Berlin/Magdeburg l In den vergangenen vier Wochen hat Florian Wellbrock hart an seiner Kraft, an seiner Ausdauer gearbeitet. Und er hat an seiner Grundgeschwindigkeit gefeilt. Alles in der 2300 Metern Höhe. Alles in der spanischen Sierra Nevada. Und aus diesem vollen Training heraus tritt der 22-Jährige vom SC Magdeburg heute bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften an. Zunächst über die 1500 Meter, in den folgenden Tagen auch über die 200, 400 und 800 Meter Freistil. Alle Starts auf 34 Meter über dem Meeresspiegel. Alle in der Halle im Berliner Europa-Sportpark. Wellbrock wird dort wieder schnell sein. Und Wellbrock wird immer noch „der Alte“ sein. So viel ist schon mal sicher.

Erfolge machen Wellbrock selbstsicherer

Was werden also die Autogrammjäger, die Wellbrock am Sonnabend zwischen seinen Starts um eine persönliche Widmung bitten werden, über den Wellbrock von einst und jenen, der im Juli Weltmeister über die längste Beckendistanz und über die olympischen zehn Kilometer im Freiwasser wurde, erfahren? „Die WM-Erfolge haben mich selbstsicherer und lockerer gemacht“, hat er bereits erklärt. Und was würde Trainer Bernd Berkhahn erklären? „Er ist immer noch wie vorher. Es hat sich bei ihm keine Überheblichkeit eingestellt, auch keine Verängstigung, weil er sich einem zu großen Druck aussetzt“, meinte der Coach.

Wellbrock ist bereits zum besten Freiwasser-Schwimmer des Jahres gekürt worden, Wellbrock wird am 21. November den Medienpreis „Bambi“ erhalten. Wellbrock wird sich kurz über das goldene „Reh“ freuen, dann geht es weiter in der Olympia-Vorbereitung. In Tokio 2020 will er nicht weniger als eine Medaille holen. Die Meisterschaft in Berlin kommt ihm allenfalls als Test für seine Technik entgegen. Wenn er zu den 1500 Metern ins Becken springt, muss er 60 Wenden bis zum Ziel absolvieren. „Gerade an der Wende arbeiten wir viel“, hat Wellbrock schon mehrfach berichtet. „Wenn man bei jeder Wende eine Zehntelsekunde gutmacht, ist das im Endeffekt eine ganze Menge.“

Wellbrock: Feinarbeit beginnt

Worum es für Wellbrock in Berlin nicht geht, ist die Norm für die Europameisterschaft in Glasgow (4. bis 8. Dezember). „Die Magdeburger Schwimmer, die bei Olympia eine Rolle spielen sollen, werden daran nicht teilnehmen“, hat Berkhahn berichtet – ein Wellbrock oder eine Franziska Hentke oder eine Sarah Köhler.

Hentke ist mit der opulenten Sammlung von elf Kurzbahn-Titeln in Berlin angereist. Auch die 30-Jährige hat zuletzt vier Wochen in ihrem „zweiten Wohnzimmer“, wie der SCM-„Schmetterling“ die Sierra Nevada gerne nennt, verbracht. „Das Training verlief sehr gut, die Grundlagen für die olympische Saison sind gelegt“, teilte sie mit. In Berlin beginnt für sie die Feinarbeit.