Fußball

Vom SC Magdeburg nach Dahlenwarsleben

Sport gehört für Max Tietz schon seit Kindheitstagen zum Leben dazu.

Von Von Stefan Rühling

Dahlenwarsleben l  Doch eines ist besonders: Der heute 31-Jährige ist einer von nur wenigen Aktiven, die während der sportlichen Laufbahn vom Handball zum Fußball gewechselt sind. In Magdeburg geboren, war Max Tietz in frühester Kindheit begeisterter Handballer. „Ich habe damals bei den jüngsten Mannschaften des SC Magdeburg gespielt“, berichtet er. Erst der Umzug seiner Familie nach Meitzendorf brachte eine entscheidende Veränderung mit sich. „Wir wohnten damals in direkter Nähe zum Sportplatz, so dass ich schnell zum Fußball gekommen bin.“

Im Jahr 1999, also im Alter von dann gerade einmal neun Jahren, ist er in die Jugend-Abteilung der Eintracht eingetreten und hat sich fortan in das Spiel mit dem runden Leder am Fuß verliebt. „Mein erster Trainer war Torsten Wolff“, erinnert sich Tietz zurück. „Da ich nicht in meiner Altersklasse mitspielte, forderte er immer, dass ich mich gegen die ‚Älteren‘ durchsetzen müsste. Überhaupt habe ich meine Kindheit nur selten zu Hause verbracht. Das Leben spielte sich hauptsächlich im Dorf oder auf dem Sportplatz ab.“

Dem Fußball ist der Angreifer bis heute treu geblieben. „Mir hat immer imponiert, welchen Teamspirit diese Sportart einer Truppe ‚Verrückter‘ vermittelt, wenn sie alle zu 100 Prozent hinter ihrem Hobby stehen und Woche für Woche alles dafür in die Waagschale werfen, um die gemeinsam gesteckten Ziele zu erreichen.“

Im fortgeschrittenen Alter hat der Fußball für Tietz so weiter an Bedeutung gewonnen. „Im Endeffekt hat er von meinem 17. Lebensjahr an mein Leben komplett beeinflusst“, sagt der Offensiv-Akteur. „Ich bin eher der ‚fleißige Arbeiter‘ und verpasse ungern ein Training aufgrund von Belanglosigkeiten. Das gilt ebenso für die Spieltage, die meine Wochenendplanung seit jeher beherrschen.“

Dabei beobachtet der heute 30-Jährige, dass die Einstellung sich in nachfolgenden Generationen verändert hat. „Leider entwickelt sich der Fußball in meinen Augen in die falsche Richtung. Die sogenannten Belanglosigkeiten sind bei vielen Akteuren wichtiger geworden und der Spirit geht verloren.“

Im Teenager-Alter musste Tietz dann auch einmal den Verein wechseln. „Aufgrund der Altersklassen-Problematik wechselte ich aus Meitzendorf nach Dahlenwarsleben. Bei den Grün-Weißen habe ich dann den Sprung in den Männerbereich geschafft“, sagt er. Einher damit gingen auch einige Veränderungen auf dem Spielfeld: „Der Fußball war plötzlich lauter, robuster und giftiger.“

Die SG Grün-Weiß Dahlenwarsleben hat sich fortan zu seinem Heimatverein entwickelt. Am Ende der Saison 2015/2016 gelang sogar ein guter vierter Rang in der Bördeoberliga. Trotzdem verspürte der damals 24-Jährige einen Wunsch: „Ich wollte einen eigenen Weg bestreiten. Einen Weg raus aus dem gewohnten Nest und der heimischen Umgebung, mich als Spieler und Persönlichkeit in einer höheren Liga beweisen. Mit viel Herzschmerz habe ich zu diesem Zeitpunkt meinen Herzensverein und eine bomben Truppe verlassen.“

Tietz zog es in das benachbarte Irxleben und damit gleich zwei Spielklassen höher in die Landesliga. „Der Unterschied war enorm, schon das Training in Irxleben war deutlich strukturierter“, blickt er auf diese Erfahrung zurück. „Es war weniger bolzen und mehr Fußball. Die technische Klasse von einigen Spielern hat mir imponiert. Körperlich war es natürlich auch eine Umstellung, diese viel mir jedoch recht leicht, da ich mich selbst über das robuste Spiel definiere.“

Innerhalb von zwei Spielzeiten kam der Torjäger aber nur auf 15 Einsätze in der Landesliga. „Wir hatten zu diesem Zeitpunkt ein sehr starkes Team. Auf den Positionen in der Offensive waren Mitspieler, welche sich schon jahrelang in der Landesliga oder gar der Beletage des Fußballverbands Sachsen-Anhalts durchgesetzt haben, mir gegenüber im Vorteil. Ich war technisch häufig unterlegen und meine körperliche Robustheit konnte ich leider nie wirklich ausspielen, da ich immer wieder von Verletzungen heimgesucht wurde und somit ins zweite Glied rutschte.“

So könnte man meinen, war dies der Grund, weshalb Max Tietz nach zwei Spielzeiten zu seinem „Herzensverein“ nach Dahlenwarsleben zurückkehrte. „Rückblickend würde ich aber sagen, dass ich in Irxleben leider nie richtig angekommen bin. Die langwierigen Verletzungen brachten mich immer ein Stück weit weg vom Team, welches konzentriert war, um eine geile Saison zu spielen.“ Es gab dann aber auch noch einen anderen Faktor, der die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte beflügelte: „Die Gier war da, wieder mit meinen jahrelangen Kumpels zu kicken.“ Zudem schätzt er an seinem Verein das familiäre Umfeld, die vielen Fans und die Bodenständigkeit.

