Boxen

Kabayel als „Hasenfuß“ beschimpft

Am Sonnabend lässt der SES-Boxstall nach langer Pause wieder die Fäuste fliegen. Auf der Magdeburger Seebühne klettert Agit Kabayel im Hauptkampf gegen Kevin Johnson in den Ring.

Von René Miller
Agit Kabayel  will den Continental-Titel der WBA gegen Kevin Johnson mit Fäusten und nicht mit Worten verteidigen.
Agit Kabayel will den Continental-Titel der WBA gegen Kevin Johnson mit Fäusten und nicht mit Worten verteidigen. Foto: Peter Gercke

Magdeburg - Während Agit Kabayel sich bei der ersten Pressekonferenz vor dem Duell gegen Kevin Johnson eher entspannt auf das Podium setzte, konnte es sein Trainer Sükrü Aksu kaum erwarten, endlich das Mikrofon in die Hand zu bekommen. „Die Vorbereitung war dieses Mal relativ einfach. Christian hat ja schon viel gesprochen und uns richtig motiviert. Bei uns ist alles gut. Samstag gibt’s eins auf die Fresse“, sagte Aksu in Richtung Christian Hiller, dem Trainer von Johnson.

Das dürfte also am Sonnabend auf der Magdeburger Seebühne (Hauptkampf ab 22.35 Uhr im MDR) ein heißer Abend werden.

Kabayel-Trainer Aksu sauer

Bisher war Aksu vor Kämpfen immer besonnen geblieben und kein Freund von unter die Gürtellinie gehenden verbalen Duellen. Aksu: „Ich finde es einfach respektlos, was er macht. Deshalb reagiere ich da so sauer.“

Hiller hatte Kabayel in Interviews sogar als „Hasenfuß“ bezeichnet und hält ihn als Boxer für überschätzt. „Die bisherigen Gegner von Agit Kabayel sind mit denen von Kevin gar nicht vergleichbar. Das ist eine ganz andere Liga. Kevin stand schon gegen die ganz Großen des Schwergewichts im Ring“, begründet Hiller.

Johnson kämpfte schon mit Fury und Joshua

Sein Schützling ist inzwischen 41 Jahre alt und hat in bisher 52 Profikämpfen bereits gegen Anthony Joshua, Tyson Fury, Vitali Klitschko, Andy Ruiz und Kubrat Pulev gekämpft. Als Sieger verließ er den Ring danach zwar nie, aber nur Joshua konnte ihn vorzeitig besiegen.

Kabayel ist heiß

Kabayel blieb dagegen bisher in seinen 20 Kämpfen ungeschlagen. Die Corona-Pandemie hat den 28-Jährigen aber zurückgeworfen. Unter anderem ist deshalb ein für Anfang Dezember geplantes Duell mit Tyson Fury geplatzt.

Kabayel: „Jetzt will ich endlich durchstarten und mich für große Kämpfe in Stellung bringen.“ Seinem Coach ist deshalb auch ein Punktsieg am Sonnabend eigentlich zu wenig. Aksu: „Wenn die Leute über Agit reden sollen, dann muss er solche Kämpfe vorzeitig gewinnen. Ich erwarte einen K.o.-Sieg.“

Johnson kündigt Unwetter an

Eine Forderung, die Hiller mit einem Lächeln vernahm. Und Johnsons Blick blieb hinter einer dunklen Sonnenbrille verborgen. Der in Gelsenkirchen trainierende US-Amerikaner versprach aber beim Kampf hypnotisierende Augen. Ob die Sonne scheint oder es regnet, ist Johnson egal. „Es werden viele Unwetter im Ring auf Kabayel niedergehen. Hurrikans, Tornados, Tsunamis – die Punktrichter müssen nicht zählen. Es gibt für mich nur den K.o.-Sieg.“

Kabayel setzt auf seine Fäuste

Fehlte eigentlich nur noch eine verbale Faust von Kabayel. Aber die kam nicht. „Wer stark ist, der kann auch leise sprechen. Und ich gehe mit Respekt ran, weil ich weiß, dass Kevin als Boxer schon viel erlebt hat und weiß, wie das alles abläuft. Seine Sprüche sind nun einmal der Ami-Style. Im Ring zählen aber keine Worte und kein Mikrofon. Da sprechen nur die Fäuste. Und ich habe eine lange Vorbereitung und hartes Sparring hinter mir“, sagt Kabayel und schaut dabei in Richtung seines Trainers: „Weil er auf die ganzen Sprüche so sauer war, musste ich ja im Training darunter richtig leiden. Ich bin deshalb froh, dass es jetzt endlich los- geht. Schön vor allem, dass wir auch wieder vor Zuschauern boxen dürfen.“

1000 Zuschauer erlaubt

Unter Voraussetzung eines Corona-Schnelltests am Eingang oder tagesaktuell in einem der Test-Zentren von Be.Safe dürfen 1000 Zuschauer dabei sein. SES-Promoter Ulf Steinforth: „Wir wollten eigentlich schon im April oder Mitte Mai boxen. In der Hoffnung auf Zuschauer haben wir das aber immer wieder verschoben. Jetzt sind wir glücklich, dass sich das gelohnt hat und Zuschauer erlaubt sind.“ Bis auf wenige Restkarten ist die Seebühne auch schon ausverkauft.