Magdeburg | Dario Quenstedt ist am vergangenen Dienstag 26 Jahre alt geworden. Und man kann davon ausgehen, dass es eine ruhige Feier gewesen ist im Kreise seiner Familie. Zur Party hatte der Torwart nämlich erst am Sonntag geladen. In die Getec-Arena. Vor heimischen Fans. Er feierte mit neun Paraden in der ersten Hälfte, darunter drei gehaltene Siebenmeter. Er feierte mit fünf weiteren Paraden in der zweiten Hälfte, darunter ein gehaltener Siebenmeter. Auch Bundestrainer Dagur Sigurdsson, der in der Halle weilte, wird seine Freude an Quenstedt gehabt haben. Das schönste Geschenk von Sigurdsson wäre nun eine Nominierung für das nächste Länderspiel. Aber das war dem Keeper in den emotionalen Momenten nach dem Sieg völlig egal. In beeindruckender Sachlichkeit erklärte er: „Das Wichtigste war heute, die zwei Punkte zu holen.“

So wie Quenstedt am Sonntag und überhaupt in dieser Saison gehalten, wie Musche aus dem Rückraum zum 1:0 getroffen (2.), wie Michael Haaß mit einem Rückhand-Pass den zweiten Treffer Musches (4.) vorbereitet und wie die 6-0-Abwehr des SCM Zugriff auf den Gegner hatte, so spielt keine Mannschaft, der das Selbstvertrauen fehlt. Der SCM ließ erst nach acht Minuten den ersten Treffer der Gäste zu – zum 4:1. Über ein 7:4 (17.), sogar 9:4 (20.), 12:8 (26.) ging es mit einem 14:11 in die Pause.

Und der SCM blieb diesmal stark – bis zur Schlusssirene: Allen voran schoss sich Finn Lemke zurück in die Herzen der Fans, die ihn zuletzt in den sozialen Netzwerken mit Kritik bedacht hatten. Der 23-Jährige markierte gleich nach dem Wechsel seinen dritten Treffer (15:11). Hamburg hielt zwar den Anschluss, um diese Deckung der Magdeburger aber zu knacken, fehlten dem HSV die Mittel. Umso mehr fand diese der SCM: Mit grandiosem Pass quer durch die Abwehr bereitete Marko Bezjak den sechsten Treffer Musches vor zum 23:16 (46.). Mit Konsequenz und beherzt spielte sich der SCM nach zuletzt schwachen Auftritten in Folge zurück in einen Rausch, was der HSV mit doppelter Manndeckung nicht verhindern konnte und was die Magdeburger unter den 6352 Fans mit einer La-Ola-Welle bedachten.

Der Sonntag war also nicht nur die Party des Dario Quenstedt, es war zugleich der Tag der Versöhnung. Der Torwart sagte: „Unser zweites Ziel heute war, die Fans wieder hinter uns zu bringen. Ich denke, das haben wir geschafft. Aber die Leistung müssen wir in den nächsten Spielen bestätigen.“

 

SCM: Green/Quenstedt – Musa, Musche 7, van Olphen, Natek 4, Bagersted 3, Haaß 5, Bezjak 2, Weber 6/4, Saul 1, Sohmann, M. Damgaard, Lemke 4

HSV: Bitter/Vortmann –Schmidt 4/1, Mortensen, Flohr, Grabarczyk, A. Damgaard 3, Brozovic 5, Lindberg 2, Hens 1, Jaanimaa 2, Pfahl 7/1, Feld 3, Nenadic 1, Brauer

Zuschauer: . Schiedsrichter: Nils Blümel/Jörg Loppaschewski (Berlin). Siebenmeter: SCM 4/6 – HSV 2/6. Zeitstrafen: SCM 2 / HSV 3