Magdeburg l Dirk Dzemski bekam am letzten Sonnabend  am Rande des Kampfabends im Magdeburger Hotel Maritim unerwarteten Besuch. Vor seiner Zimmertür stand Dominic Bösel. Der fragte an, ob er künftig wieder unter Dzemski trainieren kann.

Bösel fragte bei Dzemski an

Die Frage ist inzwischen auch offiziell mit einem Ja beantwortet. Wenn der Europameister im Halbschwergewicht am 13. April in Halle gegen Orial Kolaj aus Italien seinen Titel verteidigt, steht Dzemski als Trainer in seiner Ecke. „Weil Dominic beim Kampfabend für den MDR als Experte eingesetzt war, dachte ich zunächst, er will von mir eine Meinung zu den Kämpfen einholen“, erzählt der Coach. „Deshalb war ich schon ziemlich baff, als es um die Trainergeschichte ging. Aber ich musste nicht lange überlegen und freue mich drauf.“

Viele Trainerwechsel bei SES

Die vielen Trainerwechsel der letzten Monate bei SES sorgen auf den ersten Blick aber auch für Verwunderung. „Boxen ist ein Individualsport. Da kann ich den Jungs nicht vorschreiben, wer ihr Trainer zu sein hat“, erklärt SES-Promoter Ulf Steinforth die Trainerrotation. „Ich fordere von ihnen die Leistung im Ring ab. Und wenn einer meint, er müsse sich neue Impulse beim Training verschaffen, dann muss ich das akzeptieren.“

Bösel und Dzemski hatten sich erst vor einem Jahr getrennt, weil für den Freyburger Bösel der Weg ins Gym nach Magdeburg zusätzlicher Stress war. Außerdem war die Trainingsgruppe von Dzemski ziemlich groß und für Bösel nicht unbedingt ideal.

Weil Dzemski sich danach aufgrund von Hand-Operationen eine Auszeit nehmen musste, brauchte auch Tom Schwarz kurze Zeit später einen neuen Trainer. Ulli Kaden kam. Doch die Zusammenarbeit der beiden hielt nur für einen Kampf. Dann kehrte Dzemski zurück. Anfang des Jahres wollte der Schwergewichtler aber auch seinen alten Coach nicht mehr und wird seitdem von René Friese trainiert.

Rauchfuß wieder Lehrer

Beim nächsten Stopp des Trainerkarussells steigt jetzt Rainer Rauchfuß aus. Der bisherige Bösel-Coach entschied sich dafür, künftig wieder als Berufsschullehrer zu arbeiten. Bösel stellt klar: „Weil wir uns ja nicht im Streit getrennt hatten, war Dirk Dzemski für mich der erste Ansprechpartner. Schön, dass er gleich zugesagt hat.“

Das freute natürlich auch den Promoter. Steinforth: „So kurz vor dem Kampf bin ich natürlich sehr froh darüber, dass Dirk und Dominic wieder ein Team sind. Beide kennen sich schließlich seit vielen Jahren.“

Pause tat sogar gut

Bösel und Dzemski haben schon die ersten Trainingseinheiten miteinander absolviert. Dzemski lobt: „Ich habe auch gleich gemerkt, dass Dominic sich verbessert hat und viel fokusierter geworden ist. Er trainiert bewusster und denkt auch ganz anders über den Sport nach. Es war vielleicht sogar ganz gut, dass wir ein Jahr lang nicht zusammengearbeitet haben. Wir haben uns beide verändert. Das kann zwischen uns noch viel besser werden als früher.“

Mit den Trainerwechseln soll jetzt aber aber Schluss sein. Dzemski: „Ein Hauptkämpfer kann das natürlich immer selbst bestimmen. Aber das sollte jetzt aufhören, weil es unterm Strich ja für alle Seiten nicht unbedingt ideal ist.“