Magdeburg l Kevin Korona ist das, was man in der Sportumgangssprache respektvoll ein „Tier“ nennt. Drei Jahre hat er – wenngleich unbewusst – an diesem Status gearbeitet. Als er 2013 in Magdeburg seinen Einstieg in den Bobsport erklärte, wog er leichte 78 Kilogramm bei einer Größe von 1,85 Metern. Und man musste ehrlich befürchten, der junge Mann könnte eines Tages im Sog seiner Mitarbeiter auf der Startrampe jedes Eiskanals zusammenbrechen. Aber weitgefehlt: Korona, der Lehramtsstudent aus Nürnberg, ist inzwischen ein Kraftpaket. 22 Kilo Muskelmasse hat sich der Anschieber vom Mitteldeutschen Sportclub (MSC) antrainiert. Der 28-Jährige erklärt: „Meine Athletik ist besser geworden, was Sprung und Sprint angeht.“

Mit dieser Athletik hat er es punktgenau zum letzten Anschubtest im Dezember 2016 ins Weltcup-Team des Piloten Nico Walther (Oberbärenburg) geschafft. Und dies nach einem halben Jahr verletzungsbedingter Pause. „Das war sehr erfreulich“, sagt MSC-Trainer Norman Dannhauer. Immerhin feierte auch der Verein mit dem Vize-Europameistertitel in Winterberg und der Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in Königssee die größten Erfolge der vergangenen Saison durch Korona. „Besser hätte es nicht laufen können“, erklärt Korona selbst, der im Sommer aufgrund einer Oberschenkelverletzung schon an eine Fortsetzung seiner Karriere gezweifelt hat: „Aber meine Freundin Anika hat mir in der Zeit, als es problematisch wurde, viel Kraft gegeben.“

Respekt vor der Olympiabahn

Seine Athletik wird er benötigen, um den olympischen Eiskanal von 2018 schmerzfrei zu überstehen. Wenn Korona über die 1376 Meter lange Bahn mit 116 Metern Höhenunterschied im Alpensia Sliding Center von Pyeongchang (Südkorea) redet, spricht er in einer Mischung aus Begeisterung und Respekt: „Es ist dort schwer, schnell zu fahren. Du kommst bereits ab Kurve drei auf ein hohes Tempo.“ Bei der Ausfahrt aus Kurve elf schwebt der Schlitten ohne Eisberührung über der Bahn. Wer danach die Linie halten kann, der ist mit seinem Bob gut geflogen. Korona: „Das fühlt sich atemberaubend an.“

Bilder

Und atemberaubend sieht es auch aus, sagt Marko Hübenbecker. Der MSC-Anschieber musste die Rennen beim letzten Weltcup in Pyeongchang im März am Fernseher verfolgen, weil er die Qualifikation für die zweite Saisonhälfte und die WM nicht geschafft hatte. „Das ist spektakulär, wenn der Bob drei Meter durch die Luft fliegt“, erklärt der 30-Jährige. „Wer diese Bahn nicht trifft, verliert viel Zeit. Sie ist sehr anspruchsvoll“, analysiert er ob der Kurven und Schikanen.

Hübenbecker trainiert "Druck"

Aber diese Bahn will er treffen, und zwar persönlich. „Ich bin Weltmeister und Europameister geworden, eine olympische Medaille ist die einzige, die mir fehlt“, betont der Gatte von Aileen und Vater von Marvin. „Ich bin seit vier Wochen im Kraft- und Ausdauertraining. Es macht wieder Spaß.“

Dannhauer hat Hübenbeckers Training etwas umgestellt, er will für ihn mehr Drucksituationen schaffen. Denn am Druck, anders kann sich der 37-jährige Coach es nicht erklären, war Hübenbecker beim Anschubtest im Dezember gescheitert. Dannhauer hofft, „dass wir zwei Anschieber nach Pyeongchang schicken können, ich erwarte aber zumindest einen“.

Die Welt der Anschieber ist nämlich nicht rosarot. „Die Leistungsdichte ist sehr hoch“, betont Korona, der nach Ostern in die Vorbereitung einsteigt. „Die Jungen streben hoch, die Alten wehren sich“, weiß Hübenbecker. Sicher ist: Der Kampf um die neun Plätze in den drei deutschen Olympia-Schlitten wird einer der härtesten. Und er beginnt für circa 40 Anschieber bei null.