Königssee/Magdeburg l Den Ort seiner Rückkehr hätte Christopher Grotheer gar nicht besser wählen können. Nach verletzungsbedingter Pause in der ersten Saisonhälfte gab der Wernigeröder am vergangenen Freitag sein Comeback im Skeleton-Weltcup in Altenberg. An einer für ihn historischen Stätte. Denn im Erzgebirge hatte der 26-Jährige vor zwei Jahren seinen ersten und bislang einzigen Weltcup-Sieg gefeiert. Damals sogar mit Bahnrekord, den Grotheer mit 56,10 Sekunden immer noch hält.

Zu dieser Zeit reichte es diesmal nicht. Es reichte auch nicht zum Sieg. Aber es reichte zu einem vierten Platz, der ihm die ersten 192 Punkte in der Gesamtwertung bescherte. Und der umso erstaunlicher war, weil sich Grotheer mit der hohen Startnummer 25 und damit als letzter Pilot im Feld in den äußerst anspruchsvollen Eiskanal gestürzt hatte. Und dies zudem bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, als es begonnen hatte zu regnen, als das Eis immer weicher wurde. „Normalerweise kann man das Buch dann zumachen“, betont Grotheer.

Gute Startzeiten

Das Weltcup-Kapitel an diesem Tag wäre also üblicherweise noch vor der Zielfahrt geschrieben worden. Zudem: „Ich konnte meine Leistung nach dem Training eigentlich schwer einschätzen“, sagt Grotheer. Zumal ihm der Vergleich auf internationaler Bühne gefehlt hat. Und zumal ein zweiter Platz bei den nationalen Titelkämpfen kurz vor Weihnachten nicht aussagekräftig genug war. „Aber schon da waren die Startzeiten gut“, erinnert sich Grotheer. Was ihm deshalb wichtig war, da seine Verletzung einen guten oder überhaupt einen Start lange Zeit verhindert hatte. Mit zwei Muskelfaserrissen im rechten Oberschenkel lässt es sich nach vorne gebeugt nämlich schlecht sprinten.

In Altenberg ließ es sich gut sprinten, wenngleich er den Restschmerz seiner Verletzung durchaus noch spürt und er merkt, wie sehr ihn die Rückkehr ins internationale Geschäft auch anstrengt.

Nächste Station: Königssee

Grotheer will es aber nicht nur beim Comeback auf dieser Bühne belassen, er will auch zur WM nach Whistler (Kanada/25. Februar bis 10. März) fahren. Und dafür benötigt er auf den nächsten Stationen der Saison gute Ergebnisse. Denn der Konkurrenzkampf ist groß: Kilian von Schleinitz, Alexander Gassner und Felix Keisinger hoffen ebenfalls auf das WM-Ticket. Drei Startplätze hat der Bob- und Schlittenverband (BSD) bei den Titelkämpfen. Einzig gesetzt dürfte Axel Jungk als Vierter der Gesamtwertung sein. Nach den nächsten drei Weltcups werden die BSD-Verantwortlichen ihre WM-Fahrer benennen.

Für Grotheer heißt es deshalb bereits an diesem Freitag wieder: volle Fahrt voraus. Diesmal in Königssee in Bayern. Dort also, wo erhebliche Schneefälle zuletzt den Rodlern ein schweres Leben im Eiskanal bereitet hatten.

„Das war brutal“, erinnert sich auch Grotheer an die Bilder vom vergangenen Wochenende. Am Dienstag erklärte er live von der Strecke: „Es hat sich hier wieder zugezogen, und es soll auch wieder richtig Schnee geben. Wir hoffen, dass es einigermaßen geht.“ Und Christopher Grotheer hofft, dass er das nächste erfolgreiche Kapitel schreiben kann.