tor gegangen", erinnert er sich, "das hat Spaß gemacht, also bin ich drin geblieben". Seitdem sind rund zwölf Jahre vergangen und Paul entwickelte sich zu einem Könner seines Fachs. Er gehörte zur Bezirks- und Hessenauswahl, genoss die DFB Talentförderung und gehörte auch zum erweiterten Kader der Junioren-Nationalmannschaft. In der U15 und U16 hatte er jedoch die heute schon als Nummer eins ihrer Bundesligaklubs etablierten Marc-André ter Stegen und Bernd Leno vor sich.

Nach fünf Jahren im Nachwuchs bei Eintracht Frankfurt traten Vereine wie die TSG Hoffenheim, der 1. FC Nürnberg, Kickers Offenbach und Darmstadt 98 an ihn heran. Den größten Eindruck hinterließ aber ein Premier League Club, bei dem er eine Woche lang zur Probe trainierte: West Ham United. Trotz sicherlich finanzieller Verlockung, der Weltstadt London als mögliche neue Heimat - Paul entschied sich für die Kickers mit seinem damaligen Sportmanager Andreas Möller. "Klar war es schwer, nein zu sagen. Ich wollte aber mein Abitur vollenden und das möglichst heimatnah, um später mal nicht ohne Abschluss dazustehen", begründet er den Vernunftentschluss, "jeder weiß doch, wie schnell das alles zu Ende sein kann, wenn man sich verletzt".

Weil er an der Offenbacher Fan-Ikone Robert Wulnikowski nicht vorbei kam, sein Vertrag seit Sommer beendet ist, entschloss sich Paul für einen Wechsel. Den sportbegeisterten Hessen überzeugten letztlich die "professionellen Bedingungen in Halberstadt. Solche haben einige Drittligisten nicht". In die Domstadt, in der er seit zehn Tagen eine Wohung hat, ist Paul nicht "zum Spaß gekommen. Ich bin zu ehrgeizig, um mich mit einem Platz auf der Bank zu begnügen."