Magdeburg l Im Ring stehen jetzt zwar andere. Aber gejubelt wird über Robert Stieglitz immer noch. Als der 37-Jährige beim Kampfabend Anfang März in Magdeburg über die Lautsprecher begrüßt wurde, gab es einen Riesenbeifall. Die Boxfans haben nicht vergessen, dass es der frühere Supermittelgewichtler mit teilweise spektakulären Kämpfen bis auf den Weltmeister-Thron schaffte.

Stieglitz trainiert noch voll mit

Inzwischen steht Stieglitz als Trainer von Cruisergewichtler Roman Fress und Halbschwergewichtler Michael Eifert in der Ringecke. Fress hat er im Oktober 2018 zum deutschen Meistertitel geführt und damit seinen ersten Titel als Profi-Coach gewonnen. Der frühere Champ fühlt sich in seiner Trainingsgruppe selbst noch wie ein halber Sportler. Stieglitz: „Beim Laufen und den Kraftübungen mache ich alles selbst noch mit. Spezielles Training wie Sparring kommt aber nicht mehr infrage.“

Comeback wäre zu gefährlich

Deshalb ist für ihn auch ein mögliches Comeback ausgeschlossen. Nicht mal für ein fünftes Duell gegen Arthur Abraham würde Stieglitz noch mal in den Ring steigen. Stieglitz: „So ein Kampf hätte zwar einen großen Reiz und würde die Leute begeistern. Aber selbst wenn die Kampfbörse richtig stimmen würde – es ist einfach zu gefährlich.“

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Nase nie gebrochen

Verletzt war Stieglitz in seiner Karriere oft genug. „Ich hatte schon einen Trommelfell-Riss, habe mir dreimal die rechte Hand gebrochen und wurde zweimal an der Leiste operiert“, zählt Stieglitz auf und zeigt anschließend stolz auf seine Nase: „Da hat es nie geknackt. Die blieb immer gerade. Aber ich habe in meiner Karriere auch immer aufgepasst, so wenig Schläge wie möglich zu nehmen.“

50 Siege in 57 Kämpfen

Nur ein Cut über dem rechten Auge erinnert sichtlich an seine 16 Jahre als aktiver Boxer mit insgesamt 57 Profikämpfen, von denen er 50 gewonnen hat – davon 29 durch K.o. Stieglitz: „Und ich weiß nicht einmal genau, aus welchem Kampf diese Narbe resultiert. Wahrscheinlich war das gegen Khoren Gevor im April 2011 in Magdeburg.“

"Endlich kann ich alles essen"

Am 18. März 2017 zog er sich in Leipzig letztmals die Handschuhe als Boxer an. Nachdem er gegen Nikola Sjekloca erfolgreich seinen EM-Gürtel verteidigte, trat er wenig später aber zurück. „Seitdem kann ich endlich alles essen. Auch mal Fleisch mit Brot, was früher nie ging, weil ich auf die Kohlenhydrate achten musste“, sagt Stieglitz schmunzelnd.

Das Leben ohne Gewichtszwang sieht man ihm aber nicht an. Stieglitz: „Sieben bis acht Kilo habe ich aber schon zugenommen, seitdem ich mich nicht mehr wie ein Profi ernähren muss.“

Diplomarbeit über kaltes Wasser

Ein bisschen mehr Körperfett tut dem einstigen Profi auch für sein ausgefallenes Hobby gut. Stieglitz verrät: „Ich bin Eisbader und dafür in den letzten Jahren im Winter sogar nach St. Petersburg, Rostow und Tallinn gereist.“ Fast logisch, dass auch das Thema seiner Diplomarbeit mit kaltem Wasser zu tun hat. „Ich habe eine Studie aufgestellt, dass diejenigen, die in kaltem Wasser schwimmen, weniger krank werden als andere“, erzählt Stieglitz und zeigt stolz auf sein russisches Sportlehrerdiplom.

Sohn Oskar beim SCM im Tor

Eines hätte Stieglitz aber nie für möglich gehalten. „Als Trainer habe ich viel mehr zu tun als vorher. Man ist jetzt für das Ganze verantwortlich, muss deshalb etliche Dinge organisieren und sich kümmern, dass auch alles klappt. Früher konnte ich mich allein auf das Boxen konzentrieren“, so Stieglitz, dessen zwölfjähriger Sohn Oskar sich übrigens für einen anderen Sport mit den Händen entschieden hat. Stieglitz: „Er steht bei der Jugend des SCM im Handball-Tor. Ich habe ihn auch nie dazu gedrängt, dass er unbedingt Boxer werden muss. Der Weg bis ganz nach oben ist hart und für die Gesundheit auch nicht ungefährlich.“

Eigene Box-Akademie

Trotzdem hat Stieglitz ein großes Herz für den Nachwuchs. In seiner Boxing Akademie in Hohenwarsleben trainieren rund 60 Kinder. Die zwei verantwortlichen Trainer bezahlt Stieglitz aus eigener Tasche. Handschuhe und Trainingsgeräte hat er über seine langjährigen Kontakte selbst besorgt. „Ich will was zurückgeben und den Jungs eine Chance bieten, Profi zu werden. Und wir haben dort auch schon sieben Landesmeister in verschiedenen Altersklassen ausgebildet.“

Dzemski als Trainervorbild

Boxen ist also immer noch sein Leben. Stieglitz: „Ich habe bisher nichts anderes gemacht. Das kann ich auch am besten und bin froh, dass ich bei SES weiter im Trainerstab arbeiten kann.“ Dort arbeitet er weiterhin eng mit seinem damaligen Trainer Dirk Dzemski zusammen. Stieglitz: „Von Dirk kann ich als Trainer noch viel lernen und orientiere mich zu 80 Prozent an ihm. Auch aus meiner Zeit unter Torsten Schmitz habe ich viel mitgenommen.“