Magdeburg l Träume gehören wie Siege und Niederlagen zum Sport. Und im SES-Boxstall kann nach dem Kampfabend am vergangenen Sonnabend auch realistisch geträumt werden. Promoter Ulf Steinforth: „Wir sind von der Weltspitze nicht mehr weit weg. Und deshalb bin ich sicher, dass wir noch in diesem Jahr oder spätestens Anfang des nächsten Jahres einen großen Kampf für unsere Schwergewichtler kriegen.“ Der Optimismus resultiert vor allem aus den TV-Verträgen der drei Top-Leute.

Top-Leute mit Top-Deals

Anthony Joshua, der die WM-Gürtel der Verbände WBO und IBF hält sowie Superchampion der WBA ist, hat einen Deal mit dem Livesport-Streamingdienst DAZN abgeschlossen. Das beschert dem Engländer für die kommenden acht Jahre umgerechnet rund 840 Millionen Euro. WBC-Champ Deontay Wilder boxte zuletzt exklusiv auf dem Pay-TV-Kanal Showtime. Und Tyson Fury unterschrieb einen millionenschweren Fernsehvertrag mit dem US-Sender ESPN. Für fünf Kämpfe erhält der 30-Jährige umgerechnet 91 Millionen Euro.

Satte Verträge, die alle drei nicht mit Duellen untereinander riskieren dürften, sondern in ihren nächsten Kämpfen eher die zweite Reihe boxen werden. Steinforth: „Da unsere Jungs in den Ranglisten mit vorne stehen, rechnen wir uns gute Chancen aus.“ Neben den drei absoluten Top-Leuten ist auch Dillian Whyte ein klangvoller Name. Steinforth: „Die Rechnung ist ziemlich einfach. Vier Boxer, die zweimal im Jahr in den Ring steigen, brauchen acht Gegner. “

Kabayel hat hohe Ziele

Die größten Hoffnungen kann sich dabei natürlich Agit Kabayel machen. Ein amtierender Europameister ist als Gegner gut zu vermarkten. Zudem hat sich der 26-Jährige durch sein Sparring mit Joshua speziell in England schon einen entsprechenden Namen gemacht. Bei der IBF wird Kabayel aktuell als Nummer drei geführt. Bei der WBC ist er die Nummer acht und bei der WBO die Nummer zehn. Steinforth: „Agit traut sich einen großen Kampf auch schon zu und hat sicherlich die besten Karten.“

Joshua dürfte allerdings vorerst nicht in Frage kommen, weil der am 1. Juni in New York gegen Jarrell Miller boxt und durch einige Pflichtkämpfe gebunden ist. Wilders nächster Kampf ist für den 18. Mai terminiert, allerdings noch ohne festen Gegner. Steinforth: „Wichtig ist derzeit auch, immer gut vorbereitet und abrufbar zu sein. Es kann sich immer einer der angesetzten Boxer verletzen und ein geeigneter Ersatz muss her. Die TV-Sender wollen dann aber einen Gegner haben, der in den Ranglisten mit ganz oben steht.“

Schwarz gegen Tyson Fury?

Bei Tom Schwarz trifft das vor allem bei der WBO zu. Dort ist der 24-Jährige hinter Dillian Whyte sogar an Nummer zwei gelistet. In der IBF-Rangliste steht Schwarz auf Rang neun und in der von „www.boxrec.com“ erstellten unabhängigen Weltrangliste auf Rang zwölf. Steinforth: „Es gibt jetzt viele interessante Konstellationen. Und es muss ja nicht gleich direkt um einen WM-Titel gehen. Ein attraktiver Kampf gegen einen bekannten Namen wäre ja auch schon schön.“ Was vor allem für Fury gilt, der für seinen TV-Vertrag fünf attraktive Gegner braucht.