Magdeburg/Stockholm l Schwedens Hauptstadt wird gern auch als Venedig des Nordens bezeichnet. Zwischen Mälarsee und Ostsee gelegen, durch viele Brücken und Kanäle gekennzeichnet, steuern Paare das Reiseziel im Norden gern für einen Kurztrip an. Auch Franziska Hentke weilt nun einige Tage in Stockholm. Ihre Beweggründe sind allerdings weniger romantischer Natur. Die 28-Jährige will in Schweden nämlich nichts anderes, als die Norm für die Europameisterschaft Anfang August in Glasgow knacken. Dafür muss sie am Sonntag über 200 Meter Schmetterling unter 2:07,22 Minuten bleiben. „Das ist eine Zeit, die man nicht mal ebenso aus dem Ärmel schüttelt“, sagte Hentke, „nach den Trainingsergebnissen und dem Wettkampf in Halle bin ich aber optimistisch, dass es klappen wird.“

Beim Schwimmfest in der Saalestadt vor rund zwei Wochen stellte Hentke über 200 Meter Schmetterling zwei neue Veranstaltungsrekorde auf. Viel wichtiger jedoch: „Technisch bin ich in Halle schon sehr gut geschwommen“, so die Vize-Weltmeisterin, die zuvor drei Wochen im Höhentrainingslager in Spanien verbracht hatte. Trotz fehlender Regeneration und Frische schlug die Vize-Weltmeisterin in guten 2:09 Minuten an. „Die rund zwei Sekunden, die ich jetzt noch schneller schwimmen muss, sollten mit dieser Ausgangslage machbar sein.“

Intensiveres Training

Auch deshalb, weil Hentke eine gute Vorbereitung hinter sich hat. „Wir haben das Training in diesem Jahr um einiges intensiver gestaltet und das Krafttraining weiter umgestellt“, sagte SCM-Trainer Bernd Berkhahn, „so dass sie in einer nochmal etwas besseren Form ist als in den letzten Jahren.“ Nachdem Hentke bereits beim Euro Meet in Luxemburg mit der EM-Norm geliebäugelt hatte (2:08,18), sicherte sich die SCM-Schwimmerin einen Monat später beim „Gothaer & friends Pokal“ in Magdeburg einen Doppelsieg vor heimischem Publikum. Es folgten drei intensive Wochen in der spanischen Sierra Nevada, die zunächst enttäuschend begannen. Aufgrund einer Erkältung musste Hentke eine Woche pausieren, habe aber schnell wieder zu ihrem Rhythmus gefunden. „Wie gut sie das kompensiert hat, wird man jetzt erst sehen“, so Berkhahn, der mit Blick auf die Norm jedoch optimistisch ist: „Das wird schon reichen.“

Das Budget beim Bergen Swim Festival scheint indes alles andere als ausreichend zu sein. Vom 13. bis 15. April und damit nur wenige Tage nach den Swim Open wollte Hentke eigentlich auch beim stark besetzten Festival in Norwegen starten. „Ursprünglich wollten uns die Veranstalter einladen, da aber nun so viele internationale Stars am Start sind, musste das Geld verteilt werden und sie hätten uns nicht mehr zu 100 Prozent finanzieren können“, sagte Hentke, die daraufhin ihren Start absagte. „Für mich ist es auch nochmal die Chance, Korrekturen vor den German Open vorzunehmen“, so Berkhahn.

Florian Wellbrock will Norm knacken

Die Wettkämpfe in Berlin vom 20. bis 22. April wären Hentkes letzte Chance, die EM-Norm zu schwimmen. „Das will ich natürlich vermeiden, weil es auch nervenaufreibend ist. Von daher wäre es sehr, sehr schön, wenn ich die Norm jetzt in Schweden schwimmen würde.“ Bevor die Top-Schwimmerin am Sonntag das Ziel EM-Norm in Angriff nimmt, geht die Magdeburgerin bereits am Freitag über 400 m Lagen und 100 m Schmetterling sowie am Sonnabend über 200 m Lagen an den Start.

Auch für Florian Wellbrock geht es am Sonntag über 800 m Freistil um das EM-Ticket. „Er war im Training gut unterwegs und hat einiges vor“, sagte Berkhahn. Der 20-Jährige will seine in Magdeburg geschwommene EM-Norm über 1500 m Freistil in Schweden bestätigen und liebäugelt auch über 400 m Lagen mit der Norm. Die Reise in den Norden könnte also ein wenig entspannter, dafür aber enorm erfolgreicher Kurztrip für die SCM-Schwimmer werden.