Berlin l Bernd Berkhahn hätte sich über einige Zuschauer mehr gefreut. Auch wenn gerade am Sonnabend, beim Start seines Schützlings Florian Wellbrock, die Begeisterung laut von den Tribünen auf das Becken im Berliner Europa-Sportpark überschwappte, fand der Coach der SCM-Schwimmer und Bundestrainer die Resonanz beim Heim-Weltcup eher „bedauerlich“. Offizielle Besucherzahlen gab es vom Weltverband Fina nicht.

Wenige Tage vor der Abreise ins Trainingslager nach Spanien legte Berkhahn allerdings den Fokus zuallererst auf die Leistung seiner Sportler. Und mit den Leistungen der Magdeburger konnte der 48-Jährige überaus zufrieden sein. "Das war ein guter Saisoneinstieg", erklärte er vor allem mit Blick auf die Resultate von Aliena Schmidtke und Lukas Märtens.

Florian Wellbrock

Er hatte es eilig. Eilig, unter die Dusche zu kommen. Eilig, direkt nach der Siegerehrung die Heimreise nach Magdeburg anzutreten. Den Sieg über 1500 Meter Freistil, den zweiten nach dem Weltcup eine Woche zuvor in Budapest (Ungarn), hatte Florian Wellbrock am Samstagabend schnell abgehakt. Für ihn war nur noch eines wichtig: Eiligst den grippalen Infekt auszukurieren, um das Programm im Höhentrainingslager in der Sierra Nevada, in das die SCM-Schwimmer am Mttwoch für vier Wochen starten, nicht zu gefährden.

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Denn dort soll er wieder an die Leistungsgrenze gehen. „Wir sind dabei, die Kraftentwicklung weiter voranzutreiben“, berichtete Trainer Berkhahn über die Einheiten in den ersten vier Wochen nach der Sommerpause. „In Sachen Ausdauer haben wir die großen Reize noch nicht gesetzt. Das wird das Thema in der Höhe sein.“

Dementsprechend kontrolliert war der 22-Jährige in Berlin geschwommen. „Es war vernünftig, dass ich über 15  Minuten gelieben bin, von daher habe ich vieles richtig gemacht“, sagte Wellbrock, der über 400 Meter Silber gewonnen, seinen Start über 200 Meter Freistil und Schmetterling aber abgesagt hatte. Nur eines hatte den Weltmeister doch etwas geärgert: „Dass der Spanier noch so dicht rankam, musste nicht unbedingt sein.“ Alberto Escrits lag zwischenzeilich beinahe eine halbe Bahn zurück, ehe er sich Meter um Meter nach vorn arbeitete. Er wurde letztlich Zweiter in 15:12,15 Minuten und mit 1,33 Sekunden Rückstand auf Wellbrock. Auf Rang drei schwamm der WM-Vierte von Gwanju: David Aubry (Frankreich/15:13,14).

Aliena Schmidtke

Nach dem Finale über 50 Meter Schmetterling resümierte eine aufgeweckte Aliena Schmidtke ihre Leistung. Das war die zweite Überraschung des Samstagabends, denn Schmidtke war für euphorische Statements bislang nicht bekannt. Überrascht hatte die 26-Jährige zuvor mit 26,14 Sekunden, mit denen sie sich beim Sieg der Niederländerin Ranomi Kromowidjojo (25,67) Platz drei mit Michelle Coleman (Schweden) und Emilie Beckmann (Dänemark) teilte.

Aber nicht nur die Rückkehr aus den USA im Mai nach Magdeburg hat ihre Emotionen geweckt, wiederbelebt nach schwierigen Monaten unter Trainer Gregg Troy in Florida. Sondern auch der erste Weltcup-Podest ihrer Karriere, mit dem sie zu neuen Ufern aufgebrochen ist. „Das war sehr sehr gut für den Kopf“, sagte die deutsche Rekordhalterin über dieses Distanz (25,68).

