Gwangju/Magdeburg l Florian Wellbrock sprang ins Wasser, tauchte auf, schlich fortan der Konkurrenz hinter. Vergeblich wartete man auf einen Akzent des 21-Jährigen vom SC Magdeburg im Vorlauf über die 800 Meter Freistil. Bereits nach einem Viertel des Rennens war klar: Über diese Distanz wird es für Wellbrock mit einer WM-Medaille in Gwangju (Südkorea) nichts werden.

7:53,75 Minuten standen für ihn nach dem Zielanschlag auf der Anzeigetafel – mit respektvollem Abstand auf Vorlaufsieger Gregorio Paltrinieri aus Italien (7:45,70), der sich ebenso verwirrt umschaute wie der gemeine Schwimm-Fan. 10,72 Sekunden blieb Wellbrock über seinem persönlichen Rekord – zugleich die nationale Bestmarke. Platz  17 wurde es in der Endabrechnung, noch bevor das Finale heute gestartet wird. „Wir hatten eine Medaille geplant“, sagte SCM-Trainer und Teamchef Bernd Berkhahn.

Sein Schützling sagte indes nichts. Zu groß war die Enttäuschung, zu groß womöglich die eigene Verwirrung. Nur über den Deutschen Schwimmverband (DSV) ließ der Zehn-Kilometer-Weltmeister mitteilen: „Ich bin überhaupt nicht ins Rennen reingekommen. Und ich kann es zurzeit nicht erklären. Eigentlich habe ich mich ganz gut gefühlt.“

Kein Gefühl, kein Rhythmus

Mit einer Analyse tat sich auch Coach Berkhahn schwer. „Das Einschwimmen war gut. Aber im Becken ging nicht viel. Florian hatte eine zu tiefe Wasserlage, zu wenig Spannung, kein Gefühl und keinen Rhythmus“, erklärte der 48-Jährige, der nun vor allem als Psychologe gefragt ist. Denn: „Der Druck spielt auch eine Rolle.“ Nicht zuletzt aufgrund des Titels im Freiwasser eine Woche zuvor. Dadurch war die große Erwartungshaltung an Wellbrock weiter gestiegen.

2016 war er von den Sommerspielen in Rio als 32. über 1500 Meter und mit viel Lehrgeld heimgekehrt, 2017 in Budapest sicherte er sich bei seiner ersten Becken-WM Platz sieben über 800 Meter. 2018 in Glasgow holte er EM-Bronze über diese Distanz und Gold über 1500 Meter. Inklusive seiner deutschen Rekorde hatte sich Wellbrock zum Weltklasse-Athleten entwickelt – und war als Favorit und Retter des deutschen Schwimmens nach Gwangju gereist. Das alles wollte er ausblenden. Womöglich hat er die öffentliche Wahrnehmung seiner Rolle unterschätzt.

Eine Medaillenchance hat er ja noch: über 1500 Meter. Am Sonnabend wird im Nambu Municipal Aquatics Center der Vorlauf gestartet. „Wir werden uns jetzt erst mal auf die Technik und die Koordination konzentrieren mit ruhigem langem Schwimmen“, sagte Coach Berkhahn. Mit anderen Worten: Wellbrock muss sein gesamtes System reparieren.