Ohne Tietz konnte die SG in der Bördeoberliga nicht mehr an den Erfolg aus der Saison 2015/2016 mit Rang vier anknüpfen, während nach seiner Rückkehr sogar der dritte Platz am Ende der Spielzeit 2018/2019 erreicht wurde. Die erste Corona-Serie beendete das Team von Trainer Bastian Müller schließlich auf Rang zehn. Gegenwärtig belegen die Dahlenwarslebener nach sieben Spieltagen der zweiten Corona-Serie nur den letzten Platz mit einem mageren Punkt. „Dieser Zwischenstand spiegelt unsere momentane Situation klar wider und wir stehen berechtigt am Tabellenende“, sagt Max Tietz, der sogleich Kapitän seiner Mannschaft ist. „Aktuell sind wir wie ein zerbrechliches Gebilde, welches bei einem Rückstand in seine Einzelteile zerfällt. Vielleicht tut uns die aktuell lange Pause gut, um den Kopf frei zu bekommen, doch mit den bisher gezeigten Leistungen sind wir keineswegs zufrieden.“

Einen Zusammenhang zwischen dem recht hohen Durchschnittsalter von 30,45 Jahren und der aktuellen Leistungsfähigkeit sieht der Offensivmann jedoch nicht: „Für mich bedeutet ‚Alter‘ nicht gleich Leistungsabfall! Vielmehr müssen in unserem Team gerade Strukturen neu wachsen, welche durch die Abgänge von Daniel Wolff, Bastian Lehfeld und Elias Abraham entstanden sind. Das waren gestandene Spieler, welche wir bis hierher nicht kompensieren konnten. Viele Spieler, egal ob jung oder alt, sind oft mit den sogenannten Belanglosigkeiten mehr beschäftigt, als alles dafür zu tun, dass ein gestandenes, forsches und williges Grün-Weiß Dahlenwarsleben auf dem Platz steht und um Punkte kämpft.“

Dennoch zeigt sich Tietz kämpferisch: „Wenn die Saison fortgesetzt wird, wollen wir ganz klar den Abstieg verhindern und neue Strukturen schaffen.“ Für den Spielführer keine einfache Situation. „Es gibt sicherlich leichtere Momente für einen Kapitän. Sportlich läuft es miserabel, selber bin ich körperlich nicht einsatzfähig und in der Mannschaft rumort es. Aber allen Umständen gilt es zu trotzen und das beste aus der Situation zu machen. Ich spiele seit meiner Kindheit für diesen Verein, habe viele Schlachten geschlagen und war eigentlich schon einmal abgestiegen. Darum gilt: Kopf hoch und weiterkämpfen!“

Wenn er nicht aktuell verletzt wäre, würde Tietz auch mit Einsatz und Willen auf dem Platz vorangehen. So jedenfalls definiert er seine Aufgaben als Spielführer. „Es kribbelt wahnsinnig in den Beinen. Der körperliche Ausgleich fehlt mir total“, sagt der 31-Jährige. „Leider verhindern der innere Schweinehund und körperliche Defizite große, sportliche Aktivitäten im Moment.“ Dass der Ball, unabhängig von Tietz Verletzung, seit vier Monaten nicht rollt, ist für den Routinier dennoch keine unbekannte Situation: „Durch diverse Verletzungen hatte ich schon mehrere solcher Durststrecken, da ich stets Probleme mit meinem Knie, den Adduktoren und nun seit geraumer Zeit mit einer entzündeten Achillessehne habe.“

Vielleicht ist dies aber auch ein Wink mit dem Zaunpfahl. Max Tietz ist nicht nur glücklich vergeben und Vater eines Jungen, sondern erwartet in den kommenden Wochen auch das komplette Familien-Glück. „Wir werden noch einmal Eltern und warten auf die Geburt unserer Zwillinge“, verrät er.

Abseits des grünen Rasens ist der Meitzendorfer Leiter der Qualitätssicherung einer Glas-Produktion in Osterweddingen. In seiner Freizeit fährt er gern Rad oder pflegt seinen Garten. Man könnte meinen, das Ende seiner fußballerischen Laufbahn liegt nahe. „Wir werden sehen, wie viel Zeit mit drei Kindern, alles Jungs, letztlich bleibt, aber ich werde dem Fußball wohl nie fernbleiben.“ Eines schließt er dann aber doch aus: „Eine Tätigkeit als Trainer kommt für mich nicht in Frage.“ Stattdessen steht er einem Wirken im Hintergrund des Vereins eher aufgeschlossen gegenüber.