Berlin l Reinspringen, gleiten, ganz in Ruhe: Das immer wiederkehrende Bild vom Schwimmer Florian Wellbrock wird seine Faszination nie verlieren. Obwohl der 22-Jährige vom SC Magdeburg aufgrund eines leichten grippalen Infekts seine weiteren Starts über 200 Meter Schmetterling und Freistil beim Weltcup in Berlin absagen musste, wollte er doch wenigstens auf seiner Paradedistanz dem Publikum im Europa-Sportpark eine schöne Show bieten. Das tat er am Samstagabend. Aber er tat es nicht allein.

David Aubry hielt nämlich lange mit dem Weltmeister über die 1500 Meter Freistil mit. Aber nach einem Drittel musste der Franzose abreißen lassen. Mit gleichmäßigem starkem Beinschlag erarbeitete sich Wellbrock eine Körperlänge Vorsprung auf ihn und auch auf den Spanier Albert Escrits. Und zog sein Tempo durch bis zum Sieg: in 15:10,82 Minuten vor Escrit (15:12,15) und Aubry (15:13,14). "Ich habe heute vieles richtig gemacht", meinte Wellbrock.

Die Zeit hatte Wellbrock und seinen Trainer Bernd Berkhahn wenig überrascht. Nicht nur wegen des Infekts. "Ich wusste nach 500 Metern, dass es nicht so schön werden würde wie in Budapest", sagte Wellbrock lächelnd. Noch eine Woche zuvor beim Weltcup in Ungarn hatte er in 14:57,83 Minuten gewonnen. "Das war schon ungewöhnlich für diesen Zeitpunkt", urteilte Berkhahn. Auch in Berlin "wollte Florian was zeigen. Er hat sich enorm viel Zeit vor dem Start gelassen, um sich zu fokussieren", sagte der Coach. Und: "Das ist sein Becken." In jenem hatte Wellbrock vor drei Jahren erstmals die 15-Minuten-Marke unterboten. "Wir werden jetzt die Kraftentwicklung vorantreiben", blickte Berkhahn auf das bevorstehende Trainingslager in der Höhe der Sierra Nevada (Spanien) voraus.

Dort wird sich auch Rob Muffels weiter auf die Olympiasaison vorbereiten. In Berlin startete der 24-jährige Freiwasser-Athlet neben Wellbrock im schnellsten Lauf und belegte in 15:55,51 Minuten und in der Gesamtwertung den zehnten Platz. Lukas Märtens hatte den langsamen Zeitlauf am Vormittag in 15:46,06 Minuten für sich entschieden und schlug letztlich im Feld der zwölf Athleten mit dem achtschnellsten Resultat an.

Zum Abschluss des Abends jubelte Aliena Schmidtke: Die 26-Jährige schmetterte über 50 Meter auf einen geteilten dritten Platz. Wie auch Michelle Coleman (Schweden) und Emilie Beckmann (Dänemark) schlug sie nach 26,14 Sekunden an. "Das war wichtig für den Kopf", sagte Schmidtke, die erst im Mai aus den USA zum SCM zurückgekehrt ist, nach dem ersten Weltcup-Podest ihrer Karriere. Es gewann die Niederländerin Ranomi Kromowidjojo in 25,67 Sekunden.