Magdeburg/London l Da erfüllt sich das Diskus-Paar vom SC Magdeburg nun den ersehnten Traum, gemeinsam an den Weltmeisterschaften teilzunehmen, und dann so etwas: Zwangstrennung! Martin Wierig allein in London. Vorerst zumindest. Der Diskuswerfer hat am Mittwoch ohne seine Lebens- und Trainingsgefährtin Anna Rüh den Flieger der British Airways bestiegen, der den ersten Teil des 76-köpfigen WM-Teams des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in die britische Hauptstadt transportierte.

„Klar ist das schade, dass wir nicht zusammen nach London starten konnten. Aber der Zeitplan ist, wie er ist. Da kann man nichts machen“, nimmt die 23-jährige Rüh ihr Schicksal pragmatisch. „Ich denke mal, der ,Wieri‘ packt das auch ohne mich. Er ist gut drauf, so weit ich weiß. Ich drücke eben von daheim aus die Daumen. Das muss reichen. Und nach dem Wettkampf wird gleich telefoniert.“

Die Trennung des Magdeburger Diskus-Paares, das 2015 nach dem Wechsel der Greifswalderin vom SC Neubrandenburg zum SCM zusammenfand und inzwischen ein gemeinsames „Nest“ im Magdeburger Hopfengarten bewohnt, hat seinen Grund: Wierig ist in London als einer der ersten gefordert. Am heutigen Freitagabend (ab 19.30 Uhr live im Eurosport / ab 22.15 Uhr ZDF) steht für den 30-Jährigen die erste knifflige Hürde an: Die Qualifikation für den Endkampf rund 24 Stunden später.

Die Chancen, die Ausscheidung schadlos zu überstehen und am Samstagabend um 20.25 Uhr mit den Besten um Titel und Medaillen zu kämpfen, stehen laut Wierig „nicht so schlecht“. Auch wenn die Vorbereitung nach den deutschen Meisterschaften, wo der Zwei-Meter-Hüne hinter Robert Harting (65,65 Meter) Rang zwei belegte (64,29), „ein wenig holprig“ verlief. „Ich hatte eine Woche lang Rücken und musste im Training kürzertreten. Das hat schon den Aufbau gestört. Aber zum Glück konnte ich auf eine gute Form und eine relativ stabile Technik aufbauen“, so Wierig. Und auf den Trost seiner Freundin, denn beide Schützlinge von Trainer Armin Lemme bestritten die WM-Vorbereitung in Magdeburg und Kienbaum quasi im Gleichschritt. „Es ist schön, jemanden ganz in der Nähe zu haben, vor allem, wenn es mal nicht so läuft“, gesteht der Polizeimeister. Und dann sei es eher auch von Vorteil, wenn der Partner dieselbe Leidenschaft teile und beide dem Diskuswurf frönen: „Jeder weiß, wovon der andere spricht.“

Starke Konkurrenz

Seit dem Debakel im Vorjahr, als beide das Leid teilten, bei Olympia in Rio nur Zuschauer zu sein, weiß das Paar nur zu gut, dass sich gerade im Diskuswurf die Konkurrenz extrem ballt. Und dass es schon ein echter Kraftakt ist, sich national durchzusetzen. Und auch die Qualifikation in London werde für beide kein Kinderspiel. „63 bis 64 Meter braucht man wohl, um die Quali zu überstehen“, meint Wierig mit Blick auf seinen Wettkampf. Den Einzug ins Finale der besten zwölf bezeichnet er dennoch als „machbar, zumal ich in dieser Saison leistungsstabiler geworden bin und keinen Wettkampf unter 62  Meter geworfen habe“.

Und was könnte mit Blick auf die Top five in der Welt, die Weiten jenseits der 67 Meter zu stehen hat, im Finale so gehen?: „Ich habe Bock darauf und gehe die WM insgesamt locker an. Eine Weite um die 65 Meter - also in die Nähe meiner Saisonbestleistung - traue ich mir zu.“

Doch egal, wie es ausgeht, am Montag wird sich das Diskus-Paar, das auch die Freude an Haus, Garten, Grillen mit Freunden und natürlich Labrador Carlo teilt, in die Arme schließen können. Dann ist auch Anna Rüh endlich in London vor Ort. Ihre Qualifikation steht am 11. August an. Doch die traute Zweisamkeit hat auch ihre Grenzen, wie die Sportsoldatin auf eine etwas indiskrete Nachfrage hin betont: „Ein gemeinsames Zimmer ist sowohl im Trainingslager als auch im Wettkampf tabu. Dass Job und Privates an dieser Stelle getrennt wird, das versteht sich für uns von selbst.“