Handball

SCM nutzt jede Lücke

Die SCM-Handballer bleiben durch ein 32:22 (16:14) in Stuttgart auch im 21. Pflichtspiel in Folge ungeschlagen.

Stuttgart/Magdeburg l Jedes Handballspiel hat seine ganz besonderen Szenen. Schöne und bittere. Beim gestrigen 32:22-Sieg des SCM beim TVB  Stuttgart waren es aus Magdeburger Sicht das letzte Tor vor der Pause und das vorletzte im Spiel.

Nachdem die Sirene bereits zur Pause gerufen hatte, gab es noch einen Freiwurf für die Grün-Roten. Christoph Stei-nert schnappte sich den Ball und hatte eine schier unüberwindbare Wand aus Körpern und Händen der Stuttgarter vor sich. Doch Steinert täuschte geschickt einen Wurf nach rechts an und warf den Ball dann genau durch die sich bietende Lücke in den oberen Winkel des TVB-Tores, wodurch der SCM mit einem 16:14 in die Pause ging.

Und in der Schlussminute des Spiels zeigte sich Christian O’Sullivan als echter Kapitän. Obwohl der Weg zum Tor der Gastgeber bei einem Gegenstoß frei war, überließ er dem mitlaufenden Justus Kluge den Ball. Und der durfte sich dann über seinen erst insgesamt elften Treffer in der Bundesliga freuen.

Bei SCM-Torwart Jannick Green standen am Ende 13 Paraden und eine Fangquote von 41 Prozent auf dem Statistikzettel. Das war ein entscheidender Faktor für den so deutlichen Sieg. „Wir haben uns zur Pause vorgenommen, besser zu verteidigen und nicht so viele Würfe über den Kreis und Durchbrüche zu erlauben. Damit haben wir unseren Torhütern geholfen“, erklärte Magdeburgs Trainer Bennet Wiegert und ergänzte: „Das Ergebnis nehmen wir natürlich gerne mit. Aber es war vielleicht zwei, drei Tore zu hoch.“ Damit haben sich die Grün-Roten aber ordentlich für die frustrierende Niederlage (29:30) im Hinspiel revanchiert.

Während die Magdeburger damals verunsichert wirkten, strotzen sie aktuell vor Selbstvertrauen. Dass Wiegert und seine Mannschaft mit einer Serie von 20 Spielen ohne Niederlage ins Ländle gereist waren, während die Stuttgarter zuletzt in Essen eine herbe Niederlage (20:27) einstecken mussten, war zu Beginn des Spiels deutlich zu spüren. Omar Ingi Magnusson hatte  mit gewohnter Nervenstärke per Siebenmeter für den ersten Treffer der Partie gesorgt. Nach acht Minuten hatten sich die Gäste schon mit 6:2 abgesetzt. Tim Hornke warf dabei allein drei Tore.

Stuttgarts Keeper Jogi Bitter schaute sich das bis dahin allerdings nur von der Bank aus an, weil er seit der erfolgreichen Olympia-Qualifikation mit der Nationalmannschaft in Berlin mit einer Rückenverletzung pausieren musste. Im Hinspiel waren die Mageburger bei der Niederlage ja vor allem am 38-Jährigen verzweifelt.

Wie unangenehm Bitter für den Gegner sein kann, zeigte er nach elf Minuten, als er beim Stand von 4:8 einen Siebenmeter von Magnusson hielt. Das war so etwas wie ein Weckruf für den Gastgeber, der nach 13 Minuten auf 7:9 dran war. Der SCM konnte sich danach zwar wieder auf 12:8 (19.) absetzen. Doch abschütteln ließen sich die Stuttgarter nicht und waren sieben Minuten vor der Pause sogar auf ein Tor (11:12) dran. Beim 15:14 für den SCM nahm Wiegert 13 Sekunden vor dem Gang in die Kabine  eine Auszeit und forderte einen Zwei-Tore-Vorsprung. Danke Steinerts genialem Tor ging der Wunsch auch in Erfüllung.

Und nachdem die Magdeburger in der Kabine einige taktische Dinge neu geordnet hatten, nahm der grün-rote Erfolgsexpress nach dem Seitenwechsel richtig Tempo auf. Innerhalb von zwei Minuten war wieder eine Vier-Tore-Führung herausgeworfen. Dann verdrehte sich Stuttgarts Rudolf Faluvegi unglücklich das rechte Knie und musste von der Platte gebracht werden. Dass der  zentrale Rückraumspieler mit vier Toren am Ende trotzdem zu den besten Werfern seines Teams gehörte, zeigte wie weh dieser Ausfall tat.
Der SCM nutzte dann aber auch jeden Fehler und jede Lücke eiskalt aus und entschied mit einem 5:0-Lauf vom 23:19 (43.) zum 28:19 (54.) vorzeitig das Spiel.