Boxen

Roman Fress - der singende Boxer

Bei der SES-Gala am Sonnabend in Magdeburg steigt Roman Fress beim Hauptkampf (23.20 Uhr/MDR) in den Ring und kämpft gegen Erdogan Kadrija.

Magdeburg l Beim Bummel durch die Lichterwelt der Landeshauptstadt hatte Roman Fress seine Lieblingsbeleuchtung in Form einer glitzernden Trompete schnell gefunden. Der SES-Cruisergewichtler kann mit seinen Händen nämlich nicht nur hart zuschlagen, sondern spielt damit auch Gitarre. „Musik ist neben dem Boxen meine große Leidenschaft. Seit ich 14 Jahre alt bin, probiere ich mich auch als Rapper aus“, erzählt Fress mit leuch-tenden Augen.

Die sollen natürlich auch heute Abend glänzen. „Ich will ein echtes Statement im Cruisergewicht setzen“, kündigt der 26-Jährige vor seinem Kampf gegen Erdogan Kadrija aus Hamburg heute im Magdeburger Maritim-Hotel (ab 23.20 Uhr im MDR) an. Normalerweise sollte er gegen Francesco Versaci um die Interconti-Krone der WBO kämpfen. Aber weil der Italiener an Corona erkrankte, geht es jetzt gegen den Hamburger Erdogan Kadrija um den deutschen Meistertitel.

Obwohl der Schützling von Ex-Weltmeister Robert Stieglitz am Mischpult genau so fleißig wie beim Sparring und am Sandsack ist, hat es für eine selbst komponierte und gesungene Einlaufmusik noch nicht gereicht. Fress: „Den richtigen Song, um gleich richtig in den Kampfmodus zu kommen, habe ich noch nicht gefunden. Aber das kommt noch.“

Inspiriert hat ihn beim Musikmachen übrigens der US-Rapper Eminem und der legendäre Film „8 Mile“. „Den habe ich mehrmals gesehen. Und die Songs von Eminem kann ich auswendig mitsingen“, erzählt Fress, der erstmals bei einem Kampfabend im Mittelpunkt steht. Fress: „Ein schönes Gefühl, auch auf dem Plakat zu sein. Das bekommt einen Ehrenplatz bei uns in der Trainingshalle.“

Im Boxring hat ihm Oleksandr Usyk am meisten imponiert. Der Ukrainer gewann im Cruisergewicht die WM-Gürtel aller vier großen Verbände und stieg inzwischen ins Schwergewicht auf. „Von seiner Beinarbeit und seinem Boxstil habe ich mir eine Menge abgeschaut. Mir gefällt aber auch, wie er als Persönlichkeit auftritt“, schwärmt Fress, der beim Weihnachtsessen eine in Deutschland ziemlich außergewöhnliche Tradition pflegt.

Da wird nämlich Schaschlyk serviert. Fress: „Das bereite ich auch selbst zu. Am liebsten mit einer richtig scharfen Marinade.“ Diese Liebe hängt natürlich damit zusammen, dass die Familie Fress aus Kasachstan stammt. „Ich bin im Norden des Landes in dem kleinen Örtchen Woswyschenka geboren. Weil unsere Familie deutschstämmig ist, kam ich schon im Alter von fünf Monaten mit meinen Eltern nach Deutschland“, erklärt Fress, der dann in Troisdorf in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen ist.

Dort kam er schon als Siebenjähriger zum Boxen. Aber eher aus Zufall. Fress: „Ich war großer Fan von Bruce Lee und dessen Kung-Fu-Filmen. Aber weil es in Troisdorf keine Möglichkeit gab, Kung-Fu zu trainieren, bin ich zum Boxen und habe als Zehnjähriger meinen ersten Kampf bestritten.“ Trainiert wurde er damals unter anderem auch von Papa Willi.

Seit drei Jahren ist Fress selbst Papa, wohnt mit seiner Ehefrau Lena und Töchterchen Valeria in Cloppenburg. Und bald sind sie zu viert, denn im Januar bekommt Valeria ein Brüderchen.