Winterberg/Magdeburg l Und Tatjana Hüfner fragte lächelnd: „Wir wollen doch jetzt nicht sentimental werden?“ Nein? Wirklich nicht? Kein bisschen Wehmut vor der letzten Weltmeisterschaft ihrer Karriere? „Die hatte ich in der gesamten Saison noch nicht“, erklärte die Rodlerin aus Blankenburg. Und leistete zusätzliche Überzeugungsarbeit mit folgender Feststellung: „Mir ist es relativ egal, ob es meine letzte WM ist, für mich ist sie einfach der Saisonhöhepunkt.“

Diese WM wird am letzten Januar-Wochenende in Winterberg ausgetragen. Von dort aus meldete sich Hüfner telefonisch am vergangenen Dienstag. Die Rodler des Bob- und Schlittenverbandes bestritten im Hochsauerland ihre Trainingswoche. Was Hüfner natürlich sehr entgegenkam. Statt der obligatorischen fünf, sechs Trainingsfahrten vor einem Weltcup durfte sie sich und ihr Gerät in diesen Tagen gleich neunmal an den 1293 Meter langen Eiskanal (Frauenstart) mit 15 Kurven gewöhnen. „Eigentlich ist es eine Gleiterbahn, auf der man den Schlitten laufen lassen muss, aber sie hat auch ihre Tücken“, berichtet Hüfner.

Karten werden neu gemischt

Die 35-Jährige kann ihren Fokus schnell auf den nächsten Wettbewerb richten, die vergangenen Rennen blendet sie einfach aus. „Die Karten werden immer wieder neu gemischt“, sagt sie. Somit auch nach dem letzten Weltcup in Sigulda (Lettland), als sie Sechste wurde. Und als sie Probleme am Start hatte.

„Aber nicht im athletischen Bereich, denn mit meiner Startzeit war ich vorn dabei“, erinnert sich Hüfner. Aber die erste Kurve hatte nicht nur ihr an diesem Tag Mühe bereitet. Zumindest zum zweiten der beiden Wertungsläufe durfte sie konstatieren: „Das war solide.“ Solide ist allerdings kein Begriff in ihrem Wortschatz, den Hüfner gern zur Erklärung verwendet.

Titelverteidigerin bei der WM

Solide ist aber zumindest in dieser Saison schon besser, als sie in manchen Rennen gezeigt hat. „Die Weltcup-Saison ist für mich nicht gut gelaufen“, bestätigt sie. „Deshalb richte ich meinen Fokus auf die Meisterschaften.“ Auf die WM, bei der sie Titelverteidigerin ist. Und auf die Europameisterschaft zwei Wochen später in Oberhof. „Das ist eine Bahn, mit der ich nicht immer zurechtgekommen bin“, sagt sie und muss selbst lachen. Immerhin ist es die Heimbahn der Wahl-Erfurterin. Und immerhin ist sie dort 2008 auch schon Weltmeisterin geworden.

Jene Bahn in Winterberg kennt sie aber mindestens genauso gut. Die Olympiasiegerin, fünfmalige Einzel-Weltmeisterin und Europameisterin, rauscht durch ihre 14. und letzte Saison. Aber eine große Meisterschaft hat selbst sie im Hochsauerland noch nie erlebt. Die letzte Rodel-WM wurde dort 1991 ausgetragen, die letzte EM 2001. Eine Medaille in Winterberg wäre also selbst für Tatjana Hüfner eine Premiere. Und da dachte man, sie hat schon alles erlebt ...