Magdeburg l Der SES-Boxstall hatte extra die Johanniskirche angemietet, um zu verkünden, dass Dominic Bösel am 28. März in der Getec-Arena seinen WM-Gürtel der WBA verteidigen will. Sein Gegner Zack Dunn wurde per Stream aus dem schon mitternächtlichen Melbourne zugeschaltet. Und so wie die Bilder aus dem fernen Australien gelegentlich wackelten, soll es dem 29-Jährigen auch im Ring ergehen. „Ich habe so lange für diesen Gürtel gekämpft. Das Ding lasse ich mir nicht nehmen. Den gebe ich nicht her“, lautete Bösels Botschaft in Richtung des auf einer Videoleinwand eingeblendeten Australiers. Und der konterte mit einem kampfeslustigen Lächeln mit der Ansage, dass er vorzeitig gewinnen will.

Dunn mit harten Händen

Auf der Visitenkarte des gebürtigen Melbourners stehen 30 Kämpfe, von denen er 29 gewann und 24 davon vorzeitig. „Ein typischer Australier, der nie aufgibt und immer nach vorne geht. Dabei schlägt er viele harte Hände. Dominic ist aber ganz klar der bessere Boxer“, hat Bösels Trainer Dirk Dzemski in den ersten Videos erkannt. Da boxte Dunn aber noch im Supermittelgewicht. Für die WM-Chance klettert er also extra eine Gewichtsklasse nach oben.

Auch Bösel hat seinen nächsten Gegner bereits aufmerksam studiert und meint: „Er hat eine hohe K.o.-Quote und es ist auch mal ganz interessant, auf einen anderen Boxstil zu treffen. Ein bisschen ähnelt er dabei aber meinem letzten Gegner Sven Fornling. Mit dem Unterschied, dass er weniger aber dafür härter schlägt.“

Bösel bleibt cool

Diese Schläge sollen aber an Bösel so abprallen wie Dunns K.o.-Ankündigung. Bösel: „Dass er selbstbewusst in den Kampf geht, kann ich verstehen. Sonst wäre er kein Boxer. Aber gegen mich wollten schon einige Gegner mit K.o. gewinnen und haben es nicht geschafft. Früher habe ich mich auch darüber geärgert, wenn ich unterschätzt wurde. Inzwischen nehme ich das locker.“ Und das spornt Bösel auch noch zusätzlich an. So wie im letzten November, als er sich eindrucksvoll vorzeitig die Interimskrone bei der WBA holte. Bösel: „Über Video kann man von Australien aus viel erzählen. Er soll erst einmal nach Deutschland kommen und mir hier in die Augen schauen.“

Nur Sprüche machte der Australier aber nicht, sondern lobte auch die boxerische Klasse des SES-Kämpfers. Dunn: „Dominic hat technisch eine hohe Qualität und einen guten linken Jab. Aber auch seine Rechte setzt er gut ein.“ Nicht umsonst hat Bösel 30 seiner 31 Profikämpfe gewonnen. Der 30-Jährige ist auch in der Lage, einen Kampf zu kontrollieren und spektakulär zu beenden.

ARD überträgt live

Auch deshalb steigt die ARD wieder live ins Boxen ein und wird diesen Kampf Ende März übertragen. Bösel: „Vor fünf Jahren habe ich den ersten Kampf bestritten, als der MDR live eingestiegen ist. Jetzt kehrt die ARD zurück. Das ist für mich eine große Ehre und eine Riesenchance, Werbung für das deutsche Boxen zu machen.“

SES-Promoter Steinforth stolz

Als Bösel das sagte, nickte SES-Promoter Ulf Steinforth zufrieden und stolz. SES feiert am 16. März sein 20-jähriges Jubiläum. Der Kampfabend in der Getec-Arena rundet diesen Geburtstag natürlich wunderbar ab. Steinforth: „Das wird ein ganz besonderer Tag. Ich vergleiche das mit einer Aufstiegsfeier. Und wir steigen damit in die Champions League auf. Eine Riesenehre für uns und eine Riesenchance für das Boxen. Das ist auch eine Auszeichnung unserer Arbeit. Und zu unserem 20. Jahrestag ist das eine absolute Punktlandung.“