Handball

SCM verliert beim Handballfest in Flensburg

Temporeich und intensiv: Das Spitzenspiel in der Handball-Bundesliga zwischen Flensburg und dem SCM ist seinem Titel gerecht geworden. Im Schlussspurt der Partie setzte sich der Gastgeber mit 33:30 (13:16) durch.

Von Daniel Hübner
Christian O’Sullivan (im Wurf) sprang auch höher als Magnus Röd und Lasse Svan. Der SCM-Kapitän kam in Flensburg auf zwei Tore, Michael Damgaard (l.) auf vier Tore.
Christian O’Sullivan (im Wurf) sprang auch höher als Magnus Röd und Lasse Svan. Der SCM-Kapitän kam in Flensburg auf zwei Tore, Michael Damgaard (l.) auf vier Tore. Foto: Michael Täger

Flensburg/Magdeburg- Stefan Kretzschmar hat ein neues Wort kreiert, das womöglich im Vokabular der deutschen Handball-Sprache seinen festen Platz finden wird. Das Wort lautet: „Lückenphänomen“. Und es beschreibt die Qualität des Michael Damgaard vom SC Magdeburg. Dazu erklärte Sky-Experte Kretzschmar gestern Abend: „Er sieht Lücken, da sind gar keine.“ Damgaard sah diese bei der SG Flensburg-Handewitt über 60 Minuten viermal, so viele Tore markierte er für die Grün-Roten. Nur zum Sieg reichte es dem Bundesligisten von der Elbe nicht: Mit 30:33 (16:13) hatte das Team von Bennet Wiegert letztlich das Nachsehen.

Dieses „Lückenphänomen“ war allerdings nur ein Phänomen im Magdeburger Angriff der ersten Halbzeit. Mit dem 1:1 (4.) durch Daniel Pettersson gewann die Gästeoffensive an Tempo, Schwung und Fluss. Dabei erledigte die Flensburger 6-0-Abwehr wahrlich keinen schlechten Job, aber gerade die Finten des Omar Ingi Magnusson oder des Christian O“Sullivan, mit denen sie die Anspiele auf Außen oder an den Kreis vorbereiteten, waren der Überraschung zu viel für die Gastgeber, die entweder einen Gegentreffer hinnehmen oder sich mit einem siebenmeterreifen Foul retten mussten. Aber auch in diesem Fall hatte der SCM mit Magnussen erneut einen sicheren Schützen, er traf in zwei von zwei Versuchen. Bis zum Seitenwechsel.

Bei allem Tempo in dieser Partie unterlief auch mal ein technischer Fehler auf beiden Seiten. Bei allem Tempo im Spiel suchte Flensburg nach dem ersten Rückstand in der sechsten Minute – Piotr Chrapkowski hatte gegen Magnus Holpert geblockt, Pettersson hatte zum 2:3 getroffen - immer den schnellen Abschluss, aber Magdeburgs Keeper Jannick Green brillierte mehrfach, selbst beim Siebenmeter von Jim Gottfridsson – oder die Hausherren trafen den Pfosten. So führte der SCM mit 10:7 (17.), ehe die Hausherren eine sechsminütige Durststrecke durch einen Treffer von Lasse Svan beendeten (8:10/20.).

Nach dem Wechsel fehlen die Paraden

Während Trainer Wiegert euphorisch, aber dennoch ruhig in einer Auszeit den letzten Angriff vor der Pause vorgab, kam SG-Coach Maik Machulla aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Und wird in der Kabine die Durchlässigkeit seiner Abwehr am Kreis und die Chancenverwertung bemängelt haben. Vor allem Letzteres änderte sich zur Freude des 44-Jährige, der erneut auf einen Einsatz des ehemaligen Magdeburger Weltklasse-Torhüters Henning Fritz verzichten konnte. Denn sein Keeper Torbjörn Bergerud machte einen guten Job. Und wurde nach der Pause noch besser.

Auf der anderen Seite wechselte Wiegert für Green den zuletzt bei GWD Minden überragenden Tobias Thulin ein – nach dem Flensburg nach einem 14:18 zum 18:18 (38.) ausgeglichen hatte. Doch die wichtigen Paraden blieben nun aus. Magnus Jondal holte den Gastgebern die Führung zurück (19:18) – fortan waren die Magdeburger wieder in Zugzwang. Beide Mannschaften setzten im Wechselbad der Gefühle zum Schlussspurt dieses Spitzenspiels an (25:25/50.) an.

Und den leitete Bergerud für die Flensburger ein, als er einen Siebenmeter von Magnusson parierte, Gottfridsson den folgenden Angriff zum Torerfolg nutzte. Die Hausherren führten vor 125 Zuschauern mit 28:26 (55.). Als Damgaard dann auch noch von Johannes Golla geblockt wurde, war tatsächlich keine Lücke mehr vorhanden in der nunmehr kompakten Defensive des Gastgebers. Und letztlich belohnte sich die SG für eine klasse Leistung in der zweiten Hälfte eines großartigen Spiels von beiden Teams. Was naturgemäß keinen glücklichen Wiegert zurückließ: „Bei mir überwiegt die Traurigkeit, dass wir uns nicht belohnen konnten. Es fehlten Kleinigkeiten, um einen Punkt mitzunehmen.“