Über ihren misslungenen Übergang von Start auf Strecke im Vorlauf („Ich bin mit den Armen hängengeblieben.“) hatte sie im Finale nicht mehr nachgedacht. Was sie dachte, war: „Los geht‘s!“ Und los ging es auch gestern über die 100 Meter, über die sie sich für die Sommerspiele in Tokio qualifizieren will. Schmidtke sicherte sich beim Sieg von Angelina Köhler (58,83 Sek.) ihren zweiten Podestplatz: Bronze in 59,12 Sekunden.

Lukas Märtens

Die Schule ruft. Es ist nicht zu ändern. Während die Teamkollegen in der Sierra schuften, arbeitet der Zwölftklässler Lukas Märtens im Sportgymnasium für die nächsten Klausuren im November. „Da kann ich ihn nicht rausnehmen“, sagte sein Trainer Bernd Berkhahn. „Für mich ist aber auch das zweite Höhentrainingslager im Februar und März wichtiger, denn dort geht es um die unmittelbare Vorbereitung auf die Olympia-Qualifikation.“

Deshalb war es ganz gut, den 17-Jährigen erstmals bei einem Weltcup starten zu lassen. Denn dort durfte er sich zum Beispiel mit dem WM-Fünften Irie Ryosuke über 200 Meter Rücken messen. Der Japaner gewann in 1:56,46 Minuten. Märtens wurde Sechster in zu diesem Zeitpunkt überraschend starken 2:00,61 Minuten. Damit blieb er nur 69 Hundertstelsekunden über seiner persönlichen Bestleistung. „Das war wirklich toll“, sagte Berkhahn. Aber auch ein Indiz für die Arbeit in den vergangenen vier Wochen: „Lukas hat sehr gut trainiert und sich weiterentwickelt.“

Märtens staunte und lächelte oft in Berlin. Nach den 1500 Metern Freistil, die er auf Rang acht in 15:46,06 Minuten und vor Teamkollege Rob Muffels (10. in 15:55,51) beendete. Und nach den 200 Metern Freistil, die er in 1:49,51 Minuten eine gute halbe Sekunde über seiner Bestzeit (1:48,98) auf dem sechsten Platz abschloss. Es gewann Danas Rapsys (Litauen) 1:45,82 Minuten. „Für mich ist es wichtig, Erfahrungen in der Renneinteilung zu sammeln“, erklärte er. Und was wünscht er sich von der neuen Saison? „Natürlich habe auch ich Olympia im Hinterkopf. Aber ich mache mir da keinen Druck“, sagte Märtens. „Schön wäre schon, an der EM teilzunehmen.“ Die wird im nächsten Mai in Budapest (Ungarn) ausgetragen.

Marius Zobel

Marius Zobel und sein hünenhafter 2,05-Meter-Körper brauchten erst einmal eine dicke Umarmung, derart erschöpft kam der 19-Jährige nach seinem Vorlauf über 400 Meter Freistil aus dem Wasser. Einige Schnappatmungen später berichtete er: „Wir schwimmen ja aus dem vollen Training heraus. Muskulär bin ich noch nicht locker genug und auch nicht bereit.“

Dennoch: Weder 4:05,78 Minuten über die mittlere Distanz noch 1:53,73 Minuten über 200 Meter und 52,49 Sekunden über 100 Meter, mit denen er das Finale jeweils verpasste, waren Ergebnisse, „die ich mir vorgestellt habe“, meinte Zobel. Aber womöglich, sinnierte er, „ist die Leistung noch der Tendenz aus der vergangenen Saison geschuldet“.

Da hatte Zobel sein Abitur geschrieben, in dieser Phase konnte er im Becken nicht mehr an die zuvor gezeigten Leistungen anknüpfen. Nun wartet die Sierra auf ihn – dort will Zobel zu neuen Ufern aufbrechen.