Magdeburg/Pruszkow l Kurz nach 21 Uhr startete Pauline Grabosch mit Teamchef Michael Hübner in Pruszkow, unweit von Warschau, Richtung Deutschland. Nach einem Zwischenstopp in Dresden und Autowechsel lag die 19-Jährige um 4.30 Uhr in ihrer Wahl-Heimat Erfurt endlich im Bett. Um 8.30 Uhr drückte die Sportschülerin dann am Montagvormittag schon wieder die Schulbank im Pierre-de-Coubertin-Gymnasium: Deutsch-Unterricht. „Ich wollte Engagement zeigen – schließlich geht es um mein Abitur“, so Grabosch.

Nach zweimal Silber vor zwei Wochen bei den Heim-Europameisterschaften in Berlin (Teamsprint, 500 Meter) glänzte Grabosch zum Auftakt der Weltcup-Saison in Polen erneut mit starken Leistungen. Im Sprint fuhr die gebürtige Magdeburgerin auf Platz fünf, an der Seite von Kristina Vogel gelang Grabosch sogar der zweite Weltcup-Sieg ihrer jungen Karriere. Nach dem Erfolg über 500 Meter vor fast genau einem Jahr in Apeldoorn stand sie an der Seite der Doppel-Olympiasiegerin, neunfachen Welt- und vierfachen Europameisterin ganz oben auf dem Podest im Teamsprint.

Brieffreundschaft feuert an

Unterstützt wurde Grabosch in Pruszkow, die sich binnen kurzer Zeit eine recht große Fangemeinde zugelegt hat, auch von polnischen Fans. Dazu wurde sogar eine alte Brief-Freundschaft von Mutter Petra neu belebt. „Ich war 1979 mit einer Sport-Delegation des Kreises Wanzleben als Leichtathletin in Polen. Damals ist ein Kontakt zu Agnieszka entstanden – den haben wir wieder aufgefrischt. Und meine polnische Brief-Freundin hat meine Tochter vor Ort angefeuert“, berichtete Petra Meyer aufgeregt.

Vor allem mit dem Teamsprint-Sieg betrieb Grabosch allerbeste Eigenwerbung. „Der Erfolg und ihre Zeiten sprechen für sich. Das ist eine klare Kampfansage“, interpretierte Michael Hübner, Sportlicher Leiter beim Chemnitzer Team Erdgas.2012, die Ergebnisse. Bei der EM erhielt noch Miriam Welte (Kaiserslautern) in den Teamsprint-Finalläufen den Vorzug, doch Grabosch hat ganz offensichtlich den Abstand weiter verringert. Vor allem ihre Fahrweise kommt Vogel offenbar mehr entgegen als die von Welte: „Pauline hat einen idealen Geschwindigkeitsverlauf. Sie fährt nicht ganz so aggressiv an, übergibt dafür in die zweite Runde mit einem höheren Tempo“, lobte Bundestrainer Detlef Uibel sein Talent.

Wenig Fehlzeiten in Schule

Obwohl die Weltcup-Saison ab Freitag bereits im britischen Manchester weitergeht und dort auch mit den 500 Metern die Spezialdisziplin von Grabosch im Programm steht - hier ist sie U-23-Europameisterin und Weltranglistenerste -, ist die Saison erst einmal beendet. „Wir wollen Paulines Fehlzeiten in der Schule bewusst möglichst gering halten“, erklärte Uibel. Denn ab sofort gilt die Konzentration der Schule – im Frühjahr will die Bahnradsportlerin ihr Abitur ablegen. Eine 1,3 als Abschlussnote ist das erklärte Ziel. „Ich gebe Vollgas auf der Bahn und in der Schule. Beiden Sachen gilt derzeit meine gleiche Konzentration“, so Grabosch. Denn die Weltmeisterschaften in Apeldoorn (28. Februar bis 4. März) hat die Sprinterin natürlich trotz Saisonende auf der Rechnung – und dort soll es von der Schulbank aufs Podium gehen.

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