Winterberg l Nach dem ersten Lauf hat Toni Eggert etwas ungläubig zur Anzeigetafel geschaut, womöglich in der Gewissheit, keinen schwerwiegenden Fehler gemacht und trotzdem einen Rückstand von 0,039 Sekunden auf das führende Duo Tobias Wendl/Tobias Arlt zu haben. "Wir hatten einen super ersten Lauf und schon gehofft, dass es zu mehr reicht", erklärte Eggert seinen Blick. Der Pilot aus Ilsenburg erhielt von seinem Doppelsitzer-Sozius Sascha Benecken ein War-trotzdem-gut-Nicken. Im zweiten Lauf war ja noch alles möglich für die Titelverteidiger. Aber auch bei diesen Bedingungen?

Dauerregen und Plusgrade machten es den Athleten schwer am Sonnabend bei den Rodel-Weltmeisterschaften in Winterberg. Und den Eiskanal langsamer. "Die Bahn hatte eine raue Oberfläche, wie wir sie auch nicht so oft erleben. Das war für uns alle ein Pokerspiel", erklärte Eggert mit Blick auf die Einstellungen am Schlitten, die sie vor dem zweiten Durchgang des olympischen Wettbewerbs im 945 Meter langen Eiskanal mit elf Kurven noch einmal änderten. Und damit die besten Karten im Feld hatten. 

Eggert/Benecken legten danach eine famose Fahrt hin und holten ihr zweites WM-Gold nach dem Sprint am Freitag. Ihr Vorsprung betrug letztlich 78 Tausendstelsekunden auf Wendl/Arlt nach einer Gesamtlaufzeit von 1:27,256 Minuten. Und ihr Jubel kannte keine Grenzen. "Mir fällt dazu eigentlich nur ein Wort ein: fantastisch", meinte Eggert lächelnd.

Einfach glücklich war Sascha Benecken allerdings nicht nur mit der Goldmedaille. Vier Stunden nach dem Titelgewinn durfte er eine weitere gute Nachricht verkünden: Seine Lebensgefährtin und er wurden zum zweiten Mal Eltern: Am Sonnabend wurde Jonatan geboren.

Als "fantastisch" konnte Tajana Hüfner derweil nur den Zuspruch am Fretag und Sonnabend an der Bahn bezeichnen. Ihre Leistung indes war im olympischen Wettbewerb nur im ersten Lauf medaillenwürdig. 94 Tausendstelsekunden fehlten der 35-Jährigen aus Blankenburg zur Halbzeit zu einer Medaille. Dann kam Durchgang zwei, in dem ich "volles Risiko gegangen bin, aber offenbar haben wir nicht den richtigen Schlüssel heute gefunden", resümierte Hüfner.

Am Ende wurde es der zehnte Platz. Und scherzhaft wusste Hüfner das Ergebnis so einzuschätzen: "Ich wollte meine letzte Wetmeisterschaft nicht auf Rang vier beenden, das habe ich geschafft." Ein dicker Patzer im letzten Drittel der Bahn hatte gereicht, um sie nach dem zwischenzeitlich sechsten Rang nach hinten durchzureichen. Mit einerGesamtlaufzeit von 1:54,776 Minuten fehlten ihr 0,908 Sekunden auf Siegerin Natalie Geisenberger. Zweite wurde Julia Taubitz, die Freundin von Toni Eggert fand das Leben nach ihrer Zielfahrt entsprechend "sau geil".

Und Tatjana Hüfner war auch ein bisschen Erleichterung anzusehen, dass mit Einbruch der Dunkelheit das letzte WM-Kapitel ihrer Karriere geschlossen wurde. Die letzte Meisterschaft fährt sie allerdings auf ihrer Heimbahn: In zwei Wochen steigen in Oberhof die europäischen Titelkämpfe.